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Jobs an der Stanford-Universität : „Bleibt hungrig, bleibt tollkühn“

Im Redegewand: Jobs in Stanford Bild: AP

2005 redet Steve Jobs vor Studenten in Stanford. Seine Worte wurden eine Art Vermächtnis. Ein Auszug aus dem Buch „Big Apple - Das Vermächtnis des Steve Jobs“.

          Die Redner, die den Abschlussjahrgang der Stanford-Universität in Kalifornien in das Leben entlassen, sind stets prominent. Im Spätsommer 2005 kam Steve Jobs aus diesem Anlass nach Stanford. Seine Worte wurden eine Art Vermächtnis. Nie zuvor und nie wieder danach wurde Steve Jobs so persönlich: „Ich möchte Euch heute drei Geschichten aus meinem Leben erzählen. Das ist alles. Nur drei Geschichten.“ Zunächst beschreibt Jobs, dass schon bei seiner Adoption etwas schiefgegangen ist. Jobs’ Mutter, eine junge, nicht verheiratete Universitätsstudentin, hatte ihn vor seiner Geburt zur Adoption freigegeben und darauf geachtet, dass die künftigen Eltern dafür Sorge tragen würden, ihrem Kind eine Universitätsausbildung zu ermöglichen. Es war alles vorbereitet, Steve sollte von einem Anwalt und dessen Frau adoptiert werden. „Allerdings, als ich auf die Welt kam, haben sie sich in der letzten Minute entschieden, dass sie doch lieber ein Mädchen adoptieren würden. Also bekamen meine Stiefeltern, die auf der Warteliste standen, mitten in der Nacht einen Anruf.“

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Als die biologische Mutter aber herausfand, dass die Ersatz-Stiefmutter kein Hochschulstudium und der Stiefvater noch nicht einmal die Highschool abgeschlossen hatte, weigerte sie sich, die Adoptionspapiere zu unterschreiben. Erst nach einigen Monaten gab sie nach, als Jobs’ Stiefeltern versprachen, ihn eines Tages ins College zu schicken. 17 Jahre später ging er ins College. „In meiner Naivität habe ich allerdings ein College ausgesucht, das fast so teuer wie Stanford war und alle Ersparnisse meiner Eltern, die aus der Arbeiterklasse kamen, in Anspruch nahm. Nach sechs Monaten hatte ich nicht verstanden, welchen Wert das haben sollte. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was ich mit meinem Leben machen wollte und wie mir das College dabei helfen sollte, es herauszufinden. Und ich war dabei, alles Geld auszugeben, das meine Eltern in ihrem ganzen Leben gespart hatten. Also entschied ich mich, das Studium abzubrechen. Das war zu der Zeit sehr beängstigend, allerdings hat es sich als eine der besten Entscheidungen meines Lebens erwiesen.

          Unbezahlbare Stolperer

          Kaum hatte ich das eigentliche Studium abgebrochen, hörte ich auf, die Seminare zu besuchen, die mich nicht interessierten, und besuchte die, die mir interessant erschienen.“ Das ging 18 Monate so. Jobs sammelte Cola-Flaschen, um sich mit dem Erlös aus dem Pfand von 5 Cent sein Essen zu kaufen, und lief jeden Samstag mehr als zehn Kilometer quer durch die Stadt, um ein kostenloses Essen im Hare-Krishna-Tempel zu bekommen. „Ich habe es geliebt. Und vieles, in was ich durch Neugier und Eingabe hineingestolpert bin, hat sich danach als unbezahlbar erwiesen.“ Jobs berichtet, dass es im Reed College eine hervorragende Kalligraphie-Ausbildung gab, dass er alles über Serifen und serifenlose Schriften lernte, zu was es führt, wenn man den Abstand zwischen einzelnen Buchstaben verändert, und was wirklich gute Typographie ausmacht. „Es war wunderschön, historisch, künstlerisch-subtil in einer Weise, die Wissenschaft nicht einfangen kann. Es hat mich fasziniert. Ich konnte nicht hoffen, dass irgendetwas davon in meinem Leben einmal wichtig werden würde. Aber zehn Jahre später, als wir den ersten Macintosh-Computer entworfen haben, war es so weit. Wir arbeiteten alles in den Mac ein. Es war der erste Computer, der wunderschöne Schriftzeichen setzen konnte.“

          </p><p>In der zweiten Geschichte, die Jobs erzählt, geht es um die Auswirkungen seines Rauswurfs bei <a class="rtr-entity" data-rtr-entity="Apple" data-rtr-id="c82e23a7f0a18f4fa1408723622c88e1a1a39bcd" data-rtr-score="20.3148788927" data-rtr-etype="organisation" href="#">Apple</a>, der Entlassung durch das Unternehmen, das er mit zwanzig Jahren in der Garage seiner Eltern mitbegründet hatte – und die Liebe, die berufliche und die private. In zehn Jahren war Apple von einem Zwei-Mann-Betrieb in eine Firma mit 4000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2 Milliarden Dollar gewachsen. „Also war ich mit 30 draußen. Und das höchst öffentlich. Das, worauf ich mich mein gesamtes Leben als Erwachsener konzentriert hatte, war weg. Es war verheerend.“ Jobs begann von vorne, gründete den Computerhersteller Next und stieg beim Filmstudio Pixar ein. „Und ich verliebte mich in eine unglaubliche Frau, die später meine Ehefrau werden sollte.“ Pixar ist heute das erfolgreichste Studio für computeranimierte Kinofilme der Welt.</p><p><b>„Herausfinden was ihr liebt“</b></p><p>Später kaufte Apple Next, Jobs kehrte zu Apple zurück. „Die Technologie, die wir bei Next entwickelt haben, ist das Herz für Apples heutige Renaissance. Und Laurene und ich haben zusammen eine wundervolle Familie. Ich bin mir recht sicher, dass alles das nicht geschehen wäre, wäre ich bei Apple nicht gefeuert worden … Ihr müsst herausfinden, was ihr liebt. Eure Arbeit macht einen großen Teil eures Lebens aus, und der einzige Weg, wirklich zufrieden zu sein, ist, das zu tun, was ihr für großartige Arbeit haltet. Der einzige Weg, großartige Arbeit abzuliefern, ist, das zu lieben, was man tut ...“</p><p>In der dritten Geschichte schließlich geht es um Jobs’ Begegnung mit dem Tod, dem er im Jahr zuvor nach einer Krebsdiagnose sehr nah war. Einen Tag lang lebte Jobs mit der Erwartung, dass sein Leben schon sehr bald zu Ende sein würde. Durch eine glückliche Fügung erwies sich sein Krebs als heilbar. Daraus hat Jobs einmal mehr die Konsequenz gezogen: „Eure Zeit ist begrenzt, lebt nicht das Leben eines anderen ...Habt den Mut, eurem Herzen und eurem Gefühl zu folgen. Alles andere ist nebensächlich ... Bleibt hungrig. Bleibt tollkühn.“</p>

          Big Apple - Das Vermächtnis des Steve Jobs
          Steve Jobs hat eine Marke erschaffen, die Massen anspricht und trotzdem cool geblieben ist. Dabei hat er in den vergangenen zwölf Jahren aber nicht nur unseren Konsum gefördert, sondern auch unsere Kreativität herausgefordert. Und durch seinen überbordenden Erfolg mit dem internetfähigen Handy iPhone, dem Tabletcomputer iPad und dem digitalen Musikspieler iPod hat er Macht erlangt: über technische Entwicklungen in der Informationstechnologie, über die Musikindustrie, jetzt auch über die Verlage - und ein wenig auch über uns. Das gilt selbst dann, wenn man gar keine Apple-Produkte benutzt. Denn die Konkurrenz muss vieles von dem kopieren, was Jobs auf den Markt gebracht hat.

          Carsten Knop, Wirtschaftsredakteur dieser Zeitung, hat Steve Jobs und Apple seit 1999 begleitet und darüber ein besonderes Tagebuch geführt. Lesen Sie, wie alles anfing, wie Steve Jobs zuerst New York und die Welt begeistern kann, was die Marke Apple und ihr Design so besonders macht, wer wichtige Weggefährten von Jobs waren, warum aus Freunden und Begleitern wie Eric Schmidt von Google im Laufe der Jahre Konkurrenten wurden, wie es im inzwischen weltberühmten Trickfilmstudio von Pixar in der Nähe von San Francisco aussieht - und warum ein Leben ohne „i“ heute nicht mehr möglich zu sein scheint. Denn Apple ist überall. (ISBN: 978-3-89981-271-8). F.A.Z.

          Carsten Knop: Big Apple, Frankfurter Allgemeine Buch, 224 Seiten, 19,90 Euro; Oktober 2011, ab Dienstag im Handel bestellbar oder über: buch@faz.de

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