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Lebensmittelversand : Amazon Fresh startet in Deutschland

Ab heute verschickt Amazon auch Lebensmittel in Deutschland. Bild: dpa

Der Onlinehändler Amazon liefert ab heute auch in Deutschland frische Lebensmittel aus. Allerdings gibt es das Angebot erst nur in zwei Städten.

          Wer in Berlin oder Potsdam wohnt, kann sich ab heute von Amazon frische Lebensmittel liefern lassen. Von seinem Lager in Alt-Tegel aus liefert der amerikanische Onlinehändler in Zusammenarbeit mit der DHL die Produkte von „Amazon Fresh“ in einem „begrenzten Postleitzahlbereich“, wie es von dem Unternehmen heißt.

          Die Kunden können aus 85.000 Produkten wählen, wirbt Amazon, außerdem seien mehr als 100 Produkte von kleinen lokalen Geschäften erhältlich. Zum Vergleich: Ein großer Selbstbedienungssupermarkt wie Real hat bis zu 60.000 Produkte im Angebot. Wer bis zum Mittag weiß, was er einkaufen möchte, kann theoretisch schon von 16 Uhr an sein Essenspaket Zuhause annehmen, Amazon liefert jeweils in einem Zwei-Stunden-Fenster. Wer bis 23 Uhr abends bestellt, erhält das Paket am nächsten Tag zur gewünschten Zeit. Die DHL-Boten liefern montags bis samstags, wer für mindestens 40 Euro einkauft, zahlt keine Liefergebühren. Amazon Fresh richtet sich also vor allem an jene, die sich den gesamten Wocheneinkauf sparen wollen.

          Dafür zahlen Amazon-Kunden künftig 9,99 Euro im Monat. Allerdings müssen sie dafür schon Kunden des Premiumdienstes Prime sein, was 69 Euro im Jahr kostet. „Die Messlatte des deutschen Einzelhandels liegt sehr hoch, das ist uns bewusst“, sagt Florian Baumgartner, der Amazon Fresh in Deutschland verantwortet, zu FAZ.NET. „Mit den Erfahrungen aus Amerika, England und Japan fühlen wir uns aber gut ausgerüstet.“ In den Vereinigten Staaten gibt es den Lieferdienst schon seit neun Jahren, Großbritannien kam im letzten Jahr hinzu, die Japaner erst vor zwei Wochen.

          Wann und ob Amazon auch andere Städte beliefert, ist noch unbekannt. Baumgartner macht dazu keine Angaben. „Unser Ziel ist es, das Angebot auch an anderen Standorten verfügbar zu machen.“ Erfahrungen in schnellen Lieferungen in Städten hat Amazon schon mit Prime Now in München und Berlin gesammelt – dabei bietet das Unternehmen auch kurzfristige Lieferungen in einem Zwei-Stunden-Fenster an, gegen Aufpreis versteht sich.

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          Bestimmte Lebensmittel hat Amazon mit dem Programm „Pantry“ schon seit mehreren Jahren im Angebot, nun liefert der Onlinehändler aber frische Ware in isolierten Kühltaschen. Das Konzept ist logistisch ungleich schwieriger, weil die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf. Amazon möchte zudem seinem Ruf als möglichst kundenfreundliches Unternehmen gerecht werden und kündigt schon zu Beginn des Projektes große Kulanz an, falls die Kunden unzufrieden seien mit der Ware.

          Supermarktketten im Wettrennen mit Amazon

          Der Start von Amazon Fresh war schon für April erwartet worden, das Unternehmen selbst hatte sich jedoch nie zu einem Zeitpunkt geäußert. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Post hatte Post-Chef Frank Appel in der vergangenen Woche schon angekündigt, dass DHL mit Amazon für das Projekt kooperiere. Die Post hat in Berlin mit „Allyouneedisfresh“ schon Erfahrung gesammelt im Versand von Lebensmitteln, darauf baut Amazon Fresh nun auf.

          Derzeit macht der Onlineversand von Lebensmitteln gerade mal ein Prozent des Branchenumsatzes von 170 Milliarden Euro aus. Doch nach Prognosen des Marktforschungsinstituts GfK und der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman könnten in den kommenden drei bis acht Jahren schon Lebensmittel im Wert von sieben Milliarden Euro im Internet bestellt werden, also drei Mal so viel. Daran haben allerdings auch die Supermarktketten Rewe, Kaufland und Edeka Interesse.

          So hat Kaufland in Berlin ein eigenes Logistikzentrum aufgebaut, nun nimmt das Unternehmen Hamburg ins Visier. „Die Händler rüsten vor allem dort auf, wo Amazon sich als Erstes ausbreiten könnte – in den Ballungsgebieten", sagte Lars Hofacker vom Handelsinstitut EHI Retail kürzlich der F.A.Z. Woche. Wie schwierig das ist, lässt sich daran ablesen, dass der Discounter Lidl seine Pläne für ein Abholkonzept wieder gestoppt und Aldi bisher erst gar keine Versuche unternommen hat, in das Geschäft einzusteigen.

          Quelle: FAZ.NET

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