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Cyber-Sicherheit : Sicherheitsfachleute rechnen mit weiteren Attacken

Bei der Bahn fielen am Wochenende zahlreiche Anzeigetafeln aus. Bild: dpa

Die Cyber-Attacke vom Wochenende ist Wasser auf den Mühlen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. Die Behörde rüstet kräftig auf und gibt Handwerkszeug an die Hand.

          Arne Schönbohm hat ein gehöriges Selbstbewusstsein und ist selten um ein Wort verlegen. Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz BSI, betont das „die“ ganz besonders, wenn er sagt: „Das BSI ist die nationale Cyber-Sicherheitsbehörde.“ In Amerika gebe es zahlreiche Institutionen, die sich um die Cybersicherheit bemühen, dabei wisse doch jeder, dass sich am Ende niemand kümmert, wenn sich zu viele kümmern wollen. „Deshalb sage ich: Es kann nur einen geben.“ Schönbohm wird wissen, dass er den „Highlander“ zitiert: In dem Fantasy-Film von 1986 spielte Christopher Lambert einen Unsterblichen.

          Schönbohm verhält sich auch ein wenig wie ein Highlander. Er will mehr Personal, mehr Kompetenzen und auch mehr Aufmerksamkeit für die IT-Sicherheit, um die sich seine Behörde kümmert. Derzeit kann er sich über mangelndes Interesse am Thema nicht beschweren. Nach der Erpresserattacke am Wochenende, von der inzwischen laut Europol mehr als 220.000 Menschen in gut 150 Ländern betroffen sind, sagte Schönbohm: „Die Angriffe sind ein erneuter Weckruf für Unternehmen, IT-Sicherheit endlich ernst zu nehmen und nachhaltige Schutzmaßnahmen zu ergreifen.“

          Man muss sich den kurzhaarigen früheren Manager vorstellen als jemanden, der sich wirklich darüber ärgert, wenn bekannte Sicherheitslücken ausgenutzt werden, obwohl sie schon längst geschlossen sein könnten. Manchmal ist die Arbeit seiner Behörde wie ein Kampf gegen Windmühlen. Auch im aktuellen Angriff mit Ransomware, die Computer verschlüsselt hat und Geldbeträge erpressen will, gab es schon eine Empfehlung des BSI an Unternehmen, sich Updates herunterzuladen, um möglichen Attacken vorzubeugen.

          600 Millionen Schadprogramme

          Die Deutsche Bahn kämpfte noch am Montag mit nicht funktionierender Technik; am Wochenende wurden in Frankfurt Kreide und Schiefertafeln eingesetzt, um Fahrtzeiten und Verbindungen anzuzeigen. Gleichzeitig tönte Bahn-Chef Richard Lutz in der „Bild am Sonntag“, dass das Unternehmen irgendwann nur noch digitale Tickets anbieten wolle und der Zug dann an den Smartphones erkenne, sobald ein Fahrgast das Abteil betritt.

          Das BSI hat in den vergangenen Tagen viele Telefonkonferenzen geführt. An diesem Dienstag beginnt der IT-Sicherheitskongress der Behörde in Bad Godesberg, der „Wannacry“ genannte Computerwurm wird dort auch eine Rolle spielen. Der 47 Jahre alte Schönbohm hat das BSI, das ebenfalls in Bonn sitzt, verändert, seitdem er Anfang 2016 auf Vorschlag von Bundesinnenminister Thomas de Maizière das Amt übernahm.

          Seine Vorgänger waren Techniker, aber keine Leute für die Öffentlichkeit, die auch den Politikern und Managern in Unternehmen mit einfachen Worten erklären können, warum sie sich in einer digitalisierten Zukunft besser schützen müssen. „Wir haben in der Vergangenheit oft zu wenig darüber geredet, was wir tun“, sagt Schönbohm. Früher ähnelte die Behörde eher einem Geheimdienst. Dabei gebe es heute knapp 600 Millionen Schadprogramme, Cybercrime sei ein größeres Geschäft als Drogenkriminalität. Die Zeit des BSI-Schweigens ist vorbei.

          Eine GSG9 für die Cyberabwehr

          Eine der wichtigsten Aufgaben des Amtes ist die Zertifizierung. Das BSI will Unternehmen ermöglichen, dass sie besser beurteilen können, welche Hardware oder Software etwas taugt. Keine Behörde rund um die Welt stelle so viele Zertifikate aus wie das BSI, sagt Schönbohm. Allein für das sogenannte Smart Metering, also die intelligente Stromzählung, die in immer mehr vernetzte Häuser eingebaut wird, arbeite das BSI gerade an acht Zertifizierungen. Der BSI-Chef spricht darüber viel mit Unternehmen, tauscht sich aus über Gütesiegel und Haftungsfragen.

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