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100 Jahre IBM Beständigkeit durch Veränderung

Der Technologiekonzern IBM wird hundert Jahre alt und spielt bis heute in der ersten Liga der Branche. 1981 landete IBM einen großen Wurf mit seinem ersten PC. In jüngster Zeit lenkt er sein Augenmerk auf das margenträchtige Softwaregeschäft.

© REUTERS Vergrößern Die Langlebigkeit von IBM ist nicht selbstverständlich

Eine bessere Eigenwerbung hätte sich der amerikanische Technologiekonzern International Business Machines (IBM) zu seinem hundertjährigen Jubiläum nicht organisieren können. Vor wenigen Tagen feierte der von IBM entwickelte Supercomputer „Watson“ einen Triumph in der amerikanischen Quizshow „Jeopardy“. Zwei frühere Gewinner der Sendung hatten keine Chance gegen Watson.

Für den IBM-Vorstandschef Samuel Palmisano hat das im Jubiläumsjahr eine besondere Symbolik: IBM hat damit nach seinen Worten demonstriert, noch immer an vorderster Front des technologischen Fortschritts mitzumischen. Dies dürfte auch seine Botschaft sein, wenn er am heutigen Montag seine Eröffnungsrede auf der Cebit in Hannover hält.

Die Langlebigkeit von IBM ist nicht selbstverständlich: Viele andere einst klangvolle Technologieadressen gibt es nicht mehr. Unternehmen wie Digital Equipment, Commodore, Compaq, Palm oder Sun Microsystems sind verschwunden oder übernommen worden. Auch die Geschichte von IBM verlief nicht ohne schwere Krisen, aber bis heute spielt das Unternehmen in der ersten Liga der Technologiebranche.

Aus der Fusion dreier Unternehmen

Seine Gründung datiert IBM auf den 16. Juni 1911. Damals entstand die Computing Tabulating Recording Company oder CTR aus der Fusion dreier Unternehmen. Den Namen International Business Machines oder IBM nahm das Unternehmen 1924 an. In der Anfangszeit stellte es eine breite Palette von Produkten her, von Uhren über Waagen und Käseschneidemaschinen bis hin zu Lochkarten und zugehörigen Tabelliermaschinen. Diese Lochkartensysteme, die zunächst vor allem in Volkszählungen Anwendung fanden, waren eine frühe Form der Datenverarbeitung und der Ausgangspunkt für IBM auf dem Weg zu einem Informationstechnologiekonzern. Sie waren auch das Fundament für die deutschen Aktivitäten. Eine der drei IBM-Vorgängergesellschaften gründete 1910 den deutschen Ableger Dehomag, der 1922 im amerikanischen Konzern aufging. Mit der Dehomag verbindet sich ein dunkles Kapitel in der IBM-Geschichte, denn deren Maschinen wurden auch vom nationalsozialistischen Regime genutzt, etwa bei der Erfassung jüdischer Bürger in der Volkszählung 1939. IBM verweist darauf, dass die Dehomag wie viele andere zu ausländischen Unternehmen gehörende Betriebe unter Zwangsverwaltung des NS-Regimes stand.

Der Mutterkonzern schaffte noch während des Zweiten Weltkriegs Durchbrüche in der Datenverarbeitung: So präsentierte IBM 1944 den fast fünf Tonnen schweren Großrechner Mark I, der längere Rechenschritte automatisch ausführen konnte und heute als Initialzündung für das moderne Computerzeitalter gilt. In den folgenden Jahrzehnten gelangen IBM viele bahnbrechende Erfindungen, von der Programmiersprache Fortran (1957) über D-Ram-Speicherbausteine (1966) bis zu Floppy-Disks (1971). Wirtschaftlich besonders wichtig für das Unternehmen war im Jahr 1964 die Einführung der Großrechnerfamilie System 360, mit der IBM seine beherrschende Position auf dem Markt solcher Mainframes zementierte. IBM wurde so dominierend, dass die amerikanische Regierung 1969 ein Kartellverfahren einleitete, das sich über mehr als ein Jahrzehnt hinzog.

Großer Wurf mit seinem ersten Personalcomputer

1981 landete IBM einen großen Wurf mit seinem ersten Personalcomputer (PC). Der Rechner verhalf PCs zum Durchbruch auf breiter Front, unter anderem weil er Standardkomponenten wie Mikroprozessoren von Intel und Software von Microsoft einsetzte. Diese von IBM eingeführte Architektur mit Intel und Microsoft dominiert bis heute den PC-Markt. Sie wurde aber sehr schnell von vielen Wettbewerbern übernommen, was IBM bald Marktanteile kostete.

Dies und ein Bedeutungsverlust des so wichtigen Mainframe-Geschäfts sorgten dafür, dass IBM in eine tiefe Krise stürzte und Milliardenverluste auswies. In größter Not wurde der Branchenfremde Lou Gerstner an die Spitze berufen. Gerstner räumte mit der schwerfälligen Bürokratie auf und stieß radikale Sparprogramme an. Er hob vorherige Pläne einer Aufspaltung von IBM auf und setzte auf eine Integrationsstrategie, allerdings mit einer stärkeren Verlagerung vom Hardwaregeschäft hin zu Dienstleistungen und Software. Nach wenigen Jahren unter Gerstners Führung war IBM wieder hochprofitabel, diese Wende gilt bis heute als eines der größten Unternehmens-Comebacks der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte.

Übernahme des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers

Im Jahr 2002 übernahm Palmisano das Ruder von IBM, und er setzte die von Gerstner eingeschlagene Strategie weg von wenig lukrativen Hardwaresegmenten fort. Schon kurz nach seinem Antritt verkündete er die Übernahme des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers, 2004 vereinbarte er den symbolträchtigen Verkauf des PC-Geschäfts an Lenovo aus China. In jüngster Zeit lenkt er sein Augenmerk auf das margenträchtige Softwaregeschäft und hat große Zukäufe gewagt. Software soll bis 2015 die Hälfte des Vorsteuergewinns bringen. Palmisano setzt hier einen Schwerpunkt auf Datenanalyse - also genau das Gebiet, auf dem das Unternehmen gerade mit Watson geglänzt hat.

IBM ist von der jüngsten Wirtschaftskrise nicht unberührt geblieben, konnte aber durch seine Ausrichtung auf Dienstleistungen und Software allzu starke Schwankungen vermeiden, denn in diesen Branchensparten werden längerfristige Aufträge abgeschlossen. Umgekehrt liefert IBM nicht die größten Wachstumssprünge, wenngleich das Unternehmen in seinem jüngsten Quartalsbericht mit einer deutlichen Belebung seiner Auftragslage geglänzt hat. Aber Palmisano denkt ohnehin viel weiter als in Quartalen: Kürzlich sagte er, er hoffe, dass IBM auch in den Jahren 2061 und 2111 noch unter den größten amerikanischen Unternehmen zu finden sein werde.

Quelle: F.A.Z.

 
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