12.02.2007 · „Nokia-Siemens ist startbereit", sagte Simon Beresford-Wylie, der designierte Chef des neuen Unternehmens. Das wird auch Zeit. Denn der Wettbewerb mit Ericsson oder Huawei wird hart.
Von Johannes Winkelnhage, Barcelona„Nokia-Siemens ist startbereit.“ Davon ist Simon Beresford-Wylie, der designierte Vorstandsvorsitzende des im Sommer vergangenen Jahres angekündigten Gemeinschaftsunternehmens, überzeugt. Ein konkretes Datum für den Start nannte er während der Mobilfunkmesse 3GSM in Barcelona allerdings abermals nicht. Er wiederholte nur die Ankündigung der beiden Muttergesellschaften, dass die zusammengelegten Sparten noch im ersten Quartal des Jahres operativ tätig werden sollen.
In Branchenkreisen wird inzwischen über den 1. April als Starttermin spekuliert. Ebenso wenig sagte Beresford-Wylie zum Stand der Verhandlungen zwischen den beiden Muttergesellschaften über die Konsequenzen der Korruptionsaffäre im Siemens-Konzern für das neue Unternehmen. „Die Tatsache, dass wir hier mit einem gemeinsamen Stand und unter einer einheitliche Marke auftreten zeigt aber, dass Siemens und Nokia Vertrauen in das neue Unternehmen haben.“
1,5 Milliarden Euro Ersparnis
Nach Angaben von Beresford-Wylie sind die Vorbereitungen für die Zusammenlegung der Sparten inzwischen abgeschlossen. So sind die Managementpositionen bis in die vierte Ebene besetzt und das Sparpotential von bis zu 1,5 Milliarden Euro im Jahr bis 2010 identifiziert. „Wir werden sehr schnell beginnen, das umzusetzen“, erklärte er, fügte aber hinzu: „Unsere Größe allein reicht nicht aus. Wir müssen uns stärker an unternehmerisches Handeln gewöhnen und innovativer und schneller werden.“ Das Gemeinschaftsunternehmen wird auf einem Unsatz von rund 15,8 Millairden Euro im Jahr kommen.
Die Branche der Netzwerkausrüster hat in den vergangenen 18 Monaten eine Welle von Übernahmen erlebt. So hat der schwedische Marktführer Ericsson das Unternehmen Marconi übernommen. Alcatel und Lucent haben sich zu einer Einheit zusammengeschlossen und Nokia und Siemens verbünden sich, um durch größere Absatzvolumen die Kosten zu senken. Getrieben wird diese Notwendigkeit zur Kostensenkung auch durch den Markteintritt chinesischer Anbieter wie Huawei, die mit Kampfpreisen von bis zu 30 Prozent unter Marktdurchschnitt auf Kundenfang gehen und damit inzwischen durchaus erfolgreich sind.
Immenser Wachstumsschub erwartet
Um sich vom Wettbewerb abzusetzen, setzt Nokia-Siemens nach Angaben von Beresford-Wylie vor allem auf integrierte Lösungen für Mobilfunk- und Festnetze gleichzeitig. „Das kann kaum ein anderes Unternehmen seinen Kunden bieten“, erklärte er in Barcelona. Nach seiner Überzeugung steht die Branche vor einem immensen Nachfrageschub nach Bandbreite sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk. „Wir bewegen uns aus einer von der Telekommunikation geprägten Welt in eine Umgebung, die vom Internet und seinen Diensten beherrscht wird. So geht er davon aus, dass die Durchdringung de Marktes mit Breitbandanschlüssen in den Industriestaaten in den kommenden Jahren je nach Land auf 50 bis 90 Prozent steigen wird. Dadurch werde der Verkehr in den Netzen jährlich um 60 bis 70 Prozent zunehmen. „Da gibt es genug Potential für weiteres Wachstum.“
Während die rund 600 Kunden von Nokia-Siemens etwa zu gleichen Teilen aus Mobilfunk und Festnetz kommen, kaufen beim schwedischen Marktführer Ericsson vor allem die Mobilfunkanbieter ein. Aber auch hier steht das Thema Breitband an erster Stelle. „Das Jahr 2006 hat den endgültigen Durchbruch für die schnelle Datenübertragung in den Mobilfunknetzen gebracht“, sagte Carl-Henric Svanberg, der Vorstandsvorsitzende von Ericsson. „Das gilt keineswegs nur für die gesättigten Märkte in den Industriestaaten.
Alle fünf Minuten eine Basisstation
Vor allem in den Schwellenländern ist die Nachfrage nach schnellen Datennetzen sehr groß, da dort in vielen Fällen das Festnetz nur schlecht oder gar nicht ausgebaut ist“, fügte Svanberg in Barcelona hinzu. „In Indien wird alle fünf Minuten eine Basisstation aufgebaut, um die Mobilfunkversorgung zu verbessern. Sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr“, sagte Svanberg. Von diesem Boom will auch Ericsson weiterhin profitieren. Der schwedische Konzern hat im vergangenen Jahr rund 20 Milliarden Euro umgesetzt. Davon entfielen rund 13,5 Milliarden Euro auf die Ausrüstung für Mobilfunknetze.
Ericsson ist mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent derzeit unangefochtener Marktführer bei der Ausrüstung für diese Netze. Geht es nach Svanberg, soll dies auch so bleiben: „Während der Gesamtmarkt für die Netzwerkausrüstung im vergangenen Jahr um rund 5 Prozent gewachsen ist, hat Ericsson in diesem Segment ein Umsatzplus von 10 Prozent erreicht“, erklärte er.
3 Milliarden Handy-Nutzer
„Die schwächeren Unternehmen wie Motorola oder Alcatel-Lucent verlieren schneller an Umsatz als wir gedacht haben“, begründet Svanberg diese Differenz. Auch für das laufende Jahr rechnet er mit einem Umsatzplus von rund 5 Prozent für die Branche. Ericsson hingegen soll weiterhin schneller wachsen als der Markt. „Das rasante Wachstum der Nachfrage nach Bandbreite in den Mobilfunknetzen und dem Festnetz wird dazu führen, das weiterhin höhere Zuwachsraten möglich sind“, betonte Svanberg. Dazu soll auch beitragen, dass die Zahl der Mobilfunknutzer in diesem Jahr die Grenze von drei Milliarden überschreiten soll. Noch vor dem Jahr 2010 sollen es dann vier Milliarden sein, glaubt Svanberg.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,90 | −0,95% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2447 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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