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Veröffentlicht: 19.05.2014, 12:34 Uhr

Datenschutz-App Wie viel Geld ist der User wert?

Es wird immer schwieriger, im Internet seine Daten zu schützen. Denn diese werden zu Werbezwecken von Google oder Facebook verkauft. Eine App kann jetzt berechnen, wie viel Geld ein Nutzer jährlich einspielt.

von Philip Dingeldey
© AFP Wie viel verdienen Facebook und Google mit unseren Daten?

Schon lange ist bekannt, dass soziale Netzwerke und Onlineplattformen wie Facebook, Google oder Linkedin die Daten der Nutzer an Konzerne weiterverkaufen, damit diese ihre Produkte personenbezogen bewerben können. Facebook zum Beispiel nennt das „Umgehende Personalisierung" . Die Dienste der Plattformen kosten also zwar kein Geld, aber User bezahlen mit ihrer Privatsphäre, mit ihren digitalen Daten.

Für User, die ihre Privatsphäre schützen wollen, gibt es seit ein paar Monaten die kostenlose  App PrivacyFix. Doch das ist nicht alles, was sie kann: Sie kalkuliert außerdem den jährlichen finanziellen Wert eines Nutzers für solche Plattformen.

Angeboten wird die App von AVG Technologies, einer Firma für Online-Sicherheit. Das im Jahr 1991 gegründete Unternehmen hat weltweit etwa 1000 Mitarbeiter, und mehr als 170 Millionen Kunden vertrauen in ihre Software. PrivacyFix ist eines ihrer meistgenutzten Produkte. Seit Ende Januar liegt auch eine deutsche Version vor. Das Unternehmen möchte sich jedoch nicht dazu äußern, wie viele Deutsche die App nutzen. Es behauptet in einer Mitteilung jedoch, dass das Produkt in Deutschland – im europäischen Vergleich – besonders erfolgreich sei.

Frauen reagieren eher auf Werbung

Erfunden hat PrivacyFix der amerikanische Internetfachmann Tony Anscombe. „Wir wollen den Leuten in einer spielerischen und lustigen Art zeigen, welchen Wert ihre Daten bei Unternehmen wie Facebook und Google haben“, sagte er gegenüber FAZ.NET.

PrivacyFix analysiert in drei Schritten, wie viel ein Facebook-Nutzer wert ist: Erstens errechnet die App die Einnahmen, die Facebook durchschnittlich mit einem Nutzer erzielt. Denn Facebook legt seine Zahlen gegenüber den Aktionären offen. Damit sind die Zahl der User, ihr Aufenthaltsort und ihr ungefährer Wert publik. Die Einnahmen können natürlich je nach Region variieren. Sie sind nämlich abhängig von Faktoren wie lokalen Einkaufsmöglichkeiten, Einkommen, Ausgabeverhalten und auch der Qualität der Internetverbindung.

Basierend auf dieser Durchschnittszahl passt PrivacyFix, in einem zweiten Schritt, den Wert der App-Nutzer an das Geschlecht an - denn Frauen würden durchschnittlich eher auf Werbung reagieren, behauptet AVG. Zuletzt kalkuliert ein Algorithmus, wie viel der Nutzer auf Facebook unterwegs ist, wie viele „Gefällt Mir“-Buttons er angeklickt und wie viele Freunde er im Netzwerk hat.

„Ihr Wert für Facebook“

Trotzdem kann die Kalkulation verzerrt werden, da PrivacyFix einige Daten nicht mit einbezieht: etwa die Häufigkeit, mit der der Nutzer Werbeanzeigen anklickt, von welchem Gerät er auf die Internetplattform zugreift oder die Profileigenschaften, die im Zusammenhang mit Browser-Cookies stehen, die Facebook und seine Werbepartner für zielgerichtete Werbung gebrauchen können.

Für Google sind die Berechnungen einfacher und wahrscheinlich auch zutreffender: Denn Google erhebt nur dann Werbegebühren, wenn ein User bei seiner Suche tatsächlich auf eine Werbeanzeige klickt. Wertpapieranalysten untersuchen ebenfalls die Muster der Einnahmen von Google, vor allem in Zusammenhang mit den Suchaufträgen. So ergibt sich schon eine grobe Schätzung, wie viele Suchergebnisse durchschnittlich auf einen Klick auf eine Werbeanzeige kommen. Diese Zahlen nutzt die App. Sie addiert die Anzahl der Google-Suchen in den letzten 60 Tagen und rechnet das zu einer individuellen Schätzung hoch. Wer also über Google viel auf Werbeanzeigen klickt, hat einen größeren Wert für Google und wer wenig darauf klickt, einen niedrigeren.

Oft erscheinen bei den Nutzern von „PrivacyFix“ dann zunächst niedrig wirkende Beträge, meist im zweistelligen Bereich. Dann steht dort etwa: „Ihr Wert für Facebook: 18,30 Euro.“ Das Ganze lohnt sich aber für Facebook und Google trotzdem – immerhin nutzen Millionen Menschen täglich die Plattformen.

Der Nutzer ist ohne Hilfe überfordert

PrivacyFix behauptet auch, wertvolle Tipps zum individuellen Datenschutz zu geben. Die App prüft ohnehin, welche privaten Informationen im Netz verbreitet werden. Dazu gibt sie auch eine Checkliste an die User, mit welchen Methoden sie ihre Daten sichern können. Besonders wegen der Unübersichtlichkeit der Datenschutzeinstellungen bei Google und Facebook seien viele Nutzer ohne Hilfe überfordert. Oft wüssten die User von selbst nichts über Datenschutz, sagt Anscombe.

Eigentlich ist die App aber ja dazu erfunden worden, dem Nutzer bei den richtigen Einstellungen zum Datenschutz zu helfen. Dazu identifiziert PrivacyFix mehr als 1200 Tracking-Dienste, die Facebook-Nutzer im Netz verfolgen, etwa mit Social Plugins. Eines davon ist der „Gefällt-Mir“-Button, der in andere Seiten eingebettet ist. Dieser erkennt den Nutzer und registriert den Seitenaufruf. Und benutzt man etwa die Suchmaschine Bing, bekommt sie die öffentlichen Profilinformationen von Facebook mitgeteilt.  Diese Funktion lässt sich jedoch mit ein paar Klicks wieder deaktivieren. „Das alles soll helfen, die Daten zu kontrollieren - denn in den Zeiten des Internets werden Themen wie Sicherheit und Privatsphäre immer komplexer“, sagt Anscombe.

Datenschutz mit ein paar Klicks?

Daneben gibt PrivacyFix auch Anregungen zur Verschärfung der Datenschutzeinstellungen bei Google Plus. Die App hat so schon einmal den Vorteil, einfacher und übersichtlicher als die Netzplattformen selbst über den Datenschutz aufzuklären und auch vor dem Verlust der Privatsphäre zu warnen.

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PrivacyFix nimmt übrigens für sich selbst in Anspruch, den Datenschutz für die eigenen Nutzer zu garantieren: Es würden keine Verlaufsdaten oder Cookies übertragen oder weitergegeben werden. Will man eine individuelle Auskunft von PrivacyFix, gibt man ihnen dennoch Einblick in die eigenen Daten und die eigene Privatsphäre.

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