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Veröffentlicht: 17.05.2017, 12:52 Uhr

Künstliche Intelligenz Darf Google mit Patientendaten forschen?

Ein Tochterunternehmen von Google hat für das britische Gesundheitssystem eine App entwickelt, die Ärzten bei Behandlungen helfen soll. Dafür bekam es Daten von 1,6 Millionen Patienten – war das legal?

© dpa Der Klinikbetreiber Royal Free in London testet derzeit die Medizin-App Streams.

Hinter dem derzeitigen Vormarsch der künstlichen Intelligenz (KI) stecken nicht bloß schlauere Computerprogramme, sondern auch zwei wichtige technische Entwicklungen: viel schnellere Rechner und gigantische Datenvolumen. Um einem Computer etwas beizubringen, müssen Forscher ihn mit vielen Daten, unzähligen Beispielen versorgen. Dann können die Programme Muster erkennen, verstehen und Schlussfolgerungen ziehen. Große Konzerne wie beispielsweise Alphabet (Google) oder Facebook verfügen selbst über umfangreiche Datenbestände. Aber auch sie müssen auf speziellen Themenfeldern mit anderen kooperieren.

Die künstliche Intelligenz erforschende Google-Tochtergesellschaft Deep Mind arbeitet dafür zum Beispiel schon länger mit dem staatlichen britischen Gesundheitssystem NHS zusammen. Die KI-Fachleute haben eine App entwickelt namens Streams, die Ärzte und Krankenpfleger nach einer Testphase mittlerweile in mehreren Krankenhäusern in London tatsächlich ausprobieren in der alltäglichen Behandlung.

„Lektionen aus Pionierarbeit“

Die App soll den Medizinern dabei helfen herauszufinden, ob ein Patient anfällig ist für akutes Nierenversagen – im Zusammenhang damit sterben Angaben des NHS  zufolge jedes Jahr 40.000 Menschen in Britannien. Die NHS-Fachleute schätzen, dass ungefähr ein Viertel davon durch Vorbeugung verhindert werden kann. Die Rückmeldungen seitens der Mediziner seien sehr positiv, teilten sowohl die Krankenhausgruppe Royal Free als auch Deep Mind-Mitgründer Demis Hassabis bereits über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Überschattet wird dies jedoch durch eine laufende Untersuchung über die Frage, ob die Kooperation zwischen der Google-Tochtergesellschaft und dem NHS rechtlich einwandfrei ist. Um der Medizin-App das Diagnostizieren beizubringen, hat die britische Gesundheitsbehörde den Deep-Mind-Forschern nämlich die Daten von 1,6 Millionen Patienten zur Verfügung gestellt, die den entsprechenden Personen zugeordnet werden können.

Zweifel bestehen, ob dies rechtens gewesen ist. Die ranghöchste Datenschutzbeauftragte im britischen Gesundheitsministerium hat dem Chef des NHS-Krankenhauses Royal Free nun einen Brief geschrieben, in dem sie die Einschätzung äußert, dass die Bereitstellung der Patientendaten durch den NHS an Deep Mind auf einer „unangemessenen rechtlichen Grundlage“ erfolgt sei, meldet der Fernsehsender „Sky News“, der den Brief auf seiner Internetseite veröffentlicht hat. Die Meinung ist relevant, sie fließt in die offizielle Untersuchung dieses Vorgangs durch die britische Datenschutzbehörde IOC ein, die sich dem Bericht zufolge „kurz vor dem Abschluss“ befindet.

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Konkret dreht sich die rechtliche Debatte darum, ob Deep Mind von jedem einzelnen der 1,6 Millionen Patienten eine persönliche Einverständniserklärung hätte einholen müssen. Nach britischem Recht ist es offenbar legal, dies auszulassen, wenn die Daten für die direkte medizinische Behandlung verwendet werden. Auf diesem Standpunkt stehen die Fachleute von Deep Mind. Die Gesundheits-Datenschützerin argumentiert hingegen, dass die Daten von Deep Mind eben nicht zur direkten Patienten-Behandlung verwendet worden seien, sondern, um besagte Medizin-App zu „trainieren“ und für den NHS zu entwickeln.

In einer Stellungnahme zu dem Sachverhalt hat der Klinikbetreiber Royal Free nun gegenüber dem Internetportal „The Verge“ mitgeteilt, dass dieses Projekt „eines der ersten seiner Art innerhalb des NHS“ sei und es „immer Lektionen gibt, die wir aus Pionierarbeit lernen können“. Ein Sprecher von Deep Mind sagte demnach, dass die Daten „niemals für kommerzielle Zwecke verwendet worden oder mit Google-Produkten, Diensten oder Werbung kombiniert worden sind – und es niemals werden“.

Die Diskussion über Gesundheitsdaten ist gerade in Britannien derzeit durchaus brisant – kommt sie doch nur eine Woche nach einer Cyberattacke, durch die mehr als 220.000 Computer in 150 Ländern betroffen waren. Sie schränkte auch den Betrieb einiger britischer Krankenhäuser vorübergehend ein.

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