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Nach zweiter Rettungsaktion Belgien sucht Käufer für Fortis

05.10.2008 ·  Nach einer zweiten Rettungsaktion für den belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis sucht die Regierung in Brüssel einen Käufer für den belgischen Teil der Bank. Premierminister Leterme versicherte, man werde „keinen Sparer im Regen stehen lassen“.

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Nach einer zweiten Rettungsaktion für den belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis sucht die Regierung in Brüssel nun einen Käufer für den am Freitag abgetrennten belgischen Teil der Bank. Premierminister Yves Leterme versicherte, die Regierung werde „keinen Sparer im Regen stehen lassen“. Sollte sich kein Interessent für den Einstieg bei Fortis finden, so gilt Medienberichten vom Sonntag nach auch eine vollständige Verstaatlichung von Fortis Belgien als möglich.

Die Fortis Group war am Freitag gespalten worden. Die niederländische Regierung zahlte 16,8 Milliarden Euro, um die Bank- und Versicherungsaktivitäten von Fortis in den Niederlanden einschließlich des Anteils an der Bank ABN Amro zu 100 Prozent zu übernehmen. Gemeinsam mit Belgien und Luxemburg hatten die Niederlande bereits eine Woche zuvor 11,2 Milliarden Euro aufgebracht, um jeweils 49 Prozent des Kapitals von Fortis in ihren Ländern zu erwerben.

Spannungen mit Brüssel

Am Wochenende wurden Spannungen zwischen den Regierungen in Brüssel und Den Haag deutlich. Leterme teilte mit, die belgische Regierung habe seit der ersten Rettungsaktion über die Zentralbank 45 Milliarden Euro Kredite einräumen müssen, um den Zusammenbruch der Großbank zu verhindern. Die bei der ersten Rettungsaktion bereitgestellten 11,2 Milliarden Euro seien innerhalb weniger Tage „verdampft“, schrieb die belgische Zeitung „De Standaard“. Schuld daran seien zahlreiche niederländische Großkunden gewesen, die trotz der 49-prozentigen Anteilsübernahme durch die drei Regierungen ihr Geld abgezogen hätten. Belgische Kunden seien hingegen Fortis treu geblieben.

Leterme sagte, die Aufspaltung von Fortis in einen niederländischen und einen belgischen Teil sei eine Lösung, bei der beide Seiten gewinnen könnten. Er reagierte damit auf eine Äußerung des niederländischen Finanzministers Wouter Bos, der erklärt hatte, Den Haag habe „den gesunden Teil“ des Konzerns gekauft. Die niederländischsprachige belgische Zeitung „De Standaard“ warf Bos vor, „mit verschiedenen katastrophalen Bemerkungen über Fortis“ - beispielsweise über „Leichen im Keller“ des Unternehmens - die Krise herbeigeführt zu haben. Den Haag habe dann „beinhart“ versucht, Fortis Niederlande „zu einem lachhaften Preis“ zu übernehmen. Dazu gehört auch die niederländische Bank ABN Amro, die Fortis im vergangenen Jahr für 24 Milliarden Euro gekauft hatte.

Französische Kaufinteressenten

„Wir prüfen alle Möglichkeiten“, sagte Leterme am Sonntag dem „Nieuwsblad op Zondag“ zu Beratungen über die Zukunft von Fortis Belgien. Medienberichten nach gelten vor allem die französischen Banken BNP Paribas oder Société Générale als mögliche Käufer. Sollte der Verkauf unmöglich sein, sei eine vollständige Verstaatlichung möglich, um den Kunden Vertrauen in die größte Bank Belgiens zu geben.

„Wir sind überzeugt, dass die ergriffenen Maßnahmen für die nötige Stabilität bei Fortis sorgen werden“, schrieb der Leiter des Unternehmens, Filip Dierckx, den rund 50.000 Beschäftigten der Bank. Der von der niederländischen Regierung gezahlte Kaufpreis soll die Liquidität der Bank der Fortis-Gruppe sichern. Zugleich verhindert der niederländische Staat durch die Übernahme des gesamten Kapitals der niederländischen Fortis-Bank Unsicherheit über die Zukunft der Bank ABN Amro.

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Von Heike Göbel

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