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Nehru-Gandhi-Clan Rahul Gandhi ist der „Prinz von Indien“

 ·  Rahul Gandhi soll Indien aus der Misere helfen. Lange sträubte sich der Mann aus dem Nehru-Gandhi-Clan vor der Verantwortung. Jetzt hat ihn die Congress Partei zum Chef ihrer Kampagne für die nächste Wahl gemacht. Er steht offenbar bereit, spätestens 2014 Ministerpräsident Indiens zu werden. Doch wofür steht er?

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Sein Name ist sein größtes Pfund. Rahul Gandhis Urgroßvater Jawaharlal Nehru, seine Großmutter Indira Gandhi und sein Vater Rajiv Gandhi waren alle Ministerpräsidenten Indiens. Zwei von ihnen wurden ermordet und ließen den Nehru-Gandhi-Clan in Indien auch deshalb an die Kennedy-Familie heranrücken. Heute führt Rahuls Mutter Sonia, eine gebürtige Italienerin, die Regierungspartei, den Congress. Bei solchen Vorfahren blieb dem 42 Jahre alten Rahul kein Ausweg: Auch er muss versuchen, das bald größte Land der Erde zu führen.

Rahul wusste, dass die Dynastie der Gandhis die Congress-Partei zusammenhält. Er wusste, mit welcher Bürde er werde leben müssen. Dennoch sträubte er sich lange vor der Verantwortung. Nun aber machte ihn die Congress Partei zum Chef ihrer Kampagne für die in den nächsten eineinhalb Jahren fällige Parlamentswahl - und damit weiß Indien, dass der Nachfahre mit dem großen Namen bereitstehen wird, spätestens 2014 Ministerpräsident Indiens zu werden. Zweifelsohne braucht eine indische Regierung frisches Blut. Der amtierende 80 Jahre alte Ministerpräsident Manmohan Singh, ins Amt gewählt als Reformer, rettet sich von Ankündigung zu Ankündigung, gilt längst als Spitzenmann von Sonia Gandhis Gnaden.

Rahul hat nie Auskunft über seine politischen Pläne gegeben

Rahul müsste einen Neuanfang wagen. Nur: den traut ihm kaum einer zu. Zu groß die Schwierigkeiten, zu klein die Statur, die der Harvard-Absolvent bislang gezeigt hat. Noch saß er in keinem Kabinett, noch hat er nie Auskunft über seine politischen Pläne gegeben, noch ist selbst unklar, ob er seit Jahren mit einer spanischen Freundin liiert ist - was unter indischen Bedingungen nicht einfach wäre.

„Wir haben noch keine Möglichkeit gehabt, Rahuls politische Analyse zu irgendeinem kritischen Thema, das die Nation betrifft, im Parlament zu hören. Wenn man ihn aber nicht sprechen hört, wie soll man dann beurteilen, ob die Nation in seinen Händen sicher wäre“, fragt stellvertretend Mohan Singh, einer der Führer der Samajwadi Partei mit Blick auf den Hinterbänkler im Parlament, der Indiens Hoffnung sein soll.

Indische Zeitungen betitelten ihn als „Prinz von Indien“

Bislang suchte der junge Gandhi sein Profil zu schärfen, in dem er auf die offensichtlichen Missstände in der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens aufmerksam machte: Er ließ sich in die armen Bundesstaaten fliegen, wo Hunderttausende Menschen seinen Hubschrauber umlagerten, versprach den Entrechteten eine Zukunft, Lohn und Reis. Geholfen hat es dem „Prinz von Indien“, wie ihn Zeitungen 2010 betitelten, bislang wenig: Denn die letzten Wahlen für die Landesparlamente verlor der Congress krachend - obwohl Gandhi soviel reiste und soviel Öffentlichkeitsarbeit betrieb, wie kein anderer indischer Politiker. Für ihn sprechen seine Familie, sein gutes Aussehen, sein Auftreten, ein zur Schau gestelltes Mitgefühl und der Versuch, die Entscheidungswege in seiner Partei zu demokratisieren.

Für eine Wahl in das höchste Regierungsamt könnte die Popularität des „ewigen Lehrlings“ noch reichen. Um es auszufüllen, wohl nicht. Denn Indien ächzt unter Problemen. Die Politik ist korrupt, bestimmt von Vetternwirtschaft, getrieben von Eigennutz. Der Reformprozess ist eingeschlafen. Der Beamtenapparat scheint führerlos. Skandale erschüttern das Land, die Wachstumsrate sinkt unter diejenige Indonesiens. Eine Herabstufung durch die Ratingagenturen droht, und das Handelsdefizit stieg im Oktober auf einen Rekord. Zwar ist die Inflationsrate jüngst gesunken, doch drückt sie mit 7,5 Prozent immer noch besonders die 700 Millionen Inder, die mit weniger als 2 Dollar täglich ihr Leben fristen müssen. Diese Herausforderungen lassen sich mit guten Worten und Mitfühlen nicht lösen. „Ich habe ihn mehrmals eingeladen, dem Kabinett beizutreten. Aber ich habe keine Informationen darüber, wann er plant, das zu tun“, kritisierte Ministerpräsident Singh das Auftreten des Juniors gerade. Gandhis Fürsprecher werfen ein, er wolle sich nicht in einer Regierung verheizen, die abgewirtschaftet habe.

Allerdings muss Gandhi sich auf einen harten Gegner im Kampf um die Regierungsmacht einstellen: Zwar hat auch die führende Oppositionspartei BJP keinen Kandidaten nominiert. Doch könnte eben dies die Chance für Narendra Modi darstellen, den in der Wirtschaft beliebten, aber höchst umstrittenen Ministerpräsidenten des florierenden Bundesstaates Gujarat. Die Kraft, Indien endlich so zu reformieren, dass die Mehrheit der Menschen davon profitiert, dürfte keiner von beiden haben.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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