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Nein Martin Winterkorn ist toll. Lionel Messi ist einzigartig

 ·  Die wahren Helden sind wir, sagen die Vorstände - nicht die Messis, Schumis und Madonnas. Alle, die für Messi bezahlen, tun dies freiwillig. Wenn er morgen nicht mehr trifft, ist es vorbei mit der Spitzengage. Eine Abfindung gäbe ihm niemand, von Pensionszusagen inklusive Fahrer und Büro auf Lebenszeit ganz zu schweigen.

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Schon klar: Manager sollen für ihre Leistung großzügig belohnt werden. Aber eines sollten sich die Herren der Wirtschaft sparen, und das ist der Vergleich mit den Superstars aus Sport und Showbetrieb: Warum gönnt das Volk denen Wahnsinnsgagen und uns nicht, jammern Topmanager, warum verdient ein Lionel Messi das Doppelte von einem Martin Winterkorn?

Ist es für die Gesellschaft nicht wertvoller, einen Weltkonzern zu managen, als gegen einen Ball zu treten, im Auto im Kreis zu fahren oder Liedchen zu trällern? Die wahren Helden sind wir, sagen die Vorstände - nicht die Messis, Schumis und Madonnas. Ein heikles Argument: Ausgerechnet jene, die den Neid in der Gesellschaft beklagen, reden voller Missgunst über Spitzenverdiener, die mit Spaß und Spiel zu Vermögen kommen, während sie, die Manager, im Schweiße des Angesichts ihr Werk verrichten.

Das Gehalt richtet sich aber nicht nach vergossenem Schweiß (sonst wäre der Straßenbau ein Hochlohnbezirk), auch nicht nach dem Grad der Verantwortung (sonst wäre die Kanzlerin eine reiche Frau), sondern nach dem Marktwert (erstaunlich, dies Managern sagen zu müssen): Es gibt auf dem Globus etliche tolle Konzernchefs, aber nur einen Lionel Messi: Ein Artist am Ball, sagen Leute, die es wissen müssen. Ein Genie (weitere Lobpreisungen sind dem Sportteil zu entnehmen).

Tatsache ist: Messis Kunst entscheidet über Titel und Millionen. Er fasziniert den fußballaffinen Teil der Menschheit, daraus erwächst ein gigantisches Geschäft: Stadiontickets, TV-Rechte, Werbung, Sponsoren, Trikotverkauf und was sonst nach an gewinnmaximierendem Zauber um ihn veranstaltet wird. Die Nachfrage ist riesengroß, das Angebot besteht in einer einzigen Person. Der Preis geht folglich in Richtung unendlich. Ist das schlimm, gar verwerflich? Sicher nicht. Alle, die für Messi bezahlen, tun dies freiwillig (im Zweifel in Erwartung eigener Rendite). Nirgendwo wirken so unverfälscht die Kräfte des Marktes wie im Sport und Showgeschäft. Jeder kann sich auf eine Bühne stellen und losträllern. Findet er Leute, die dafür zahlen, wird er reich. Wenn nicht, dann nicht. Jeder kann versuchen, kickend Millionen zu verdienen - er muss nur einen Club finden, der sie ihm überweist. Wenn Messi morgen nicht mehr trifft, ist es vorbei mit der Spitzengage. Eine Abfindung gäbe ihm niemand, von Pensionszusagen inklusive Fahrer und Büro auf Lebenszeit ganz zu schweigen. Solange Messi eine einzigartige Leistung bringt, wird er einzigartig bezahlt: Wo ist das Problem?

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Jahrgang 1967, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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