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„Bill & Melinda Gates-Stiftung“ Gute Samariter

18.06.2006 ·  Verstummt sind die Kritiker, die dem reichsten Ehepaar der Welt „Entwicklungshilfe nach Gutsherrenart“ vorgeworfen haben. Ohne die „Bill & Melinda Gates-Stiftung“ hätte die Pharmaindustrie den Kampf gegen Tuberkulose längst aufgegeben.

Von Carsten Knop
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In Afrika kommt der Tod häufig auf sechs Beinen daher. In Gestalt von Anopheles-Mücken, die den Malaria-Erreger übertragen. Jeden Tag sterben dort 2000 Kinder an der Tropenkrankheit, von der vor allem arme Menschen betroffen sind. Bill und Melinda Gates tun etwas dagegen, mit dem Geld ihrer Stiftung, die im vergangenen Jahr knapp 260 Millionen Dollar für die Entwicklung eines Impfstoffes, neuer Kombinationsmedikamente und besserer Insektizide zur Verfügung gestellt hat.

„Die Gefahr einer Malaria-Epidemie wurde zu lange vernachlässigt“, sagte Gates bei der Ankündigung der Spende. Millionen Kinder seien an Malaria gestorben, weil sie nicht unter schützenden Moskitonetzen schliefen oder keine wirksamen Medikamente erhielten. Das will Gates, der mit seinem 1975 gegründeten Softwareunternehmen Microsoft und einem geschätzten Vermögen von rund 50 Milliarde Dollar zum reichsten Mann der Erde wurde, gemeinsam mit seiner Frau und seiner Stiftung ändern.

„Entwicklungshilfe nach Gutsherrenart“

Vor sechs Jahren haben die beiden die „Bill & Melinda Gates-Stiftung“ gegründet. Gates steckt allerdings schon seit 1994 Teile seines Vermögens in Stiftungen. Im Jahr 2000 wurden die zuvor bestehenden „William H. Gates Foundation“ und „Gates Library Foundation“ zur heutigen Institution verschmolzen. Kritiker, die der größte Softwarekonzern der Welt und ihr Mitbegründer stets reichlich haben, sprachen gerade in den Anfangsjahren seiner philanthropischen Tätigkeit von „Entwicklungshilfe nach Gutsherrenart“ und von Projekten, die nicht zuletzt die Verbreitung von Microsoft-Software in der Welt fördern sollten. Das hat sich inzwischen weitgehend geändert.

Das Werk der Stiftung ist allgemein anerkannt; im vergangenen Jahr wurde das Ehepaar Gates gemeinsam mit Bono, dem Sänger der irischen Rockband U2, wegen ihres sozialen Engagements als „Persönlichkeiten des Jahres“ ausgezeichnet. „Es geht um eine ganz neue Art von Spenden. Es geht nicht um Mitleid, das nur das Leiden verlängert. Es geht darum, die Ungerechtigkeit selbst aus der Welt zu schaffen, um Hilfe zur Selbsthilfe“, hieß es in der Begründung von Time. Es handle sich bei den Preisträgern um „gute Samariter“. Tatsächlich haben die drei Ausgezeichneten viele Gemeinsamkeiten. Sie kommen aus dem Bürgermilieu, sind steil aufgestiegen und haben früh begriffen, daß Erfolg, Ruhm und Reichtum auch verpflichten.

Kampf gegen Malaria, Aids und Tuberkolose

Die Gates-Stiftung ist der größte internationale Geldgeber für wohltätige Projekte. Ausgestattet mit einem Vermögen von in diesem Jahr wohl rund 32 Milliarden Dollar, einer Summe, die auch gemessen an Gates' Gesamtvermögen beeindruckend ist, hat sie schon mehr als 10 Milliarden Dollar in zahlreiche Projekte gesteckt. Zum Vergleich: In Deutschland wird das gesamte Kapital aller hiesigen Stiftungen auf 60 Milliarden Euro geschätzt. Nach Ansicht von Fachleuten bleibt Deutschland angesichts seiner enormen privaten Vermögenswerte damit weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Die Stiftung von Bill und Melinda Gates widmet sich neben dem Kampf gegen Malaria, Aids und andere Krankheiten wie Tuberkulose auch Programmen für die Ausbildung von Jugendlichen aus armen Regionen der Vereinigten Staaten. Den Kampf gegen die Tuberkulose zum Beispiel hatten die großen Pharmahersteller eigentlich längst abgehakt, denn in Westeuropa und Nordamerika ist die Zahl der Erkrankungen nur noch gering. Mit Blick auf die Patienten in den armen Ländern der Welt ist die Forschung aus der Sicht der Unternehmen und ihrer Kapitalgeber, denen sie verantwortlich sind, nicht profitabel genug. Mit dem Stiftungsgeld wurden deshalb Studien des deutschen Pharmakonzerns Bayer mit dem Antibiotikum Moxifloxacin gefördert. Und auch die Grundlagenforschung profitiert von Gates' Fördergeldern.

Das Engagement rückt in den Vordergrund

Die Entscheidungen über Zuwendungen von mehr als 1 Million Dollar behalten sich Bill und Melinda Gates persönlich vor. Geleitet wird die Stiftung im Tagesgeschäft von Bill Gates' Vater William H. Gates und Patty Stonesifer. Schon mit dem Rückzug aus dem Amt des Microsoft- Vorstandsvorsitzenden im Januar 2000 rückte das Engagement von Bill Gates für wohltätige Zwecke in der Stiftung immer mehr in den Vordergrund. Gates verbringt nach eigener Aussage derzeit rund zehn Arbeitsstunden in der Woche mit seiner Stiftung. In Zukunft soll es mehr werden. Deshalb hat er soeben angekündigt, sich bis zum Juli 2008 schrittweise vollständig aus dem laufenden Geschäft von Microsoft zurückzuziehen (siehe auch Bill Gates kündigt Abschied von Microsoft an).

Auch Gates' drei noch recht junge Kinder lernen ihren Vater damit immer weniger als Chef von Microsoft kennen. Dem 50 Jahre alten Gates und seiner zehn Jahre jüngeren Frau wird das recht sein. Er hat einmal gesagt, er werde seine Kinder nicht ermutigen, in die Computerbranche einzusteigen weil man sie immer mit ihrem Vater vergleichen würde. Auch sollen die Kinder nicht automatisch designierte Nachfolger ihres Vaters auf den Listen der reichsten Menschen werden: Bill und Melinda Gates wollen ihren Kindern nur einen verhältnismäßig kleinen Teil ihres Vermögens hinterlassen, der größte Teil soll an die Stiftung gehen.

Quelle: F.A.Z., 17.06.2006, Nr. 138 / Seite 18
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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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