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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Nachruf Otto Beisheim gestorben

 ·  Mit der Einführung des Supermarkt-Prinzips Cash & Carry auch im deutschen Großhandel ist Metro-Gründer Otto Beisheim Milliardär geworden. An diesem Montag ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

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© picture-alliance / dpa Otto Beisheim

Als im Januar 1999 an einem Samstagabend nach Ladenschluss in der Lebensmittelabteilung des Kaufhofs an der Kölner Hohen Straße mit Weggefährten sein 75. Geburtstag gefeiert wurde, kam von seinem engsten Vertrauten die dringende Bitte: keine Berichterstattung, Herr und Frau Beisheim wünschen das nicht. Diskretion, Verschwiegenheit, Scheu vor der Öffentlichkeit haben Otto Beisheim seit jeher begleitet.

Dabei hätte er sehr viel zu erzählen gehabt, über seinen ungewöhnlichen Werdegang und Aufstieg, seinen Militärdienst in den düstersten Jahren Deutschlands, seine Pionierleistung im deutschen Einzelhandel, sein großes Mäzenatentum, vielleicht auch über seine spätere Enttäuschung über das Handeln der Mitbegründer des Handelskonzerns Metro, die Familien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck. Aber Otto Beisheim hat Interview-Wünschen nie nachgegeben, hat sich nie auf- und schon gar nicht in den Vordergrund gedrängt, sondern es immer vorgezogen, im Stillen zu agieren. Hauptversammlungen der damals noch börsennotierten Metro-Tochtergesellschaft Kaufhof verfolgte er beispielsweise regelmäßig inkognito, möglichst aus der letzten Reihe. Wie andere Unternehmerpersönlichkeiten aus dem Handel, etwa die Mitglieder der Familien Albrecht (Aldi) und Schwarz (Lidl), lebte er vollkommen zurückgezogen, in Bayern, in der Schweiz oder im Golfer-Paradies Florida.

Beisheim gehörten zuletzt noch knapp 10 Prozent an Deutschlands größtem Handelskonzern

An diesem Montag ist Otto Beisheim im Alter von 89 Jahren gestorben. Er wurde in seinem Haus in Rottach-Egern am Tegernsee tot aufgefunden. Der kinderlose Milliardär litt an einer nicht heilbaren Krankheit und ist wegen der Hoffnungslosigkeit seiner gesundheitlichen Lage freiwillig aus dem Leben geschieden, wie aus seinem Umfeld mitgeteilt wurde.

Beisheim gehörten zuletzt noch knapp 10 Prozent an Deutschlands größtem Handelskonzern. Den Poolvertrag mit den Mitgesellschaftern hatte er im September 2009 gekündigt, nachdem seine Finanziers aus den Gründerjahren, Haniel und Schmidt-Ruthenbeck, sich im Schulterschluss eine knappe Mehrheit und damit das Sagen bei Metro gesichert hatten. Er wolle eine größtmögliche Entscheidungsfreiheit und Flexibilität hinsichtlich seines Engagements haben, hieß damals die offizielle Begründung. Später verkaufte er ein kleineres Aktienpaket, seine emotionale Bindung an das Unternehmen hat er freilich nie verloren.

Beisheim wurde als Sohn eines Gutsverwalters in Vossnacken bei Essen geboren. Er galt als ausgesprochen guter Schüler, jedoch fehlten der Familie die Mittel für Gymnasium und Studium. Stattdessen absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Beisheim als Gefreiter einer Division der Waffen-SS an, danach geriet er in britische Kriegsgefangenschaft. Er selbst hat sich nie zu diesem Kapitel seiner Biografie geäußert, die Beisheim-Stiftung bestätigte im Jahr 2006 jedoch in groben Zügen die Medienberichterstattung darüber.

Nach dem Krieg arbeitete Beisheim zunächst als Prokurist in einem Elektrohandel. Sein unternehmerischer Durchbruch gelang ihm vor fast fünfzig Jahren mit der Gründung eines ersten Cash-&-Carry-Marktes in Mülheim an der Ruhr. Diese Innovation im deutschen Großhandel nannte er Metro. Das Konzept, bei dem der Gewerbetreibende die Ware persönlich abholt und bar bezahlt, soll er bei der Großhandlung Terfloth & Snoek ausfindig gemacht haben. Andere Quellen berichten von amerikanischen Vorbildern, die er auf einer Dienstreise gesehen haben soll. Der Abholgroßhandel wurde dank seiner Vision und Gestaltungskraft jedenfalls schnell zum Erfolgsrezept. Als geschäftsführender Gesellschafter der Metro-SB-Großmärkte und Verwaltungsratspräsident der Metro Holding AG war er der Motor für die Expansion, die den Düsseldorfer Konzern auch durch zahlreiche Übernahmen zu einem der größten Handelsunternehmen der Welt machten. So galt Metro lange als einer der großen Konsolidierer der Branche. Beisheims langjähriger Majordomus Erwin Conradi stellte ihn deshalb einmal in eine Reihe mit Sam Walton und Denis Defforey, die Gründerväter der Handelskonzerne Wal-Mart und Carrefour.

Neben Metro verfolgte Otto Beisheim weitere unternehmerische Interessen, unter anderem in der Film- und Internetbranche. Rund 350 Millionen Euro hat der mit diversen Verdienstorden dekorierte, persönlich stets unprätentiös gebliebene Unternehmer in das vor zehn Jahren eingeweihte Otto-Beisheim-Center am Potsdamer Platz in Berlin gesteckt. Das Immobilienprojekt, das unter anderem die Fünf-Sterne-Hotels der Ketten Ritz-Carlton und Marriott beherbergt, sollte damals sein Bekenntnis zur Zukunft der Hauptstadt dokumentieren. Die Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar bei Koblenz, die er vor zwanzig Jahren mit einer großzügigen Spende von rund 27 Millionen Euro bedacht hat, trägt seinen Namen und gilt als „WHU Otto Beisheim School of Management“ heute als angesehene internationale Privatuniversität. Er sei im besten Sinne ein Mäzen gewesen, der nie Einfluss genommen, aber die WHU auf sichere Füße gestellt habe, sagte ein Sprecher der Universität am Montag.

Gemeinsam mit seiner 1999 gestorbenen Frau Inge hat Beisheim zudem frühzeitig gemeinnützige Stiftungen errichtet, um sein Erbe zu regeln. Sie sollen sein kulturelles, karitatives und unternehmerisches Engagement fortsetzen. Diese beiden Stiftungen würden künftig einmal zu den größten gemeinnützigen Fördereinrichtungen der westlichen Welt gehören, hieß es vor einigen Jahren. Sie unterstützen unter anderem Projekte im Bildungsbereich, in der Jugendfürsorge, im Breitensport und in der wissenschaftlichen Forschung.

Reaktionen auf den Freitod Beisheims gab es am Montag auch von Metro und Haniel. Er sei ein Pionier und eine Legende in der deutschen und internationalen Handelsbranche gewesen, würdigte Metro-Chef Olaf Koch den Unternehmensgründer. Mit Innovation, Mut und Ehrgeiz habe er eines der weltweit führenden Handelsunternehmen geschaffen. Damit habe er ein maßgebliches Stück Wirtschaftsgeschichte geschrieben, ergänzte Franz Markus Haniel, der Aufsichtsratsvorsitzende des Metro-Konzerns und der Unternehmensgruppe Franz Haniel & Cie.

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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

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