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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Kommentar Der Glaube an Apple

 ·  Apples Aktie stürzt ab. Beginnt der Untergang eines Imperiums? Im Moment fehlt der Beweis dafür.

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Apple ist - gemessen am Börsenwert - das wertvollste Unternehmen der Welt. Immer noch. Das muss betont werden nach dem Kurssturz der vergangenen Tage, als jene Besitzer der Apple-Aktie, die das Papier nicht mehr haben wollten, den Wert des iPhone-Herstellers aus Kalifornien mit massenhaften Verkäufen mal eben um 162 Milliarden Dollar in die Tiefe drückten - eine Summe, etwa so groß wie der Börsenwert der Internetfirmen Amazon, Facebook und Yahoo zusammen. Der Schock löst eine interessante Frage aus: Wann beginnt der Untergang eines Imperiums? Gibt es da ein Verfallsdatum?

Wenn der britische Historiker Niall Ferguson die Gründe des weltgeschichtlichen Auf- und Abstiegs des Westens nennt, greift er in Apples Produktregal: Die Stärke des Westens bei medizinischem Fortschritt, Arbeitsethik und Demokratie sei vergleichbar mit der Perfektion eines iPhones - jetzt lade sich eben der Rest der Welt diese Errungenschaften wie eine App Stück für Stück aufs eigene Telefon.

Drei von vier Smartphones arbeiten mit dem Konkurrenz-System Android

Das kann man sprichwörtlich nehmen: Wenn die um den Erdball verstreuten tausenden Entwickler der nützlichen kleinen Handy-Applikationen, mit denen ein Flug gebucht und das Tempo beim Morgenjogging gemessen werden kann, künftig begreifen, dass heute schon drei von vier Smartphones nicht etwa unter dem Betriebssystem von Apple ihren Dienst verrichten, sondern unter Android vom Konkurrenten Google - dann, ja was dann? Verliert Apples iPhone seinen Coolness-Faktor? Sein stärkste Verkaufsargument: dass der Besitzer eines iPhones oder iPads Avantgarde ist, das Produkt haben muss, was dem Gerät die Bezeichnung „must have“ eingetragen hat?

Bei der Frage, ob das Apple-Imperium dem Niedergang geweiht ist, geht es nicht um ein paar Aktienverkäufe. Die sind wohl eher eine normale Marktbereinigung angesichts der Tatsache, dass nahezu jeder Vermögensverwalter auf der Welt die Apple-Aktie im Depot liegen hat. Die Gewinne jedenfalls sprudeln wie eh und je. Wer vor zehn Jahren 10.000 Dollar in die Microsoft-Aktie investierte, kriegt heute 13.000 Dollar heraus. Im Fall der Apple-Aktie, die jüngsten Kursrückgänge eingerechnet: wären es 400.000 Dollar.

Wird Apple langfristig unsere Welt formen?

Wichtiger ist: Wird Apple langfristig unsere Welt formen wie in der vergangenen Dekade mit dem Musikspieler iPod, dem iPhone und dem iPad, jenem flachbrüstigen Computer? Jedes neue Apple-Produkte war bei seiner Einführung Revolution. Seit dem iPad ist da nur noch Evolution. Ein längeres und leichteres iPhone, ein kleineres Tablet. Die Wettbewerber holen auf, der günstige iPhone-Konkurrent Galaxy der koreanischen Technikschmiede Samsung hat die Marktführung.

Wie innovativ ist Apple also noch? Da Außenstehende in die Entwicklungsabteilung keinen Einblick haben, ist das drei Jahre nach dem iPad eine Glaubensfrage. Ob und wann Apple den nächsten großen Wurf landet - wie einen Apple-Fernseher, der gleich dem iPhone die Musikbranche bald das Filmgeschäft auf den Kopf stellt und dessen Umsätze in die eigene Kasse lenkt - hierzu gibt es nur Gerüchte. Doch es hält sich der Glaube, das Apple-Imperium sei wie Amerika: Die Nachrichten von seinem Ableben waren verfrüht. Eine Milliarde Menschen besitzen ein Computertelefon, doppelt so viele sollen es in zwei Jahren sein. Davon wird der iPhone-Produzent profitieren. Dass Wettbewerber aufholen, blockiert vor allem die Ausbildung von Selbstzufriedenheit.

Apples Meister Steve Jobs hat die Welt verführt. Apple ohne Jobs? Undenkbar. Nachdem Jobs starb, verkaufte sich das nächste iPhone so oft, als habe es Jobs nie gegeben. Oder als ob Jobs noch immer vor dem schwarzen Vorhang stünde: „One more thing.“ Hat der Guru versäumt, Apple bei Lebzeiten so zu gestalten, dass es ihn überdauert? Dafür fehlt der Beweis.

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Jahrgang 1978, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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