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Computerkonzern Dell : Aufholjagd mit 42 Jahren

  • -Aktualisiert am

Ambitionierte Pläne mit seinem Konzern: Michael Dell Bild: AFP

Hewlett-Packard ist Marktführer unter den Computerkonzernen. Bei Verfolger Dell kehrte Anfang des Jahres Gründer Michael Dell als Vorstandsvorsitzender zurück. Nun stehen umfassende Pläne für eine Aufholjagd fest.

          Michael Dell will es noch mal wissen: Mit neuen Produkten und neuen Vertriebswegen soll der von ihm gegründete, gleichnamige Computerkonzern wieder Boden zur jetzigen Nummer eins im Markt, dem amerikanischen Konkurrenten Hewlett-Packard (HP), gutmachen. Für die Aufholjagd hat sich Unternehmensgründer Dell, der erst im Januar wieder die Führung als Vorstandsvorsitzender (CEO) von Dell übernommen hat, einiges vorgenommen. „Der Verkauf von Desktop-Computern in Wal-Mart-Geschäften ist nur der Anfang; in den kommenden Wochen und Monaten werden wir auch in Europa den indirekten Vertrieb starten“, sagte Michael Dell in Paris. „Wir führen Gespräche mit den großen Einzelhandelsketten in Europa.“

          Im fragmentierten europäischen Markt kämen nur die führenden Groß-und Einzelhändler für weitere Allianzen in Frage, sagte der Unternehmensgründer. Dabei werde der Vertrieb über Zwischenhändler Auswirkungen auf die Marge haben. Das Geschäft über eigene Läden, wie es der viel kleinere, aber stark wachsende Wettbewerber Apple mit seinen 170 Läden praktiziert, wolle man hingegen nicht forcieren. „PC-Verkäufe über eigene Geschäfte werden sicher keinen gravierenden Umsatzanteil ausmachen“, sagte der 42 Jahre alte Unternehmenschef.

          „Müssen uns auf langfristige Ziele konzentrieren“

          Der für sein direktes Vertriebsmodell bekannte Computerbauer hatte Ende Mai angekündigt, in 3500 Wal-Mart-Geschäften von Mitte Juni an Standgeräte (Desktop) verkaufen zu wollen. Geht es nach Dell, sollen bald auch Notebooks folgen. Aber nicht nur die Verkaufswege stehen derzeit beim ehemals weltgrößten Computerkonzern auf dem Prüfstand. Auch zwei neue Produktreihen, sowohl für Unternehmenskunden als auch für Privatanwender, darf der Markt gespannt erwarten. Sie sollen gegen Jahresende eingeführt werden und im Gesundheits- sowie Bildungsbereich zum Einsatz kommen.

          Dell will die Erfolgssträhne des derzeitigen Marktführers HP brechen. „Wir müssen weg von der bisher dominanten kurzfristigen Planung und uns mehr auf langfristige Ziele konzentrieren“, sagte Dell. Das heißt: Dell will sein Servicegeschäft ausbauen, das innerhalb von 3 Jahren von 3,7 Milliarden Dollar auf 5,7 Milliarden Dollar Umsatz im vergangenen Jahr deutlich gewachsen ist. „Kleinere Akquisitionen“ stellt er hier in Aussicht. Das Unternehmen will sich zudem aus dem Geschäft mit LCD-Fernsehgeräten, die unter der Marke Dell verkauft werden, zurückziehen.

          „Haben zu viele Hierarchien. Das muss sich ändern.“

          Und auch die Kostenstrukturen hat der Texaner Dell im Visier. „Wir haben in der Vergangenheit unseren Personalbestand um 50 Prozent erhöht, sind beim Umsatz aber nur mit 15 Prozent gewachsen“, erklärt Michael Dell mit Blick auf den Ergebnisrückgang der vergangenen Berichtsperiode. Der kürzlich angekündigte Abbau von 8800 Stellen (10 Prozent der Belegschaft) soll das Kräfteverhältnis wieder ins Gleichgewicht bringen.

          „Der Umsatz ist nicht wie erwartet gestiegen. Wir haben zu viele Hierarchien. Das muss sich ändern“, sagt Dell und hält weitere Personalreduzierungen nicht für unwahrscheinlich. Dell, der mit 19 Jahren sein Studium abbrach, um sich ganz dem Aufbau seines Unternehmens zu widmen, kämpft seit seiner Rückkehr auf den Chefposten an vielen Fronten. Es gilt, den Rückstand auf HP aufzuholen. „Wir sind immer noch Marktführer im Geschäftskundensegment“, sagte Dell. Das erklärt jedoch nicht, wie er im Privatkundengeschäft punkten will.

          „Ich bin 42 Jahre, was soll ich sonst machen?“

          Noch partizipiert der Konzern aus Austin (Texas) nicht an der steigenden Nachfrage nach mobilen Endgeräten, die das Wachstum im Desktop-Bereich übertrifft. „In Frankreich sind wir Nummer sieben im Endverbrauchermarkt, mit einem Marktanteil von 2 bis 3 Prozent“, sagte Dell und weiß, dass dies nicht das einzige Land ist, in dem HP mit Privatkunden das bessere Händchen hat. Schwung sollen auch fünf neu eingestellte Manager bringen, die ganz neu geschaffene Führungspositionen wie etwa die des Chief Marketing Officer besetzen. „Wir müssen weg vom transaktionsbasierten Ansatz“, sagt Dell, und meint damit, dass der Computerbauer zu wenig die Bedürfnisse der Endverbraucher beachtet habe.

          Die Frage, warum er überhaupt wieder an die Spitze zurückgekehrt sei und sich dem Druck der Finanzmärkte aussetze, wischt Michael Dell mit einer Handbewegung weg: Er fühle sich verantwortlich, und nicht zuletzt mache ihm der Job Spaß. „Ich bin 42 Jahre, was soll ich sonst machen?“

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