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„Near Field Communication“ Kommunikation mit Handy und Poster

Mobilfunkunternehmen wollen verstärkt auf NFC setzen, auf den kontaktlosen Datenaustausch über das Smartphone - beispielsweise bei Bezahlvorgängen. Doch die Technik steckt noch in den Kinderschuhen.

© dpa Vergrößern Im Trend: Die Deutsche Telekom will ihre NFC-Bezahllösung noch 2013 nach Deutschland bringen

Die schlauen Leinwände sind auf dem Mobile World Congress kein Besuchermagnet. Die meisten Teilnehmer der Mobilfunkmesse in Barcelona laufen einfach an den „Smart Posters“ vorbei, die eigentlich die Technik der Nahfeldkommunikation in Aktion zeigen sollen. „Near Field Communication“ oder NFC hat die internationale Vereinigung der Mobilfunkindustrie GMSA zu einem Themenschwerpunkt auf der Messe erkoren. Aus diesem Grunde warten auch auf dem Gelände verteilt die schlauen Leinwände auf NFC-Nutzer. Die meiste Zeit vergeblich.

Nur wer sich überhaupt vorher registriert hat, könnte hier theoretisch Informationen über den Kongress, aber auch über Restaurants und Sehenswürdigkeiten in Barcelona abrufen. Alles, was man dafür tun muss, ist, ein NFC- und internetfähiges Mobiltelefon in die Nähe der Poster zu halten. Das Poster sendet per Funkchip eine Internetadresse zurück, und die Informationen erscheinen im Browser des Handys. Allein: Es fehlt noch an Geräten, die auch in der Lage sind, kontaktlos zu kommunizieren.

Ende dieses Jahres werden nach Angaben des Analysehauses Forrester auf der Welt 250 Millionen NFC-fähige Telefone in den Taschen der Menschen stecken - nur rund 12 Prozent der dann insgesamt erwarteten 2 Milliarden Geräte. Auch die Marktforscher von Gartner sind noch skeptisch, dass NFC als Thema in diesem Jahr durchstartet, sehen aber durchaus Potential in der Zukunft.

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Deshalb erlebt das Thema der kontaktlosen Nahfeldkommunikation einen zweiten Frühling in Barcelona. Gut zehn Jahre nachdem der Standard definiert wurde, scheint er diesmal auf dem Weg zu sein, auch beim Kunden anzukommen. Es ist eine Wiedergeburt, und wie bei der ersten Hochphase des Themas sind die Anbieter von Bezahllösungen der Vorreiter. Mehrere Hersteller haben angekündigt, neue Geräte mit der Technik auszurüsten, damit ihre Kunden künftig auch mit dem internetfähigen Handy bezahlen können.

Am Mittwoch teilte der chinesische Hersteller Huawei mit, seine neuen Telefone mit NFC auszurüsten. Der koreanische Konkurrent Samsung ist dagegen schon einen Schritt weiter und hat in Barcelona angekündigt, mit dem Kreditkartenunternehmen Visa zu kooperieren, um die Bezahllösung mitzuliefern. Shailendra Pandey vom Analysehaus Informa sieht das als ermutigendes Zeichen für die Entwicklung der Technik. „Visa kann eine bedeutende Rolle spielen, um die Anwendung voranzutreiben.“

Auch eine Ankündigung der Deutschen Telekom zeugt von dem steigenden Interesse an der Nahfeldkommunikation: Das Unternehmen will seine auf der kontaktlosen Technik basierende Bezahllösung Mywallet noch in diesem Jahr nach Deutschland, Ungarn und in die Slowakei bringen, zwei weitere Länder sollen folgen. Gestartet war die elektronische Geldbörse im vergangenen Oktober in Polen. Dort nutzen nach Angaben von Innovationsmanager Thomas Kiessling inzwischen 5.000 Nutzer diese Technik. Bis Ende des Jahres sollen es immerhin 50.000 Nutzer sein. Insgesamt schätzt Kiessling den europäischen Markt für NFC-basierte Bezahltechnik auf eine Größe von 700 bis 800 Millionen Euro.

Die Gedankenspiele hören nicht auf

Doch neben der Lösung, von denen etwa der Bezahlanbieter Paypal nicht überzeugt ist, diskutiert die Industrie inzwischen durchaus auch andere Nutzungsszenarien. Nach einer Erhebung des Beratungsunternehmens Arthur D. Little arbeiteten rund um die Welt 200 NFC-Initiativen, etwa zehn davon wollen die Technik auch kommerziell nutzen. Um den tatsächlichen Mehrwert der Nahfeldkommunikation zu erkennen, müsse man aber eine breitere Perspektive einnehmen.

Es gebe viele Anwendungsgebiete, etwa den öffentlichen Nahverkehr oder Einlasskontrollen im Fußballstadion. Doch hören die Gedankenspiele dort nicht auf. Am wahrscheinlichsten halten die Autoren aber, dass NFC im Einzelhandel zum Einsatz kommt. So arbeite der amerikanische Supermarktkonzern Wal-Mart ebenfalls an einer NFC-Lösung. Schon heute nutzen viele Menschen ihr Smartphone als Kaufbegleiter und scannen etwa mit Anwendungen Barcodes, um mehr über das Produkt zu erfahren. Wenn die Produkte stattdessen mit einem Funkchip ausgerüstet sind und die Kunden mit einem NFC-Telefon, würde dieser Schritt überflüssig.

Allerdings fehlt dafür noch die Infrastruktur, und die Unternehmen müssten kräftig in die Nahfeldkommunikation investieren. „Die Frage, wie man ein positives Geschäftsmodell daraus macht, ist noch nicht geklärt“, heißt es in der Studie. „Aber wir glauben, dass sie sich mit Innovation und auch mit der Nachfrage der Kunden lösen lässt.“ Vielleicht sind die meist verwaisten Poster in Barcelona dafür der Anfang.

Quelle: F.A.Z.

 
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