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Nach Rücktritt Was will Josef Ackermann uns sagen?

Ein Selbstmord und ein Rücktritt mit vier Sätzen. Ackermanns Abschied von der Zürich Versicherung steckt voller Merkwürdigkeiten.

© REUTERS Von März 2012 bis August 2013 war Josef Ackermann im Vorstand der Zurich Insurance Group.

Josef Ackermann hat zeit seines Lebens hart gespielt. Angefangen als Banker in Zürich und London, erst recht später als Chef der Deutschen Bank: Wer sich in diesen Sphären durchsetzt, der hat seinen Machiavelli verinnerlicht. Ruppig geht’s zu in einem Manager-Leben; bisweilen gehässig, manchmal ehrabschneidend. All das hat Ackermann zuletzt in Frankfurt erlebt, aktiv wie passiv.

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Als es in der Deutschen Bank vorbei war, im Sommer vorigen Jahres, wechselte er auf einen vermeintlich ruhigen Posten: Präsident des Verwaltungsrates der Zurich Insurance Group - eine Versicherung, ein Beamtenladen aus der Sicht eines Investmentbankers, der Ackermann lange war.

Ausgerechnet dort bringt ihn nun ein Verdacht zu Fall, gegen den er nichts auszurichten vermag: Die Anklage eines Toten, geäußert im Abschiedsbrief. Pierre Wauthier, Anfang 50, seit 2011 Finanzvorstand der Zurich, wurde am vorigen Montag tot aufgefunden in seinem Haus im Kanton Zug.

Der Manager, der Frau und zwei Kinder hinterlässt, hat sich umgebracht, daran besteht laut Polizei kein Zweifel: ein tragisches Schicksal, zunächst eine kleine Meldung in den Wirtschaftsnachrichten, die ihre Wucht erst entfaltete, als Ackermann am Donnerstag seinen sofortigen Abschied „von allen meinen Funktionen“ verkündete: Nicht mit einer der tausend üblichen Formeln, vorgesehen für solche Fälle: „neue Herausforderungen“, „persönliche Gründe“, „strategische Differenzen“, was man halt so fabuliert.

Nein, Ackermann stellt einen Bezug zum Selbstmord her, mit einer Erklärung, wie sie vorher noch nie zu hören war. „Präzise, klar, unglaublich massiv - ein Donnerschlag“, urteilt Professor Ulrich Oevermann, der die Methode der „objektiven Hermeneutik“ entwickelt hat, mit der Texte jeder Herkunft methodisch kontrolliert ausgewertet werden. Sein erstes Urteil über Ackermanns Mitteilung: Die Botschaft steckt voller Merkwürdigkeiten.

Und: „Ackermann tut etwas, was einem Profi wie ihm höchst zuwider sein muss: Er vermischt Geschäftliches und Privates.“ Das Schicksal eines Verwaltungsratschefs hängt gewöhnlich an seiner geschäftlichen Performance und an dem Vertrauen, das die Eigentümer des Konzerns ihm schenken. Doch diesmal hängt es an dem Selbstmord eines ihm unterstellten Managers, einer höchst privaten Tat.

Der Verdacht schwingt mit

Das ist neu, einzigartig. Und erzwingt Ackermanns Reaktion. Jene Vier-Satz-Botschaft des einstigen Deutsche-Bank-Chefs, was soll die uns sagen? Dass er, die ehrliche Haut, erschüttert ist über den Tod seines Finanzvorstandes und dass er, geradlinig, wie er ist, daraus die Konsequenzen zieht? Das wäre die ihm genehme Deutung.

Doch die Ungewöhnlichkeit des Textes zeigt Ackermanns Bedrängnis. Wurde er gar erpresst, seine Schuld bei der Demission zu thematisieren? Wieso sollte er das sonst tun?

Der Druck auf Ackermann ist mit Händen zu greifen: Rasch verbreitete sich in Zürich die Nachricht vom Selbstmord und auch, dass Wauthier einen Abschiedsbrief hinterlassen hat, in dem er seinen Tod mit Ackermann in Zusammenhang bringt. Inzwischen hat das auch die Konzernführung offiziell eingeräumt. Zugleich geht sie auf Distanz zu Josef Ackermann: „Der Verwaltungsrat steht unter der Verantwortung, der Frage nachzugehen, ob unser Finanzvorstand unter einem ungerechtfertigten Druck stand.“ Damit lässt sich der Konzern auf Wauthiers Rhetorik ein, die das Geschäft mit dem Privaten vermengt. Druck?

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