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Professor über Google und Co. : „Wir sollten die großen Tech-Konzerne aufbrechen“

Scott Galloway sagt, dass Facebook, Google, Apple und Amazon zu groß sind. Bild: AFP

Facebook, Google, Amazon und Apple sind zu groß, sagt der bekannte New Yorker Professor Scott Galloway im Gespräch mit FAZ.NET. Er erklärt, warum er sie aufspalten würde – weil er Kapitalist ist.

          Scott Galloway findet: Die Technologieunternehmen Facebook, Google, Amazon und Apple sind zu mächtig. Sie haben seiner Ansicht nach mittlerweile eine Größe und einen Einfluss erreicht, die Wettbewerb verhindere. Sein Schlussfolgerung hat es in sich: „Wir sollten diese großen Tech-Konzerne aufbrechen“, sagte er in einem Gespräch mit FAZ.NET während der Technologiekonferenz DLD in München. Die Konzerne hätten mittlerweile eine Marktdominanz erreicht, die in der amerikanischen Vergangenheit mehrfach zu diesem Schritt geführt habe. Als Beispiele nennt er die Ölbranche oder die Telekommunikation. Galloway ist Betriebswirtschaftsprofessor an der New York University, Fachmann für Marketig und Unternehmer.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit Blick auf Google und Facebook hebt er die Bedeutung auf dem Werbemarkt hervor, den beide Konzerne wesentlich ausmachen. Konkurrenz habe es schwerer: Apple Music ist auf iPhones vorinstalliert, die Konkurrenz von Spotify muss man erst aus dem App-Store herunterladen. Amazon habe ähnliche macht wie Apple. Die Börsenbewertung der Tech-Konzerne, Galloway bezeichnet sie als die „Großen Vier“, sei ein weiteres Indiz für de herausgehobene Marktstellung. Er verweist dabei auf das Verhältnis verschiedener Gewinngrößen zum Aktienkurs.

          Und er sagt auch klar, dass er den Tech-Konzernen und ihren Managern daraus keinen Vorwurf macht. „Sie versuchen, so viel Geld zu verdienen wie möglich und wirtschaftlich so erfolgreich zu sein wie möglich - das ist ihr Job.“ Er selbst bewundere sie dafür, für die geschaffenen Arbeitsplätze, das geschaffene Vermögen und habe auch ganz persönlich davon profitiert, etwa indem er selbst Aktien kaufte. Und auch als Kunde oder Nutzer ihrer Angebote.

          Wer ist der Kunde?

          „Die Verantwortung liegt nun klar bei uns, wir müssen etwas tun“, sagt er. Grundsätzlich gebe es zwei Möglichkeiten: Die Konzerne könnten reguliert werden. „Das lehne ich aber ab, das würde mehr staatliche Stellen bedeuten, die nachher nicht mehr abgeschafft werden und ich bin kein Freund einer immer weiter aufgeblähten Verwaltung.“ Die Alternative sei eine Aufspaltung, wie es sie in der amerikanischen Geschichte schon mehrfach gab. Das würde zu mehr Wettbewerb führen und sei für die amerikanische Volkswirtschaft besser. „Um das noch einmal herauszuheben: Wir sollten sie nicht aufspalten, weil sie ,böse' sind, oder durch ihre Innovationen andere Unternehmen ausstechen oder Märkte durcheinanderwirbeln – das haben alle innovativen Unternehmer getan und das sollen sie auch. Wir sollten sie nun aufbrechen, weil wir Kapitalisten sind.“

          Scott Galloway ist Professor an der New York University.

          Wie soll das gehen? In den Vereinigten Staaten habe das Justizministerium entsprechende Mittel im Rahmen der Wettbewerbsgesetzgebung. Facebook könne beispielsweise in das soziale Netzwerk selbst und die beiden in den vergangenen Jahren übernommen Dienste Instagram und Whatsapp zerlegt werden, Google zum Beispiel in die Suchmaschine und den Videodienst Youtube. Auf die Frage, wieso das nötig sei angesichts dessen, dass die Angebote aus Sicht der Konsumenten ja vielfach kein Geld kosten, sagt er: „Das ist natürlich eine wichtige Perspektive. Zwei Dinge würde ich einwenden: Ich denke nicht, dass langfristig in diesem Fall automatisch für die Gesellschaft insgesamt gut ist, was gut für den Konsum ist. Und ich frage: Wer ist der Kunde? Der Nutzer oder zum Beispiel der Werbetreibende?“

          Galloway räumt auch ein, dass sich die großen Tech-Konzerne mittlerweile einen härteren Wettbewerb liefern, etwa infolge der Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz. Zum Beispiel im Bereich der digitalen Assistenten, der Cloud-Angebote, mobilen Betriebssysteme und auch der Musik- oder Videodienste. „Das ist ein wichtiges Argument. Tatsächlich garantiert der gegenseitige Hass aufeinander Wettbewerb.“ Die Frage sei allerdings, ob der Wettbewerb wirklich von den vier großen Unternehmen ausgetragen werden sollte oder ab nicht kleinere und mehr Einheiten besser wären. Er würde mehr kleine Firmen bevorzugen. Mit Verweis auf das Verhalten der Wagniskapitalgeber etwa berichtet er, dass deren Motiv häufig nicht mehr sei, Unternehmen aufzubauen, die einmal Konkurrenzen für Google oder Facebook werden, sondern bloß noch interessante Übernahmekandidaten.

          Facebook

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          Für dieses Jahr sagt er voraus, dass sowohl der Kurznachrichtendienst Twitter übernommen werde als auch die Foto-App Snap („ein lebender Toter“). Dass Apple zum Beispiel den Video-Streamingdienst Netflix übernimmt, hält er für unwahrscheinlich, und zwar vor allem aus Wettbewerbsgründen – entsprechende Gerüchte machten unlängst nach einer Marktanalyse führender Banker der Citigroup die Runde.

          Galloway, der nicht nur auf der DLD-Konferenz einen gewissen Kult-Status hat, weil seine Reden unterhaltsam und mit knackigen Vorhersagen garniert sind, erklärt schließlich auch, wieso mit einer Aufspaltung das Marktmachtproblem nicht ein für alle Mal erledigt sei. Ja, räumt er ein, natürlich steckten hinter den Tech-Konzernen in der Regel Netzwerk-Effekte und damit eben eine Technologie, die aus sich heraus oft einen Anbieter hervorbringt (Stichwort „natürliches Monopol“). Er schließt deswegen auch nicht aus, dass sich der Markt nach einer Aufspaltung über die Zeit wieder konzentrieren wird. „Das ist im Bereich der Telekommunikation ja so gewesen. Mein Punkt ist nur: Bis dahin haben wir einfach vielleicht mehrere Jahrzehnte härteren Wettbewerb, der insgesamt für alle besser ist, selbst wenn wir dann wieder ungefähr am selben Punkt herauskommen sollten.“

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