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Auslandstarife Der Handy-Falle entgehen

 ·  Die Wahl des Netzbetreibers und des richtigen Auslandstarifs können die Urlaubskasse schonen. Wer den Netzbetreiber per Zufallsprinzip aussucht, kann nach seiner Rückkehr eine böse Überraschung erleben. Mit FAZ.NET-Preistabelle.

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Millionen Urlauber werden in diesem Jahr wieder in eine Falle tappen. Ihr Handy wird sich im Ausland nämlich nicht in das Partnernetz ihrer Mobilfunk-Gesellschaft einbuchen, sondern in das Netz mit der besten verfügbaren Verbindung - natürlich ohne Rücksicht auf die Tarife. Wer aber die Wahl des Netzbetreibers dem Zufall überlässt und ohne speziellen Auslandstarif der Mobilfunk-Gesellschaft im Gepäck verreist, kann nach seiner Rückkehr eine böse Überraschung erleben. Nach Angaben der EU-Kommission zahlen die Handy-Kunden beim Telefonieren im Ausland noch durchschnittlich 1,15 Euro je Minute. Zum Vergleich: Die Billiganbieter verlangen im Inland heute nur noch rund 15 Cent je Minute.

Der EU-Kommission sind die hohen Auslandstarife aber schon lange ein Dorn im Auge. Die Brüsseler Behörde hat daher im Juli vergangenen Jahres den Entwurf einer Verordnung zur Begrenzung dieser sogenannten Roaming-Kosten vorgelegt. Diese Verordnung soll nach bisherigen Planungen noch unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft bis Ende Juni verabschiedet werden.

„Sehr komplex und schwer zu benutzen“

Auf Druck der Brüsseler Behörde haben einige Mobilfunk-Gesellschaften aber schon vorab günstige Auslandstarife eingeführt, mit denen sich die Handyrechnung im Ausland deutlich senken lässt. Allerdings stehen diese Tarife bei Verbraucherschützern in der Kritik. „Die Mobilfunkbetreiber operieren zwar mit vielen Bündelangeboten und Tarifplänen aller Art. Diese sind aber sehr komplex und schwer zu benutzen“, sagt Jim Murray, Direktor des Dachverbandes der EU-Verbraucherorganisationen (BEUC). Dem Verbraucherschützer missfällt auch, dass die Kunden nicht automatisch von den fallenden Tarifen profitieren. Bei einigen Gesellschaften muss der günstige Auslandstarif aktiv gebucht werden, sonst sind die höheren Standardtarife fällig. Wer sich aber die Mühe eines Anrufs bei seiner Handy-Gesellschaft macht, kann dann im Ausland fast zu Inlandskonditionen telefonieren.

Die vier deutschen Netzbetreiber verfolgen unterschiedliche Strategien. Vodafone hat den Standardtarif Vodafone World für seine Vertragskunden voreingestellt. Für Gespräche aus einem beliebigen Handynetz eines EU-Landes nach Deutschland werden in diesem Tarif 1,02 Euro je Minute berechnet. Nutzt der Kunde das Netz von Vodafone oder des jeweiligen nationalen Partnerunternehmens, sinkt der Minutenpreis auf 91 Cent. Deutlich günstiger kann aber die Tarifoption Reiseversprechen sein, die Vodafone zurzeit für 20 und von April an für 33 Länder anbietet. Mit der kostenlos buchbaren Option zahlen die Kunden im Ausland lediglich den Minutenpreis ihres inländischen Tarifs zuzüglich 75 Cent für jede Verbindung. Wer im Ausland angerufen wird, zahlt in der ersten Stunde ebenfalls 75 Cent; weitere Roaming-Gebühren von 20 Cent je Minute werden erst fällig, wenn das Gespräch länger als eine Stunde dauert. Wer ein Minutenpaket gebucht hat, kann diese Inklusivminuten auch im Ausland abtelefonieren. Das Reiseversprechen umfasst auch die kostenlose Rufumleitung zur Mailbox. In den meisten anderen Tarifen ist die Mailbox häufig eine Kostenfalle, denn die Kunden zahlten bisher für die eingehende Verbindung im Ausland und für die Rückleitung des Gespräches zur Mailbox nach Deutschland.

Aufpassen beim Prepaid-Tarif

Ein anderes Konzept verfolgt T-Mobile. Das Telekom-Unternehmen bietet mit dem Tarif Weltweit ebenfalls einheitliche Preise für Telefonate im Ausland, zum Beispiel 59 Cent je Minute aus den Ländern der Europäischen Union nach Deutschland. Für zusätzliche 10 Euro können viele Kunden den Tarif Relax Holiday buchen, der 30 Gesprächsminuten in europäischen Ländern umfasst. In der Option sind abgehende und eingehende Anrufe enthalten.

E-Plus berechnet seinen Vertragskunden in der Tarifoption International für abgehende Gespräche im EU-Ausland einheitlich 79 Cent in E-Plus-Partnernetzen oder 99 Cent in anderen Netzen. Aufpassen müssen die Kunden mit einem vorausbezahlten (Prepaid-)Tarif von E-Plus. Bis zu 1,53 Euro je Minute berechnet das Unternehmen aus dem EU-Ausland nach Deutschland. Eine Zusatzoption wie Vodafone oder T-Mobile hat E-Plus nicht im Angebot.

Der Münchner Netzbetreiber O2 verlangt in der EU-Option, die in allen Laufzeitverträgen buchbar ist, einheitlich 59 Cent für alle Gespräche in EU-Ländern. Wer den Prepaid-Tarif Loop gewählt hat, muss 99 Cent je Minute zahlen.

Viele Handy-Discounter langen kräftig zu

Während die großen Netzbetreiber - unter argwöhnischer Beobachtung der EU-Kommission - ihre Tarife gesenkt haben, langen viele sogenannte Handy-Discounter trotz günstiger Inlandstarife im Ausland weiter kräftig zu. Simyo und Aldi verlangen bis zu 2,30 Euro für die Gesprächsminute aus einem EU-Land nach Deutschland. Tchibo hält sich mit Tarifen bis zu 1,49 Euro je Minute für Auslandsgespräche noch vergleichsweise zurück. Eine positive Ausnahme stellt Klarmobil dar. Das Freenet-Unternehmen hat Anfang des Jahres die Tarifoption "Klarmobil-weltweit" eingeführt, die für alle Gespräche innerhalb der Europäischen Union einheitlich in allen Netzen 0,69 Euro berechnet. Auch Callmobile plant in Kürze eine deutliche Senkung seiner Auslandstarife auf das Niveau von Klarmobil, die ebenso wie Callmobile auf das T-Mobile-Netz aufsetzen.

Wem der Tarif seines inländischen Anbieters zu hoch ist, kann sich eine eigene Prepaid-Karte für das Ausland zulegen. Vergleichsweise niedrige Minutentarife verlangen Rückrufdienste (Callback-Anbieter) wie Sunsim oder Che Mobil. Die Anrufe nach Deutschland werden nicht direkt durchgestellt, sondern ein Computer baut eine Verbindung aus Deutschland zum Handy im Ausland auf. Das Verfahren ermöglicht Minutentarife zwischen 0,39 und 0,59 Euro. Eine weitere Möglichkeit, um die Urlaubskasse zu schonen, sind sogenannte Calling Cards. Mit dem Erwerb ist ein vorausbezahltes Gesprächsguthaben verbunden, das im Ausland - vom Hotel-Telefon oder einer Telefonzelle aus - abtelefoniert werden kann. Allerdings können die Preise der Anbieter wie Mox, Deutsche Telekom oder Tele 2 in den verschiedenen Ländern stark schwanken.

Quelle: F.A.Z., 12.03.2007, Nr. 60 / Seite 19
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