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Gesundheit : Patienten vertrauen dem Arzt mehr als dem Internet

Alles stets überwacht: Gesundheits-Apps im Handy Bild: Waldner, Amadeus

Suchen Leute einen Arzt, suchen sie immer häufiger im Internet. Smartphone-Apps, die die Gesundheit überwachen und wichtige Fragen beantworten, werden stetig populärer. Doch wollen die Menschen einen Rat, dem sie vertrauen können, hören sie auf ihren Arzt. Noch.

          Das Internet ist praktisch. Chats mit Freunden, Zugauskunft und Kinoprogramm gibt es in Echtzeit, Kochanleitungen im Übermaß. Doch nicht nur beim Kochrezept suchen die Deutschen im Netz nach Rat. Zwei von drei Bundesbürgern fragen Dr. Google auch, wenn sie zum Arzt gehen. Damit ist das Netz als Informationsquelle im Krankheitsfall für sie so wichtig wie Freunde und Familie.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Zu dem Ergebnis kommt der Hamburger Krankenhauskonzern Asklepios in einer unveröffentlichten Befragung. Die Ärzte müssen sich deshalb nicht grämen. Denn bei der Frage nach vertrauenswürdigen Quellen stürzt Dr. Google von Rang eins auf Platz vier ab, vorn liegen „echte“ Mediziner, die Krankenversicherung, der private Freundes- und Familienkreis.

          „Deutschlands Patienten werden immer selbstbewusster, Diagnosen und Behandlungsempfehlungen ihrer behandelnden Ärzte nehmen viele nicht mehr einfach so hin“, analysiert Thomas Wolfram. Der Arzt und Geschäftsführer bei Asklepios weiß, dass die Digitalisierung vor dem Gesundheitswesen nicht haltmacht.

          Zwar tut sich das deutsche Gesundheitssystem mit dem Erheben, Speichern und Anwenden digitaler Daten immer noch schwer. Die elektronische Gesundheitskarte, gedacht als Schlüssel für einen persönlichen digitalen Safe, in dem der Patient Notfalldaten, Rezepte, Arztbriefe, Röntgenbilder und Laborbefunde lagert, ist ein Schlüssel ohne Schloss. Im Streit um Kosten und Betrieb sicherer Datennetze hat die Selbstverwaltung das Projekt über Jahre blockiert. Gesundheitsminister Hermann Gröhe will die Blockade nun mit einem E-Health-Gesetz lösen.

          Konsumenten verlassen sich immer häufiger aufs Netz

          All das, aber auch bange Fragen nach der Sicherheit höchstpersönlicher Daten und Zweifel im Netz halten private Anbieter nicht davon ab, ständig neue Produkte zu entwickeln. Es bremst auch die Konsumenten nicht, sich immer öfter auf das Netz zu verlassen: Arzneimittel werden im Netz sicher und preiswert in Online-Apotheken erstanden. Manche nutzen das Angebot der Computer-Sprechstunde bei DrEd in London. Dermatologische Anamnese erledigen Patienten per Smartphone selbst: Foto vom Fleck und ab die E-Post zum Hautarzt. Der stellt seine Diagnose natürlich elektronisch. Antwort in 48 Stunden, Kosten 29 Euro. Das Berliner Startup, das die App „Klara“ entwickelt hat, ist jetzt auch in Amerika unterwegs.

          So wie sich solche Angebote mehr und mehr in die mobile Kommunikation verlagern, so verschwimmen die Grenzen zwischen „harten“ Gesundheitsthemen und „weichen“ Fitnessangeboten: Die Linse, die – wer sonst? – der Internetriese Google entwickelt, um im Auge den Blutdruck zu messen und die Werte zu versenden, die App, die dem Arzt die Blutwerte seines Hämophiliepatienten in Echtzeit übermittelt, sind das eine. Dass hier staatliche Institutionen auf Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit achten sollten, wird niemand in Abrede stellen.

          Aber wie ist es mit Fitnessarmbändern, die Pulsfrequenz und Körperfettwerte erfassen? Apps, die die Schrittzahl festhalten oder den Patienten ermahnen, seine Tabletten rechtzeitig zu nehmen? Dass private Versicherer ihre Tarife am Gesundheitszustand ihrer Kunden bemessen, ist nachvollziehbar und nicht neu. Dass sie das künftig über – freiwillige – Erhebungen von Vitaldaten kontrollieren und dafür bessere Konditionen bieten, wie es nun von der Generali-Versicherung bekanntwurde, hingegen schon.

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