http://www.faz.net/-gqm-760ev

Kommentar : Apple-Panik

Bild: dpa

Apples Aktienkurs stürzt ab. Dabei kaufen die Menschen so viele iPhones und iPads wie nie zuvor. Doch die Verkaufsrekorde täuschen. Apple hat zu lange kein neues Spielzeug mehr erfunden.

          Seit gestern Abend ist Apple an der Börse nicht mehr 484 Milliarden Dollar wert, sondern nur noch 441. Fast der komplette Wert von Daimler - ausgelöscht in Minuten. Und warum? Weil Apples neuer Verkaufsrekord nicht ganz so überragend war, wie es die Analysten erwartet hatten - so heißt es.

          Da lohnt sich ein Blick auf die Geschäftszahlen. Apple hat im Weihnachtsquartal 47,8 Millionen iPhones verkauft: so viele wie nie. Die Firma hat 22,9 Millionen iPads verkauft: mehr denn je. Der Umsatz liegt mit 54 Milliarden Dollar über allen vorigen. Und, richtig, auch die 13 Milliarden Dollar sind ein Rekordgewinn. Von Krise erst mal keine Spur. Selbst im Vergleich von Börsenkurs und Firmengewinnen sieht Apple gesund aus, jedenfalls nicht schlechter als die Deutsche Post und BASF.

          Angst vor der Konkurrenz

          Die Analysten beruhigt das nicht. Sie betonen, dass Apple von Samsung harte Konkurrenz bekommt. Also sorgen sie sich um die künftigen Verkaufszahlen, zumal Apple offenbar weniger Bildschirme für seine iPhones bestellt. Das ist ein schlechter Grund für so einen Kurssturz. Denn von solchen Problemen ist derzeit nichts zu sehen. Glaubt man den Kunden, dann geht es Apple hervorragend.

          Haben dann die Aktionäre, die jetzt die Aktie verkaufen, völlig unrecht? Nicht unbedingt. Apple hat in den vergangenen Jahren gezeigt: Was immer das Unternehmen verkauft, es wird bald von billigeren Konkurrenten angegriffen und technisch überholt. Die alten iPods sind für Apples Geschäft schon lange nicht mehr wichtig.

          Wo sind Apples Innovationen?

          Bisher war das kein Problem, denn Apple hat selbst die nächsten, noch faszinierenderen Spielzeuge auf den Markt gebracht. Geräte, mit denen anfangs kein Experte etwas anfangen konnte, die aber trotzdem bald jeder wollte.

          Solche neuen Spielzeuge hat man von Apple lange nicht mehr gesehen. Zuletzt kam ein verkleinertes iPad - doch mit dem hat die Firma keine neuen Trends gesetzt, sondern ist der Konkurrenz hinterhergehechelt.

          Darum macht sich eine alte Sorge wieder breit, die die meisten schon vergessen hatten: Nach dem Tod von Steve Jobs könnte Apple seine Innovationskraft verlieren. Bis heute wartet die Welt auf den Beweis, dass Apples übrige 50.000 Mitarbeiter genauso tolle Ideen haben wie ihr ehemaliger Chef. Im Moment sieht es nicht mal so aus, als hätte er noch eine gute Idee hinterlassen können. „One more thing“ scheint es im Moment nicht zu geben.

          Wenn jetzt die Angst um Apples Innovationskraft wächst, ist das ein guter Grund für den Kurssturz.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Asyl und Euro : Merkel spaltet die Europäische Union

          Die Bundeskanzlerin pocht darauf, mit ihrem Alleingang in der Flüchtlings- und Euro-Rettungspolitik alles richtig gemacht zu haben. Die Folgen sind gewaltig – für Deutschland, die EU, Arabien und Afrika. Ein Kommentar.

          DSGVO : Selbst Anwälte sind ratlos über die neuen Datenschutzregeln

          Die DSGVO lässt selbst Juristen ratlos zurück: Welche Datenschutz-Pflichten haben Konzerne jetzt? Die Unsicherheit dürfte ein Grund dafür sein, dass die befürchtete Abmahnwelle bisher ausgeblieben ist.

          Blogs | Schlaflos : Immer diese stolzen Eltern

          Babyfüße hier, schlaue Kindersprüche da: Die sozialen Medien quellen über vor Familien-Beiträgen. Interessieren die überhaupt jemanden – außer der Familie selbst?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.