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Netzausbau : Vier lange Stromautobahnen durch Deutschland geplant

  • Aktualisiert am

Hochspannungsleitungen in Oberfranken Bild: dpa

Die Zahlen liegen auf dem Tisch, jetzt müssen die Leitungen gebaut werden. Die Bürger können sich sechs Wochen zu Wort melden, um Einwände gegen den am Mittwoch vorgestellten Netzplan zu äußern. Die Bundesregierung hofft, dass sich Proteste in Grenzen halten.

          3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen werden gebraucht, um den Atomausstieg bis 2022 zu schaffen. Zudem sollen 4400 Kilometer im bestehenden Höchstspannungsnetz so optimiert werden, dass sie fit werden für die schwankende Ökostromeinspeisung. Das geht aus dem neuen Netzentwicklungsplan hervor, den die vier Übertragungsnetzbetreiber am Mittwoch in Berlin vorstellten.

          Insgesamt werden Kosten von 20 Milliarden Euro veranschlagt. Dabei sind neben kürzeren Abschnitten vier große, über mehrere hundert Kilometer laufende Stromautobahnen geplant, die von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ausgehend quer durch Deutschland Richtung Bayern und Baden-Württemberg verlaufen. Für den Verbraucher könnte das große Investitionsprojekt steigende Netzentgelte bedeuten, sie sind ein Bestandteil des Strompreises.

          Erstmals soll in Deutschland im großen Stil HGÜ-Technik zum Zuge kommen

          Bei 2100 der 3800 Kilometer soll erstmals in Deutschland im großen Stil die HGÜ-Technik (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) zum Zuge kommen. Da der Wind auf See und im Nordosten stärker bläst, muss der Strom über lange Distanzen in den Süden geleitet werden - und zwar wie bei einer Einbahnstraße in eine Richtung. Für kürzere Strecken ist das ungeeignet, weshalb auch 1700 Kilometer an neuen, klassischen Wechselstromleitungen geplant sind.

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          Die großen, quer durch Deutschland führenden Stromautobahnen sollen laut ersten Grobplanungen wie folgt verlaufen:

          • Von Emden (Niedersachsen) nach Osterath in Nordrhein-Westalen und von dort nach Philippsburg in Baden-Württemberg.
          • Zudem ist eine Trasse von von Wehrendorf (Niedersachsen) nach Urberach (Hessen) geplant.
          • Des weiteren sollen Trassen von Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) nach Großgartach (Baden-Württemberg) gebaut werden sowie von Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) nach Grafenrheinfeld (Bayern).
          • Und schließlich eine Trasse von Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) nach Meitingen (Bayern).

          In den kommenden sechs Wochen (30. Mai bis 10. Juli) haben die Bürger Gelegenheit, Stellungnahmen zum Netzentwicklungsplan abzugeben (www.netzentwicklungsplan.de). Der Bundesbedarfsplan, der vom Bundestag bis Ende des Jahres als Gesetz verabschiedet werden soll, ist laut Bundeswirtschaftsministerium Voraussetzung für die Durchführung der verkürzten Planungs- und Genehmigungsverfahren nach dem seit 2011 geltenden Netzausbaubeschleunigungsgesetz.

          Bis 2020 soll der Anteil von Sonne, Wind, Wasser und Biomasse beim Strom auf 35 Prozent gesteigert werden, bis Ende 2022 soll das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet werden. Da der Strom zunehmend auch in dünn besiedelten Gegenden und auf See erzeugt wird, sind neue Stromautobahnen notwendig, hinzu kommen Zehntausende neue Kilometer, die auf der Verteilnetzebene gebaut werden müssen. Gemeinden, durch die Höchstspannungstrassen gebaut werden, können mit mehreren zehntausend Euro Entschädigung rechnen.

          Die vier Stromautobahn-Betreiber Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW speisen den Großteil des Stroms ein und verteilen ihn bundesweit über lange Distanzen. Hinzu kommen bundesweit 869 Verteilnetzbetreiber, darunter viele Stadtwerke, die den Strom vor Ort zum Verbraucher bringen. Das gesamte Stromnetz umfasst nach Zahlen der Bundesnetzagentur 1,75 Millionen Kilometer. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte mehr Tempo beim Netzausbau gefordert.

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