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Veröffentlicht: 22.03.2017, 14:39 Uhr

Andrew Ng Er ist ein Star der Künstlichen Intelligenz

Ohne Andrew Ng wäre Künstliche Intelligenz heute kein so brisantes Thema: Nun verlässt der Forscher den chinesischen Internetkonzern Baidu. Ein Porträt.

von
© mauritius images Andrew Ng vor einer Deep-Learning Illustration im Baidu-Labor im Silicon Valley.

Andrew Ng hat Großes vor: „Ich bin optimistischer als jemals zuvor im Hinblick auf die phantastische Zukunft, die wir mit Künstlicher Intelligenz kreieren werden.“ Solche Aussagen gibt es immer mal wieder. In ihnen steckt gelegentlich ein überbordender Optimismus dahingehend, wie schnell der technologische Fortschritt kommt und wen und was er alles erfasst. Von Ng ist der Satz hingegen nicht die Hoffnung eines zuversichtlichen Futuristen, sondern die Einschätzung von einem Mann, der als einer der führenden Fachleute auf diesem Gebiet auf der ganzen Welt gilt.

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Tatsächlich liegt es erheblich auch an diesem brillanten Forscher, dass derzeit so viele Menschen über Künstliche Intelligenz reden und große Konzerne wie kleine Start-ups Geld dafür in die Hand nehmen. Zum Beispiel, um selbstfahrende Autos, die perfekte Sprach- und Bilderkennung oder Übersetzungsleistung zu entwickeln.

Durchbruch im Jahr 2012

Ng, Jahrgang 1976, forschte nach Studium und Promotion an den führenden Fakultäten der Welt eigentlich als Computerwissenschaftler in Stanford. Die Akademiker konnten damals auf ziemlich intelligenten Programmen aufbauen, der Knackpunkt waren eher die Rechenleistung und die Datenmengen. Eine Lösung für beide Probleme fand Ng unter dem Dach des mittlerweile von Google in Alphabet umbenannten Technologiekonzerns. Dort heuerte er zusätzlich an und brachte das sogenannte „Google Brain Project“ mit auf den Weg.

Im Jahr 2012 gelang ihm mit Kollegen dann der Durchbruch, der neue Begeisterung für die Künstliche Intelligenz auslöste. Das Team, zu dem neben Ng etwa auch der schon damals in Diensten von Google stehende Jeff Dean gehörte, schaltete 16.000 Prozessoren zusammen und ließ dann ein schlaues Computerprogramm zehn Millionen Youtube-Videos „anschauen“. Die Ergebnisse waren beeindruckend. Der Computer lernte selbst Unterscheidungen. „Das Beachtliche daran war, dass es (das Programm, a.d.R.), von alleine das Konzept einer Katze entdeckte. Niemand hat ihm jemals gesagt, was eine Katze ist. Das war ein Meilenstein im Maschinellen Lernen. Das war der Meilenstein, der half, andere Unternehmen zu inspirieren wie Facebook und Baidu“, erinnerte er sich einmal daran.

Die Hoffnung hinter der neuen Forschung lautet: Computer sollen selbständig lernen, indem sie mit einer dem menschlichen Gehirn nachempfundenen Software ausgestattet werden.

Ng, Jahrgang 1976, selbst blieb allerdings nicht in Diensten Googles. Parallel zu seiner Forschung dort gründete er ein eigenes Unternehmen, die Online-Lernplattform Coursera. Dort bietet er Kurse über Künstliche Intelligenz an, mittlerweile hat sie eine zweistellige Millionenzahl Nutzerkonten registriert. Im Jahr 2014 nahm der Sohn von Einwanderern aus Hongkong dann ein Angebot des chinesischen Internetunternehmens Baidu an. Dort baute er als Forschungschef den Bereich mit auf, der sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt und derzeit rund 1300 Mitarbeiter umfasst. Er selbst hat sein Büro im Forschungslabor im Silicon Valley. Bislang. Denn nun teilt Ng in einem offenen Brief im Internet mit, dass er Baidu verlassen wird.

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Warum genau, das erklärt er nicht. Einen neuen Arbeitsvertrag hat demnach ebenfalls noch nicht unterschrieben. Einen Hinweis darauf, dass er vermutlich nicht (direkt) zu einem anderen großen Unternehmen wechselt, gibt er aber mit dem Satz, dass das Potential der Künstlichen Intelligenz größer sei als ihr Einfluss auf Technologiekonzerne.

„So wie die Elektrizität vor ungefähr 100 Jahren viele Industrien transformiert hat, wird Künstliche Intelligenz nun nahezu jede große Branche verändern - Gesundheit, Transport, Industrie - und dabei die Leben unzähliger Menschen bereichern“, fügt er hinzu. Die Hoffnungen nicht nur in der Wirtschaft sind teilweise enorm, besonders auch im Heimatland seines bisherigen Arbeitgebers - dort wird Ng gelegentlich nicht unähnlich einer Gottheit verehrt. In China verbindet sich mit der Künstlichen Intelligenz teils eine quasi-religiöse Heilserwartung.

Ng ist da nüchterner. Seine Begeisterung an der Forschung überträgt sich in seinen meist sehr dichten Vorträgen zwar auf die Zuhörer. Immer wieder hegt er allzu große Erwartungen aber auch ein. In einem ausführlichen Einführungsbeitrag für „Harvard Business Review“ bringt er das beispielsweise so auf den Punkt: “Ich kann sagen: Künstliche Intelligenz wird viele Branchen verändern. Aber es ist keine Magie.“

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