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Veröffentlicht: 08.03.2017, 16:48 Uhr

Wikileaks-Enthüllung CIA-Dokumente brüskieren das Silicon Valley

Die Enthüllungen dürften für neue Spannung zwischen dem Silicon Valley und der Regierung sorgen. Apple will derweil einige der erwähnten Sicherheitslücken schon behoben haben.

von , New York
© AP Nicht sicher vor der CIA: Das iPhone aus dem Hause von Apple-Chef Tim Cook

Im Silicon Valley kennt man das Gefühl, von Enthüllungen über die Aktivitäten amerikanischer Geheimdienste in Verlegenheit gebracht zu werden. Vor vier Jahren geriet die Technologieindustrie in Erklärungsnot, als der frühere Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden Spionageinstrumente der Regierungsbehörde NSA ans Licht brachte. Branchengiganten wie Apple, Microsoft und Google fanden sich zum Beispiel auf einer Liste von Unternehmen wieder, die in das Spähprogramm „Prism“ eingebunden gewesen sein sollen.

Roland Lindner Folgen:

Sie mussten sich gegen den Verdacht wehren, willige Komplizen von Geheimdiensten zu sein. Sie beteuerten, sie würden der Regierung keinen direkten Zugang zu ihren Computersystemen geben, sondern ihr nur auf richterliche Anordnung Daten zur Verfügung zu stellen. Sie sind auf Konfrontationskurs mit der Regierung gegangen und haben Klagen eingereicht. Die jetzt bekanntgewordenen Spionageaktivitäten des Auslandsgeheimdienstes CIA könnten das Verhältnis zwischen dem Silicon Valley und der Regierung aufs Neue belasten.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat Tausende von Dokumenten veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass die Behörde systematisch Instrumente entwickelt haben soll, um Smartphones, Computer und Fernseher zu knacken. Nach Angaben in den Dokumenten, deren Authentizität von der Regierung bislang nicht bestätigt wurde, sind einige der populärsten elektronischen Produkte betroffen: iPhones von Apple, Smartphones mit der Android-Software von Google, Computer mit dem Betriebssystem Windows und internetfähige Fernseher von Samsung.

Keine Anhaltspunkte für Zusammenarbeit mit Geheimdienst

In dem Geheimdienst soll es zum Beispiel eine Gruppe von Mitarbeitern geben, die allein darauf spezialisiert ist, Schadsoftware zu entwickeln, die es ermöglicht, sich Zugang zu Daten auf Apple-Produkten wie dem iPhone und dem iPad zu verschaffen. Infizierte Smartphones sollen zum Beispiel in der Lage sein, ihre Kameras und Mikrofone von selbst zu aktivieren und Informationen wie den Standort ihrer Nutzer an die Regierung zu übermitteln.

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Die CIA soll dabei auch in der Lage sein, Verschlüsselungsmechanismen zu umgehen, wie sie zum Beispiel der Kurzmitteilungsdienst Whatsapp hat. Insgesamt soll der Geheimdienst 14 Sicherheitslücken im Apple-Betriebssystem und 24 Schwachstellen in der Android-Software entdeckt und ausgenutzt haben. Auch für die Android-Produkte soll es ein designiertes CIA-Team geben. Apple teilte mit, viele der beschriebenen Sicherheitslücken seien schon in der jüngsten Version seines Betriebssystems behoben worden, und das Unternehmen werde versuchen, etwaige andere Schwachstellen schnell zu beseitigen. Seinen Kunden legte Apple nahe, immer die neuesten Versionen seiner Software herunterzuladen.

Microsoft und Google ließen zunächst lediglich verlauten, sie würden sich mit der Angelegenheit befassen. In den Wikileaks-Dokumenten gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Technologiekonzerne mit den Geheimdiensten bei der Suche nach Sicherheitslücken zusammenarbeiten. Unangenehm sind die Enthüllungen für die Branche trotzdem, denn sie werfen ein Licht darauf, dass ihre populärsten Produkte von Geheimdiensten in Spionagevehikel verwandelt werden können. Sie fallen außerdem in eine Zeit, in der sich das politische Umfeld völlig verändert hat. Mit dem früheren amerikanischen Präsidenten Barack Obama pflegte das Silicon Valley ein recht freundliches Verhältnis.

Wie entwickelt sich Verhältnis mit Trump?

Es wurde zwar zwischenzeitlich von der Snowden-Affäre empfindlich gestört, und Apple lieferte sich im vergangenen Jahr einen öffentlichkeitswirksamen Streit mit der Bundespolizei FBI um die Entschlüsselung des Smartphones eines Attentäters. Aber insgesamt kamen die beiden Seiten gut miteinander aus. Unter dem neuen Präsidenten Donald Trump könnte das freilich anders sein. Er hat in der Vergangenheit nicht allzu viel Verständnis für die Befindlichkeiten der Branche mit Blick auf Datenschutz gezeigt.

© dpa, reuters Wikileaks: CIA soll Smartphones und Rechner gehackt haben

Im Wahlkampf kritisierte er Apple scharf für seine Position im Streit mit dem FBI und forderte Amerikaner auf, keine Produkte des Unternehmens mehr zu kaufen. Allgemein ist das Verhältnis zwischen Trump und dem Silicon Valley bislang sehr distanziert. Die meisten prominenten Vertreter der Technologiebranche haben sich vor der Wahl öffentlich auf die Seite von Trumps Rivalin Hillary Clinton geschlagen.

Zwar gab es im Dezember ein Treffen von Trump mit ranghohen Managern amerikanischer Technologiegiganten, das hinterher als produktiv beschrieben wurde. Aber seit seinem Amtsantritt als Präsident im Januar hat Trump seinen Schwerpunkt klar auf traditionelle Branchen gelegt. Bei seinen vielen Treffen mit Top-Managern mit Weißen Haus, die es in den vergangenen Wochen gegeben hat, kam er vor allem mit Vertretern klassischer verarbeitender Industrien sowie Dienstleistern wie Einzelhändlern und Versicherern zusammen.

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