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3GSM Mobilfunkanbieter wollen Web 2.0 nicht verpassen

13.02.2007 ·  „Die Netzbetreiber im Mobilfunk müssen einen Zahn zulegen und deutlich schneller und innovativer werden", warnt Vodafone-Chef Arun Sarin. Sonst hätten Google oder Yahoo ihre Dominanz auf das Handy ausgeweitet

Von Johannes Winkelhage, Barcelona
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„Die Netzbetreiber im Mobilfunk müssen einen Zahn zulegen und deutlich schneller und innovativer werden: Sonst sind wir die Letzten am Büfett, und es ist nichts mehr übrig.“ Mit diesen Worten warnte Arun Sarin, der Vorstandsvorsitzende von Vodafone, die Branche vor dem drohenden Bedeutungsverlust der Netzbetreiber in der künftigen Welt mobiler Dienste. Sarin sieht die Gefahr, dass Internetunternehmen wie Google, Yahoo oder Ebay, ihre Dienstpalette schnell auch auf den Mobilfunk ausweiten. Den Netzbetreibern bliebe dann nur noch die Rolle als Datentransporteur für den Internetverkehr in den Breitbandnetzen des Mobilfunks. Damit wären sie von dem größten Teil der Wertschöpfungskette der neuen Internetwelt abgeschnitten, die wesentlich von den Werbeeinnahmen der großen Internet-Gemeinschaften geprägt sein wird.

Mobiles Web 2.0

„Das Web 2.0 mit seinen interaktiven Diensten und sozialen Gemeinschaften muss auf der mobilen Plattform erreichbar sein und muss vor allem integriert werden.“, erklärte Sarin während der Mobilfunkmesse 3GSM in Barcelona. Vodafone hat entsprechend schon exklusive Kooperationen unter anderem mit der Videoplattform Youtube oder auch mit Google und seiner Navigationslösung Google Maps geschlossen. Auch die Kurznachrichtendienste (Instant Messenger) von Yahoo und Microsoft gehören zu den jüngst angekündigten Partnern.

Dabei setzt Vodafone – im Gegensatz zu T-Mobile – auf die Integration dieser Dienste in sein mobiles Internet-Portal ‚Vodafone-Live’. „Wir glauben, dass wir den Kunden eine bessere Leistung bieten können, als wenn nur das offene Internet auf mobile Geräte gebracht wird“, erklärte Frank Rövekamp, der Marketingvorstand des Mobilfunkanbieters in Barcelona. Daher würde zum Beispiel mit Youtube eine eigene Internetseite gestaltet, die in ‚Vodafone-Live’ integriert werde. Auch mit Ebay wird eine spezielle Lösung für die Vodafone-Kunden entwickelt. Für dem Mobilfunkkonzern ergibt sich dadurch gleichzeitig der Vorteil, diese Dienste abrechnen zu können, was nach Angaben von Rövekamp auch geplant ist. Über die künftigen Preise sagte er allerdings nichts.

Selbst T-Mobile will Fahrt aufnehmen

Die Notwendigkeit das Tempo zu erhöhen, sieht auch Hamid Akhavan, der neue Vorstandsvorsitzende der T-Mobile International. „Wir werden den Trend der sozialen Netzwerke im Internet in unsere Plattform integrieren und zum Beispiel in Kürze eigene Tarife für solche Communities aus dem Web 2.0 anbieten“, erklärte Akhavan in Barcelona und fügte hinzu: „Das wird die Triebfeder für die Nutzung des mobilen Internet in den kommenden Jahren.“ Insgesamt sieht er neben dem Web 2.0 aber auch das Internet auf dem Handy insgesamt als eine der großen Herausforderungen für die Branche. „Das mobile Internet wird für die Menschen wahrscheinlich in naher Zukunft wichtiger werden als die stationäre Nutzung dieses Mediums“, erklärte Akhavan. Dabei setzt T-Mobile weiterhin auf den offenen Zugang zum Netz und verzichtet auf eine Portallösung wie Vodafone sie favorisiert.

Einstieg in internationalen Zahlungsverkehr

Als eine weitere Möglichkeit, das Umsatzwachstum der Mobilfunkbetreiber durch mehr Dienstangebote zu steigern, nennt Arun Sarin zum Beispiel auch den Einstieg in den internationalen Zahlungsverkehr. Vor allem in den Schwellenländern, in denen die Kundenzahlen der Netzbetreiber rasant wachsen sieht er gute Chancen. Dort hätten viele Kunden zwar ein Mobiltelefon aber kein Bankkonto. „Wir können Geld sicher, einfach und preiswert anweisen“, glaubt Sarin.

Darin stimmt er mit Rob Conway, dem Vorstandsvorsitzenden des internationalen Branchenverbandes GSM-Association, überein. Conway sagte in Barcelona, der Verband arbeite in Kooperation mit den Banken an einer Lösung für solche Transaktionen. So sei gemeinsam mit dem Kreditkartenanbieter Mastercard ein Pilotprojekt geplant, dass mobile Überweisungen über Landesgrenzen hinweg in die unterschiedlichen Bankensysteme ermöglichen solle. Conway bezeichnete Zahlungsfunktionen zudem als ein sehr gutes Instrument zur Kundenbindung für die Mobilfunkanbieter. Bei einem Anbieter in Asien sei der Kundenschwund von 30 Prozent auf 6 Prozent gesunken, nachdem er ein Bezahlsystem eingeführt habe.

Wachstum in Schwellenländern

Mit der Suche nach überdurchschnittlichem Wachstum begründete Sarin auch den jüngsten Zukauf in Indien. So seien die Chancen für den Konzern dort enorm und auch das Land selber profitiere von der rasant wachsenden Mobilfunkdurchdringung. „Nach Berechnungen der Weltbank führt eine Steigerung der Mobilfunkpenetration um rund 10 Prozent zu einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes von 0,6 Prozent“, betonte der Vodafone-Chef. In den kommenden fünf Jahren soll die Zahl der Mobilfunknutzer in Indien von 160 Millionen auf 500 Millionen wachsen.

Große Hoffungen verbinden auch die Mobilfunkbetreiber mit den schnellen, mobilen Datennetzen, die nach Angaben inzwischen von rund 100 Anbietern in 50 Ländern betrieben werden. Dabei setzt die Branche keineswegs nur auf die Industriestaaten. „Wir haben zum Beispiel mit unseren mobilen Breitbandangeboten inzwischen einen Marktanteil von rund 35 Prozent am südafrikanischen Breitbandmarkt und dieser wird nach unseren Schätzungen auf 50 Prozent steigen“, betonte Sarin. Auch in Indien wird Vodafone nach seinen Angaben eine ähnliche Strategie im Breitbandgeschäft verfolgen.

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