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Computer Der iPod Mini hat in Amerika eine Hysterie ausgelöst

15.07.2004 ·  Rob vom Apple-Laden in New York weiß bestimmt, was er mit seinen Worten auslöst: "Wir haben blaue und grüne. Am besten Sie kommen sofort hierher", sagt er am Telefon. Gemeint sind die neuen iPod Minis von Apple.

Von Roland Lindner und Carsten Knop
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Rob vom Apple-Laden in New York weiß bestimmt, was er mit seinen Worten auslöst: "Wir haben blaue und grüne. Am besten Sie kommen sofort hierher", sagt er am Telefon. Wie wahrscheinlich jedesmal, wenn Rob die frohe Botschaft verbreitet, spielen sich dann die folgenden Szenen ab: Hektisches Verlassen der Wohnung, ein Slalom durch die Straßen von Manhattan zum einzigen Apple-Geschäft in der Stadt in Soho und schließlich der bange Blick aufs Regal. Und tatsächlich stehen sie dort, die kleinen würfelförmigen Schachteln mit dem wohl begehrtesten elektronischen Gerät in Amerika: dem digitalen Musikspieler iPod Mini. Der iPod läßt sich mit dem heimischen Computer synchronisieren und die dorthin von Compact Discs überspielte oder aus dem Internet heruntergeladene Musik aufnehmen - die Speicherkapazität reicht für Tausende Lieder.

Eigentlich sind an diesem Morgen sogar noch recht viele iPods verfügbar. "Wahrscheinlich hat es sich noch nicht in der Stadt herumgesprochen, daß wir eine Lieferung bekommen haben. Bis heute abend sind die bestimmt alle weg", sagt der Kassierer. Seit Februar sind die bunten iPod Minis, die es in fünf verschiedenen Farben gibt, in Amerika auf dem Markt. Die nur etwas mehr als scheckkartengroßen Geräte haben von Anfang an eine wahre Hysterie ausgelöst, die Verbraucher lassen sich vom saftigen Preis von 249 Dollar plus Steuern nicht abschrecken. Am ersten Verkaufstag bildeten sich schon Stunden vor der Ladeneröffnung lange Schlangen vor dem Geschäft in Soho.

Apple kommt nicht nach


Bis zum heutigen Tag kommt Apple mit der Belieferung bei weitem nicht nach. Über das Online-Auktionshaus Ebay sind für iPod Minis schon Summen von mehreren hundert Dollar über dem Verkaufspreis gezahlt worden. Die fortdauernde Knappheit in Amerika ist für die verspätete Markteinführung des Geräts in Europa verantwortlich. Bei der Telefonkonferenz zum abgelaufenen Quartal am Mittwoch bezeichnete Vertriebschef Tim Cook die Nachfrage in Amerika als "atemberaubend". In den vergangenen drei Monaten hat Apple insgesamt 860 000 iPods verkauft. Im Vorjahr lag der Absatz noch bei 304 000. Zwischenzeitlich hat Apple sogar schon mehr iPods verkauft als Computer. Im vergangenen Quartal haben die von ihren Fans liebevoll "Mac" genannten Computer allerdings mit 876 000 verkauften Stück knapp die Oberhand behalten.

Nach den Worten von Cook zeichnet sich jetzt aber auch in Europa ein großer Erfolg für den iPod Mini ab, der vom 24. Juli an für 259 Euro verkauft werden wird. Seit einer Woche nehme Apple hier Aufträge über seine Internetseite entgegen, und die Nachfrage sei "beispiellos". Die deutsche Zentrale nennt sie sogar "exorbitant". "Natürlich" werde es einen Nachfrageüberhang geben. "Den werden wir im Laufe des Sommers abtragen." Dabei werde das Gerät zu Beginn gewiß nicht nur in "homöopathischen Dosen" abgegeben. Man könne durchaus davon ausgehen, daß die Einzelhandelspartner von Apple zum Verkaufsstart in ihren Filialen jeweils hundert Geräte auf Lager hätten - genaue Zahlen aus der Produktionsplanung gibt Apple nicht bekannt. "Doch gibt es bei diesen Ketten, etwa bei Gravis, schon viele Vorbestellungen." Die Nachfrage habe nach dem Start des "iTunes Music Store" in Europa nochmals zugenommen und die eigenen, optimistischen Erwartungen übertroffen. Die iPods sind für eine sehr viel größere Käuferschicht attraktiv als bei Apple normalerweise üblich. Denn sie funktionieren nicht nur mit Apple-Computern, sondern ebenfalls mit den nahezu marktbeherrschenden Geräten der Windows-Konkurrenz. Hergestellt werden die iPods in Taiwan, wesentlicher technischer Bestandteil ist die Festplatte, die von Hitachi zugeliefert wird.

Bisher konkurrenzlos


Bislang ist Apple mit dem iPod, vor allem aber mit der Mini-Version weitgehend konkurrenzlos. Dies ändert sich aber in diesen Tagen. Der japanische Unterhaltungselektronikkonzern Sony hat gerade auf seinem Heimatmarkt einen eigenen digitalen Musikspieler auf den Markt gebracht, in Amerika wird das Gerät vom nächsten Monat an verkauft. Apple nimmt die Bedrohung aus Japan offenbar sehr ernst. Das Unternehmen liefert sich bereits hitzige Wortgefechte mit dem Wettbewerber über dessen Versprechungen einer höheren Speicherkapazität.

Im Moment lächeln einen die Apple-Mitarbeiter in Soho aber normalerweise nur müde an, wenn man sie fragt, ob iPod Minis im Laden stehen. Auch in Amerika beträgt die Lieferzeit derzeit mindestens vier Wochen, wenn man über das Internet bestellt - nur der größere und immer weiße Original-iPod ist sofort lieferbar. Den iPod gibt es in verschiedenen, metallisch schimmernden Modefarben. Ansonsten kann man nur hoffen, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, wenn der Laden in Soho alle ein bis zwei Wochen dann doch eine Lieferung bekommt, und mehrmals täglich nachfragen.

Anderswo ist die Lage ähnlich, wenngleich die Läden mit anderen Zuteilungssystemen arbeiten. Im Apple-Geschäft auf der Michigan Avenue in Chicago wird zum Beispiel eine Warteliste geführt. Auf der stehen "Hunderte" von Namen, wie Mitarbeiterin Ania erzählt. Wenn eine Lieferung kommt, wird die Hälfte der Geräte an Menschen von der Warteliste abgegeben, der Rest wird wie in New York frei im Laden verkauft. Die Liste ist nach den Worten von Ania so lang, daß es wahrscheinlich schneller geht, sich den iPod Mini direkt im Internet zu bestellen. Zumindest trägt Ania nicht zur Knappheit der iPod Minis bei. An ihrem Gürtel hängt ein Original-iPod mit einer Speicherkapazität von 3700 Liedern, wohingegen es der Mini nur auf 1000 bringt. "Für meine Zwecke ist die Kapazität des Mini viel zu niedrig", sagt sie.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2004, Nr. 163 / Seite 14
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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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