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Netzbetreiber verspricht 5 Prozent Rendite Bürger können sich am Bau einer Stromleitung beteiligen

 ·  Weil es starke Widerstände gegen neue Stromtrassen gibt, sollen die Bürger am Netzausbau beteiligt werden. In Schleswig-Holstein startet ein Pilotprojekt: Bürger, die sich mit eigenem Geld am Ausbau beteiligen, bekommen rund 5 Prozent Zinsen.

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© dpa Vergrößern

In Schleswig-Holstein können sich Bürger ab dem Sommer erstmals in Deutschland mit eigenem Geld am Ausbau einer neuen Stromleitung beteiligen. Der Netzbetreiber Tennet will für den Bau einer Leitung, die Windstrom entlang der Nordseeküste nach Süden leiten soll, bis zu 40 Millionen Euro an privatem Kapital einwerben. Lex Hartman aus der Geschäftsführung des Netzbetreibers sagte der F.A.Z., die angebotene Verzinsung werde um die 5 Prozent liegen. Das wäre weit über den aktuellen Renditen am Rentenmarkt. Tennet habe das Projekt mit der Landesregierung von Schleswig-Holstein entwickelt.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) lobte gegenüber der F.A.Z. das Vorhaben, über das man gleich nach Regierungsübernahme im Sommer gesprochen habe: „Eine finanzielle Beteiligung von Bürgern an Netzen ist eine klasse Idee.“ Es sei auch ein Beleg dafür, dass „Politik und Tennet zusammen Probleme lösen können“.

Altmaier hatte im Herbst die Bürgerbeteiligung ins Gespräch gebracht

Das Unternehmen war zuletzt wegen Verzögerung beim Anschluss von Meereswindparks stark in die Kritik der Politik geraten. Mit der Bürgerbeteiligung an Stromleitungen kommen die Partner Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) zuvor, der eine solche Kofinanzierung des viele Milliarden Euro teuren Netzausbaus im Herbst ins Gespräch gebracht hatte. Noch vor der Bundestagswahl im September wollte Altmaier über eine Art Volksanleihe rund 15 Prozent der Anteile an Stromleitungen für die Bürger, vor allem für die Anlieger entlang der Leitungen, reservieren, bei einer Mindeststückelung von 500 Euro. Konkreter wurden die Pläne bisher nicht.

Bei der 150 Kilometer langen Leitung von Niebüll nach Brunsbüttel gehe es Tennet nicht in erster Linie darum, Kapital einzuwerben, sagte Hartman. „Wir wollen, dass Bürger, die direkt von dem Leitungsprojekt betroffen sind, sich an dieser Investition beteiligen und davon profitieren können.“ Dahinter steht die Hoffnung, Widerstände gegen den Neubau der Stromtrassen zu verringern.

Nicht zufällig fällt das Bekanntwerden des Projektes zusammen mit den jetzt beginnenden ersten Bürgerinformationen über die neue Leitung. Statt wie geplant 2020 will die Landesregierung das Planungs- und Genehmigungsverfahren für die vier Abschnitte bis 2017 abgeschlossen haben, damit über die Leitung bereits 2018 Strom transportieren werden kann. Die Trasse sei „von zentraler Bedeutung auf unserem Weg zum Windland Nummer 1“, sagte Albig. Das gelte um so mehr, wenn die Windparks im Meer angeschlossen würden. Die Bedeutung der erneuerbaren Energien für Schleswig-Holstein macht er mit einer Zahl deutlich. Schon heute flössen 1,1 Milliarden Euro für die Förderung erneuerbarer Energien - bezahlt von den bundesweiten Stromverbrauchern - mehr in das Land, als die Verbraucher im Norden per Umlage zahlten.

Um so weniger kann die Landesregierung, aber auch Tennet, Verzögerungen beim Leitungsbau brauchen. Deshalb gilt bei der Bürgerbeteiligung: „Dieses Modellprojekt sollte bundesweit Schule machen“, sagte Albig. Auch Hartmann kommt es nicht darauf an, viel Geld einzuwerben, sondern möglichst viele Interessenten an das Projekt zu binden. Bei einer Mindestbeteiligung von 1000 Euro wären das bis zu 40000 Investoren. Das Auswahlverfahren soll nicht nur Geldgeber bevorzugen, die in der Gegend leben, sondern auch sicherstellen, dass Kleininvestoren eher zum Zuge kommen, als solche, die 100000 Euro oder mehr anlegen wollen.

In den betroffenen Landkreisen sollen schon mehr als 15000 Einwohner an Windanlagen beteiligt sein. Albig erwartet, dass das Kapital schnell gezeichnet ist: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir schon bald erleben werden, dass es den Wunsch aus der Region geben wird, das Kapital aufzustocken“, sagte er.

„Wenn es gut läuft, werden wohl mehr solcher Projekte kommen“

Der Netzbetreiber will das von Privatleuten zu zeichnende Kapital auf etwa 15 Prozent der Gesamtinvestition begrenzen. Die Verzinsung soll schrittweise die Marke von etwa 5 Prozent erreichen, spätestens, wenn die Leitung gebaut wird. Das Einwerben des Kapitals sollen Banken oder Sparkassen vor Ort übernehmen. Die Beteiligung ist auf Dauer angelegt und gilt als eigenkapitalähnliches „Hybridkapital“. Deshalb falle die Rendite höher aus, als bei einer in ihrer Laufzeit begrenzten Anleihe, sagte Hartman. Investoren, die ihre Beteiligung später verkaufen wollten, könnten dies „auf dem dann entstehenden Markt für diese Wertpapiere“ tun, sagte der Tennet-Mann.

Albig hat wenig Sorge vor einem illiquiden Markt: Schon bisher sei es so, dass die oft lukrativen Beteiligungen an Windrädern „in der Familie“ bleiben. Auch Hartman erwartet, dass das Pilotprojekt Bürgerleitung an der deutschen Nord-West-Küste ein Erfolg wird: „Wenn es gut läuft, und davon gehe ich aus, werden noch mehr solcher Projekte kommen.“

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