22.10.2006 · Ein tragbarer Computer für 600 Euro: So ein Angebot gab es bisher noch nicht einmal von Aldi. Doch bei den Notebooks gehen derzeit die Preise in den Keller. Sogar Markenanbieter zahlen drauf. Traumhafte Zeiten für die Kunden.
Von Patrick BernauEin tragbarer Computer für 600 Euro: So ein Angebot gab es bisher noch nicht einmal von Aldi. Aber inzwischen werden selbst Markengeräte von Hewlett Packard (HP) zu diesem Preis verkauft. Und für noch weniger. Die Verbraucher können sich freuen, aber die Hersteller leiden, denn Geld läßt sich bei solchen Preisen kaum verdienen.
Mit den Laptops geht es den Firmen wie schon vor einigen Jahren mit den großen Tischrechnern: Die Geräte sind kein High-Tech mehr, sondern Massenware. Jeder kann sie bauen, also bietet auch jeder sie an. Gleichzeitig gibt es immer weniger Verbraucher, die noch keinen Laptop haben. Die Preise sinken, die Margen nähern sich der Nullinie.
Hersteller rechneten mit einem Kundenansturm
„Fakt ist, daß der Notebook-Markt im Verdrängungsstadium ist“, stellt BenQ-Deutschland-Chef Michael Grote nüchtern fest. Zwar verkaufen die Hersteller nach wie vor jedes Jahr mehr von den tragbaren Computern, aber der Preisverfall frißt den Absatzzuwachs auf - der Umsatz stagniert. Und die Gewinne der Unternehmen schrumpfen: Der Halbjahresgewinn des deutschen Marktführers Fujitsu Siemens sank von 31 auf 18 Millionen Euro, wie das Unternehmen letzte Woche verkünden mußte.
Seit Jahresbeginn drückt noch ein zweiter Effekt auf die Preise, nämlich Fehlprognosen. Das kam so: Die Elektrohändler hatten sich Ende 2005 die Lager mit Laptops gefüllt. Wegen der hohen Bestellmengen durch die Händler rechneten die Hersteller ihrerseits mit einem Kundenansturm und produzierten große Mengen an Computern.
Doch die erwartete Nachfrage blieb aus. Statt dessen waren die Händler im Frühjahr damit beschäftigt, die Geräte aus dem Lager zu verkaufen. Mit dem Sommer kam noch die Fußball-WM dazu, die Verbraucher kauften neue Flachbildschirme statt neuer Notebooks. Darum fielen die Preise für die mobilen Rechner.
Medion wurde verdrängt
Inzwischen gehen fast die Hälfte der Laptops in Deutschland für weniger als 1000 Euro an den Kunden. Für die Unternehmen ist das kritisch. Branchenkenner rechnen vor, daß ein Laptop im Laden um die 900 Euro kosten muß, damit der Hersteller damit noch Geld verdienen kann.
Das mußte auch der Billiglieferant Medion feststellen: Er wurde von den Markenanbietern verdrängt, als die ihre Preise senkten. Dazu kamen hohe Kosten für den Kundendienst. Medion steckt seit Monaten in der Krise und hat für 2006 wieder Verluste angekündigt, der österreichische Billiganbieter Gericom schafft bereits seit Jahren keine Gewinne mehr.
Die Kunden sind zu gut informiert
Sollten die beiden Unternehmen irgendwann ganz vom Markt verschwinden - die Preise blieben trotzdem im Keller. Inzwischen drücken auch die Markenanbieter kräftig nach unten. Teils zahlen sie sogar drauf, wenn sie ein neues Gerät verkaufen. Der HP-Spartenchef für Deutschland, Stephan Wippermann, antwortet erst gar nicht auf die Frage, ob er mit seinen billigen Laptops noch Geld verdient. Es gehe um das Portfolio als Ganzes, sagt er, „da sind auch Angebote möglich, die, isoliert betrachtet, nicht nachvollziehbar sind“.
Einige Anbieter sehen Hoffnung: Weil die Laptop-Produzenten Millionen von Sony-Akkus wegen Brandgefahr zurückrufen mußten, machen jetzt Meldungen über eine Akku-Knappheit die Runde und über Preiserhöhungen in der Folge. Doch so teuer ist der Akku gar nicht, daß er den Laptop-Endpreis grundlegend beeinflussen könnte.
Auch Thomas Karg, Geschäftsentwickler bei Fujitsu Siemens, rechnet mit weiteren Preissenkungen: „Der Verlauf wird so weitergehen, aber nicht so steil.“ Denn es gibt nicht nur zuviel Laptops, die Kunden sind auch gut informiert darüber.
Für den Verbraucher heißt es: keine Eile
„Die Emanzipation des Kunden ist fortgeschritten“, sagt Stephan Wippermann bei HP. Die Konsumenten wüßten selbst immer genauer, was sie wollten. Auch das drückt die Preise, denn den Verkäufern entgehen Chancen, die Kunden „hochzuberaten“: So nennen es Verkäufer, wenn sie Kunden vom billigen Einstiegsprodukt abbringen und ihnen ein teureres Gerät verkaufen.
Für die Verbraucher heißt das: keine Eile. Mit einem Preisanstieg muß trotz aller Akku-Probleme keiner rechnen. Vor Weihnachten gibt es zum Laptop vielleicht noch den passenden Laptop-Rucksack dazu - zum gleichen Preis wie heute. Und Anfang 2007 will Microsoft eine neue Fassung seines Betriebssystems Windows auf den Markt bringen. Wer die haben will, kann sich locker noch ein paar Wochen Zeit lassen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.549,80 | +0,76% |
| EUR/USD | 1,2477 | −0,51% |
| Rohöl Brent Crude | 106,57 $ | −0,64% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?