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Cristina Stenbeck Schwedens Medienkönigin

31.07.2004 ·  Wohl keine andere nordische Börsengruppe ist so weltumspannend wie die Invik. Deren Chefin Cristina Stenbeck ist gerade 26 Jahre alt. Schon als Vierzehnjährige nahm sie angeblich an ihrer ersten Aufsichtsratssitzung teil.

Von Robert von Lucius
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Noch nicht einmal zwei Jahre hat sie gebraucht: Als der schwedische "Medienzar" Jan Stenbeck, Pionier des schwedischen Privatfernsehens, im August 2002 plötzlich an einem Herzschlag starb, erwarteten viele das Ende eines ebenso ausgreifenden wie verzwickten und verschuldeten Konzerns, den Stenbeck so steuerte, oft vom Telefon aus, daß niemand anders einen Überblick haben konnte.

Nun aber schloß seine 26 Jahre alte Tochter Cristina Stenbeck eine grundlegende Umgestaltung und Verschlankung des Unternehmens ab mit der Stockholmer Börsennotierung der Investment AB Kinnevik (Invik), in die bisherige Gruppen wie Kinnevik und Invik eingingen. Nahezu zwei Milliarden dürfte der Börsenwert des Konzerns betragen, den Stenbeck noch immer als Familiengruppe ansieht: Sie und ihre drei jüngeren Geschwister, mit denen sie sich abspricht, sind die Haupteigentümer.

Gesamtauflage vier Millionen

Wohl keine andere nordische Börsengruppe ist so weltumspannend und doch so unbekannt. Zu Invik zählen die international tätige Mobilfunkgruppe Tele 2, die auch in Deutschland mehr als eine Million Kunden hat, der schwedische Fernsehsender TV4, vor allem aber Metro. Die Metro-Gruppe ist die größte Zeitungsgruppe der Welt für Gratiszeitungen und mit einer Gesamtauflage von mehr als vier Millionen die viertgrößte Zeitungsgruppe der Welt. Metro wird derzeit in 27 Städten verteilt von Valencia bis Toronto, Athen bis Hongkong und demnächst Moskau.

In Stockholm, wo sie begann, erzielt sie schon lange solide Gewinne, im Frühjahr aber erreichten Cristina Stenbeck und der Metro-Chef Pelle Törnberg erstmals auch in der gesamten Metro-Gruppe Gewinn. Bei Metro nutzt Cristina Stenbeck das gleiche Vorgehen wie in ihren anderen Unternehmungen: Sie überläßt das Tagesgeschäft alten Vertrauten, die wie Törnberg schon für ihren Vater tätig waren und die sie oft seit ihrer Kindheit kennt.

Schnelldenkerin

Sie greift weniger als ihr Vater ein, ist aber stellvertretende Vorsitzende der wichtigsten Vorstände oder Aufsichtsräte, und in diesen legt sie Wert darauf, an den Debatten teilzunehmen. Zudem holte sie den legendären früheren Volvo-Chef Pehr Gyllenhammar aus London zurück nach Schweden: Er wird Aufsichtsratsvorsitzender von Invik, sie, die abwechselnd als schnell denkend, neugierig, bestimmt und zäh beschrieben wird, seine Stellvertreterin.

Aufsichtsräte sind ihr nicht unvertraut: Als Vierzehnjährige nahm sie angeblich an ihrer ersten Sitzung teil, und Mitglied wurde sie mit 19 Jahren. Meist aber lebte sie weitab von Stockholm, auch nach der Scheidung ihrer künstlerisch begabten Mutter von Stenbeck, vor allem in New York. Dort war sie Marketing-Assistentin bei Polo Ralph Lauren, ihre erste Anstellung nach dem Abschluß ihres Volkswirtschaftsstudiums in Washington, als sie nach dem Tod des Vaters heimgerufen wurde. So ist Cristina Stenbeck sprachlich wie vom Typ amerikanisch geprägt, beherrscht aber ihre Vatersprache solide mit einem leichten amerikanischen Zungenschlag.

Teil der Elite

Sie wuchs in einer wohlhabenden und selbstbewußten Umgebung auf, stets - nicht nur, wenn sie mit amerikanischen Freunden von Leibwächtern begleitet durch Stockholm schwebt - als Teil der Elite. So wird ihr der Wechsel auf den Chefposten, den sie erst in einigen Jahren anstreben wird, nicht schwerfallen: Sie scheut Entscheidungen nicht. Sie machte Invik offener, übersichtlicher und vorausschaubarer, bildete die Aufsichtsräte um, besänftigte Investorenängste durch ihre Auftritte und ihre knappen, direkten Antworten.

Der Erfolg gab ihr recht: Binnen kurzem verdoppelte sich der Aktienkurs. Jetzt hat "Königin Cristina", wie schwedische Zeitungen sie gern nennen, den nächsten Schritt ihres Lernprozesses begonnen: wieder mehr zu reisen und die Tochtergesellschaften in gut 60 Ländern sowie deren Mitarbeiter kennenzulernen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2004, Nr. 176 / Seite 16
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