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Veröffentlicht: 13.04.2014, 18:07 Uhr

Digitale Vernetzung Das ist die Zukunft unseres Landes

Das Internet der Dinge erobert die Fabriken rasend schnell. Für Deutschland ist das die größte Chance im 21. Jahrhundert. Aber auch die größte Gefahr. Es muss handeln.

von
© REUTERS Die Kanzlerin mit ihrem Gefolge auf dem Siemens-Stand in Hannover: „Wir müssen uns sputen.“

Das Internet verschmilzt mit den Anlagen in den Fabriken und mit den Produkten, die dort hergestellt werden: Immer mehr Sachen sind im sogenannten Internet der Dinge zu jeder Zeit mit dem weltumspannenden Datennetz verbunden. Elektrotechnik, Maschinenbau, kaufmännische Funktionen werden Bestandteil sogenannter „Cyber-Physikalischer Systeme“. Auf der Hannover Messe konnte es in dieser Woche jedermann sehen. Das, was hierzulande Industrie 4.0 genannt und im angelsächsischen Raum mit dem Begriff Industrial Internet bezeichnet wird, ist die Zukunft.

Carsten Knop Folgen:

Das ist eine Revolution, von der nicht erst unsere Enkel entscheiden müssen, ob es wirklich eine war. Der Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin ist sogar der Ansicht, dass die Auswirkungen dieser Vernetzung als treibende Kraft für die Entwicklung der Volkswirtschaften künftig wichtiger sein werden als der Kapitalismus als solcher.

Was geschieht da? In die Welt der Produktion hält Moore’s Law Einzug, also die Beobachtung von Gordon Moore, des Mitbegründers des amerikanischen Chipherstellers Intel, dass sich die Zahl der Transistoren, die sich auf einem gleich großen Stück Silizium unterbringen lassen, alle 18 bis 24 Monate verdoppelt. „Und in Moore’s Law stecken noch einige Zehnerpotenzen drin“, sagt Siegfried Russwurm, der im Vorstand von Siemens für die Industriesparte zuständig ist.

Exponentialfunktionen haben es in sich

Was man dabei leicht überhört, ist, dass es sich bei Moore’s Law um eine Exponentialfunktion handelt. Und Exponentialfunktionen haben es in sich. Um das auch mathematischen Laien zu verdeutlichen, wählen Technikautoren im angelsächsischen Raum gern die Legende vom Erfinder des Schachspiels. Zuletzt erinnerten daran Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee in ihrem Buch „The Second Machine Age“, zuvor Ray Kurzweil in seinem Werk „The Age of Spiritual Machines“.

Die Legende handelt davon, dass das Schachspiel einst in Indien erfunden worden ist – und als der Erfinder zu seinem Fürsten ging, war dieser so begeistert, dass sich der Erfinder seine Belohnung aussuchen durfte. Dessen Wunsch: Nur ein Reis-, oder, je nach Version der Legende, Weizenkorn auf das erste Schachfeld, dann auf jedes weitere der 64 Felder die jeweils doppelte Menge.

Das Lachen ob des vermeintlich so bescheidenen Wunsches verging dem Fürsten der Legende nach aber schnell. Nach rund 32 Feldern dürfte der Erfinder des Schachspiels seine lustige Idee sogar mit seinem Leben bezahlt haben. Denn irgendwann war eine komplette Reisernte fällig, am Ende wäre ein Reisberg höher als der Mount Everest erreicht worden. Wenn man nun unterstellt, dass die Exponentialfunktion von Moore’s Law sich in der Welt der Informationstechnologie inzwischen der ersten Hälfte des Schachbretts nähert, wird es in den kommenden Jahren tatsächlich höchst spannend mit der IT, die schon jetzt so viele Veränderungen in den Alltag der Menschen gebracht hat.

Die Kanzlerin mahnt Europa

Im Moment dieser Erwartung steht die deutsche Industrie vor der Herausforderung, ihre weltmarktführende Stellung in der Produktionstechnologie mit einer Welt zu verbinden, in der die Deutschen bisher kaum Erfolge in der Königsklasse hatten: mit der der Software im Besonderen und der IT im Allgemeinen. Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint in diesem Zusammenhang Ungutes zu ahnen. Sie hat zu Beginn der Messe in Hannover zu mehr Innovationskraft in Europa aufgerufen. 90 Prozent des Wachstums fänden außerhalb von Europa statt. „Insofern müssen wir uns sputen und alles dafür tun, dass wir unseren Mehrwert auch wirklich nutzen“, sagte sie.

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