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Telekom-Chef Höttges : Hoffen auf das neue Mobilfunk-Netz

Telekom-Chef Timotheus Höttges Bild: dpa

Ausgerechnet die Telekommunikations-Konzerne gehören nicht zu den Gewinnern der Digitalisierung. Was nun?

          Telekom-Chef Timotheus Höttges wollte nicht stillstehen und seine Rede einfach so am Pult herunterspulen. Er wanderte auf der DLD-Bühne auf und ab, schlug 20 Minuten lang ein sehr sportliches Sprechtempo an, kleidete seine immergleiche Botschaft in verschiedene rhetorische Gewänder – auf dass sie auch wirklich hängenbleibt: Europa ist viel besser als sein Ruf. Die Leute gucken immer nur darauf, was in China und Amerika passiert. Und die Politik soll lieber zusätzliche Funkfrequenzen freigeben statt zu regulieren. Die neue Mobilfunktechnologie 5G sieht er als künftiges Schatzkästlein für die gesamte Telekommunikationsbranche. Denn ohne 5G können wir uns die schöne neue Zukunft des Internets der Dinge oder der selbstfahrenden Autos abschminken, so Höttges‘ Fazit.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Optimismus ist Pflicht beim führender Vertreter einer Branche, die in den vergangenen Jahren nicht zu den Gewinnern der Digitalisierung gehörte. Waren die Telekommunikationskonzerne früher zum Teil unangefochtene Monopolisten, stehen sie heute unter Druck. Gewinnbringer wie die SMS siechen dahin, mit Sprachkommunikation lässt sich immer weniger Geld verdienen. Stattdessen fischen Whatsapp, Netflix & Co. die Kunden weg und belasten die Netze. In der Branche hat man das Problem längst erkannt, doch bislang keine richtig zufriedenstellende Antwort gefunden. Zudem hinken ausgerechnet die technikorientierten Telekommunikationskonzerne mit Blick auf die Digitalisierung hinterher.

          „Lichtgeschwindigkeit ist einfach zu langsam“

          Und so steckt die Industrie in einem gewaltigen Umbruch. Sie sucht ihr Heil verstärkt in Geschäftskundenkontakten. Die Erlöse aus dem Konsumentengeschäft, also mit Privatkunden, werden künftig eine immer geringere Rolle spielen. Das stärkste Wachstum soll es bis zum Jahr 2022 fast ausschließlich in den Geschäftskunden-Märkten geben.

          Vor allem auf dem Internet der Dinge, kurz IoT, ruhen die Hoffnungen. Und auf 5G, dem künftigen Mobilfunkstandard, der die Basis dafür sein soll. „5G ist die größte Gelegenheit, eine Menge Geld zu verdienen“, sagte Höttges in München. Er glaubt: Ohne 5G wird die Technik der kommenden Jahre – vom Internet der Dinge bis zum selbstfahrenden Auto – nicht funktionieren.

          Als Beispiel verwies er auf die sogenannten Latenzzeiten im Datenverkehr, also die Verzögerungen in der Laufzeit von Signalen. Für selbstfahrende Autos muss diese Latenz extrem kurz sein. Schon deshalb, weil ein solches Gefährt bei Tempo 100 viele Meter weitergefahren ist, bis mit traditioneller Technik ein Informationssignal verarbeitet wird. „Lichtgeschwindigkeit ist einfach zu langsam dafür.“ Deshalb müsse die Mobilfunk-Infrastruktur völlig umgebaut werden. Mit der stärker flächendeckend verbreiteten 5G-Technologie lassen sich die Laufwege verkürzen. Höttges Fazit: „Wir werden eine Renaissance der Telekom-Industrie erleben, wenn wir es richtig machen.“

          Freilich bleiben die Zweifel. Der 5G-Aufbau wird eine extrem teure Angelegenheit. Schätzungen gehen für Europa von 500 Milliarden Euro Kosten aus. Diese Investition muss wieder verdient werden. Wie gut das über die Jahre funktioniert, das bleibt die große Frage. Viele Mobilfunkanbieter sind skeptisch. Sie fragen sich, warum sie so schnell in 5G investieren sollen, wenn die Kundschaft dafür vielleicht gar nicht mehr bezahlen will.

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