12.01.2005 · Apple verabschiedet sich von seiner Strategie, mit teuren Rechnern eine lukrative Nische am oberen Ende des Computermarktes zu besetzen. Der neue „Mac Mini“ soll Windows und Linux Konkurrenz machen.
Innovative Technik, herausragendes Design und hoher Preis - diese Merkmale haben bislang fast alle Computer von Apple geprägt. Nun unternimmt der kalifonische Computerpionier erstmals einen Anlauf, mit einem Billig-Macintosh Fuß im PC- Massenmarkt zu fassen, der bislang fast ausschließlich von Windows- Rechnern dominiert wird.
Apple-Chef Steve Jobs präsentierte auf der Hausmesse MacWorld Expo in San Francisco am Dienstag (Ortszeit) mit dem „Mac mini“ den ersten Macintosh-Computer in der Firmengeschichte, der unter der 500-Dollar-Schwelle angeboten wird.
Jobs wird angetrieben vom sagenhaften Erfolg des Kultplayers „iPod“, der auch unter PC-Besitzern populärer als jeder andere digitale Musikplayer ist. Jobs sagte, Apple habe alleine im Weihnachtsquartal 2004 4,5 Millionen iPods verkauft. Weltweit kommt Apple damit nach den Worten Jobs bei MP3-Playern inzwischen auf einen Marktanteil von 65 Prozent nach 31 Prozent im Vorjahr.
Ein Billig-Macintosh soll nun vor allem die Windows-Anwender ansprechen, die mit dem iPod ihre ersten positiven Erfahrungen mit Apple-Produkten gemacht haben. „Vielleicht haben die sich bislang zurückgehalten, weil die Apple-Rechner teurer (als Windows-PCs) waren“, sagte Jason Snell, Chefredakteur des amerikanischen Fachmagazins „Macworld“. „Wenn auch nur ein Bruchteil von denen einen neuen Macintosh kaufen würde, könnte sich die Dynamik (am Markt) wirklich ändern.“
Hohe Preise, ordentliche Margen
In den vergangenen Jahren hatte sich Apple in der lukrativen Nische des High-End-Marktes eingenistet. Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie IBM verdiente Apple mit seinen Computern gutes Geld, da die höheren Preise auch ordentliche Margen ermöglichten. Gleichzeitig sank aber der Marktanteil der Rechner mit dem Macintosh- Betriebssystem kontinuierlich und liegt nun weltweit deutlich unter drei Prozent. Läuft es nach den Plänen von Steve Jobs, wird der Macintosh im Wettbewerb mit Windows, aber auch mit dem aufstrebenden freien Betriebssystem Linux nun deutlich zulegen. „Leute, die über einen Wechsel nachdenken, haben künftig keine Ausrede mehr, nicht umzusteigen“, sagte Jobs. „Das ist der billigste Computer, den Apple je angeboten hat. Es ist der erschwinglichste Mac aller Zeiten.“
Benjamin Reitzes, Analyst der UBS AG in New York, glaubt zumindest, daß Jobs keinen besseren Zeitpunkt erwischen konnte, um Windows-Anwender anzulocken. „Die Verschiebung des Starts der nächsten Windows-Version in das Jahr 2006 gibt Apple die Chance, 2005 Marktanteile zu gewinnen, wenn man sich die revitalisierte Marke von Apple durch den iPod anschaut.“
Ohne Tastatur, Maus oder Bildschirm
In Deutschland wird der „Mac mini“, der mit einer Kantenlänge von 16 Zentimeter nur fünf Zentimeter hoch ist und 1,3 Kilogramm wiegt, für 489 Euro mit einer 40-Gigabyte-Festplatte angeboten. Das Modell mit 80 Gigabyte kostet 589 Euro.
Der „Mac mini“ arbeitet mit Standard-Peripherie aus der PC-Welt zusammen. Allerdings gehören weder Tastatur, noch Maus und Bildschirm zum Lieferumfang.
I-Pod für Einsteiger
Apple stellte in San Francisco gleichzeitig ein neues Einsteigermodell der „iPod“-Familie vor. Der „iPod Shuffle“ ist deutlich kleiner als die bisherigen Modelle und hat kein Display. Das Gerät ist in zwei Varianten zu haben und in Deutschland ab Ende Januar erhältlich. Als 512 Megabyte-Version mit einer Speicherkapazität von rund 120 Musiktiteln ist das neue iPod-Modell bereits für 99 Euro zu haben, die Ein-Gigabyte-Version mit einer Speicherkapazität von bis zu 240 Songs kommt für 149 Euro auf den Markt. „Der iPod shuffle ist kleiner und leichter als eine Packung Kaugummi und kostet weniger als 100 Euro", schwärmt Apple-Vorstandschef Jobs. Im Gegensatz zu den bisherigen iPod-Modellen ist der „iPod shuffle“ statt mit einer Festplatte mit einem Flash-Speicherchip ausgestattet, der zum Beispiel auch in Digitalkameras eingesetzt wird.
Der im kalifornischen Cupertino ansässige Konzern wollte noch am Mittwoch (Ortszeit) seine Quartalszahlen vorlegen. Von Reuters befragte Analysten erwarten dank einer unverändert starken Nachfrage nach dem iPod einen Gewinn je Aktie von 49 Cents und einem Umsatz von 3,14 Milliarden Dollar. Das Unternehmen hatte für sein im Dezember ausgelaufenes erstes Quartal einen Gewinn je Aktie von 39 bis 42 Cents und einen Umsatz von 2,8 bis 2,89 Milliarden Dollar vorausgesagt.
An der Börse in Frankfurt lag der Schlußkurs der Apple-Aktien bei 48,54 Euro, 3,86 Prozent im Minus.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,71 | −0,75% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 104,88 $ | −1,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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