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Veröffentlicht: 17.05.2017, 16:55 Uhr

Audiodateien Danke, MP3!

Das Dateiformat MP3 hat das Musikhören revolutioniert. Jetzt laufen die Patente aus. Die Redaktion sagt: Danke, MP3!

© Picture-Alliance Immer mehr Musik, immer kleinere Speicher.

Es war eine Abkürzung, die Freiheit bedeutete: MP3. Zum ersten Mal wurden Lieder auf dem Computer so klein, dass man sie per Internet verschicken konnte. Mit dem alten Analogmodem dauerte das oft noch eine Stunde. Aber: Musik passte auch auf USB-Sticks!

Und: MP3 war eine deutsche Erfindung, von Karlheinz Brandenburg am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen. Inzwischen sind die Patente ausgelaufen, das Institut verlangt von Software-Entwicklern künftig keine Lizenzgebühr mehr. „MP3 ist tot“, titelten Branchendienste – andere widersprachen: Es gibt noch so viele MP3s auf privaten Rechnern.

Sicher ist: Mehr als 20 Jahre nach der Erfindung ist MP3 technisch überholt. Wer Musik auf iTunes kauft, bekommt schon lange keine MP3-Dateien mehr, auch wer Spotify lauscht, hört anders.

Doch MP3 war der Pionier. Wir erinnern uns gerne an die Anfänge. Dies sind unsere Geschichten. Danke, MP3!

Warum ich meinen MP3-Player wieder brauche

Ich habe mir ein Datenkabel für meinen alten MP3-Player bestellt, und Schuld daran ist S. Wir haben früher viel Zeit miteinander verbracht, irgendwann in meinem ersten Studienjahr. Wir hingen rum, fuhren in seinem Transporter durch die Gegend, hörten Musik. Manchmal machte S. selbst welche. Er hatte ein eigenes Tonstudio. Auch da hingen wir viel rum. Ein Raum ohne Fenster und ohne Zeit. Man konnte Nächte durchreden – über Musik und Liebe und Träume.

In einer dieser Nächte mischte S. gerade an einem Demo-Tape, als ich ankam. Er hatte die Gitarre eingespielt und packte Tonspuren darunter, von denen ich nichts verstand. Aber ich kommentierte trotzdem fleißig, wenn mir etwas gefiel. Wir tranken Sekt, ich fühlte mich sehr musenhaft. Irgendwann musste ich los, wir hörten den Song noch einmal und S. blickte mich amüsiert an: „Weißt Du, was wir hier fabriziert haben? Das ist Robbie Williams.“ Ich schüttelte den Kopf. S. stimmte „Let me entertain you“ an. Yep, das war unser Song, nur eben mit seiner Gitarre. Großes Gelächter, eine Nacht Arbeit dahin. Ich bat S. trotzdem um den Song. Er zog ihn auf meinen MP3-Player und löschte ihn dann.

Kurz danach ging ich fürs Studium ins Ausland und wir verloren uns aus den Augen. Was blieb, war die MP3-Datei auf dem schwarzen, streichholzschachtelgroßen Player. Und auch den verlor ich irgendwann aus den Augen. Musik höre ich seit Jahren nur noch über mein Smartphone. Aber irgendwie hat der Player mehrere Umzüge in irgendwelchen Schubladen ausgeharrt, so anhänglich und treu wie der Comic-Hund, der auf dem Gerät durch die Menüs hüpfte - im Nachhinein wahrscheinlich damals der ausschlaggebende Grund für mich, dieses Ding überhaupt zu kaufen. Und als hätte er all die Jahre nur darauf gewartet, traf ich unlängst S. wieder. Danach begann eine längere Suche nach dem Player und dem dazu gehörenden Kabel. Warum hatte damals nicht alles einfach einen USB-Anschluss? Da ich das Kabel nicht fand, durchforstete ich das Internet nach Ersatz. Er soll in wenigen Tagen eintreffen.

Maria Wiesner ist Gesellschaftsredakteurin der F.A.Z.

46450452 © Reuters Vergrößern Es waren andere Zeiten: der „Thomson Lyra MP3“ aus dem Jahr 2004.

Was für Bands waren das?

Mein erster MP3-Player war viel zu teuer und hatte nur 128 MB Speicherplatz, weshalb nur ein Album draufpasste. Trotzdem war das für mich, der immer und überall mit Musik im Ohr rumgerannt ist, eine kolossale Verbesserung zum Discman, den portablen CD-Player, der viel mehr Platz weggenommen hat und außerdem bei jedem Ruckler ausgefallen ist. „Anti-Shock“-Funktion, von wegen.

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