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Nach Fukushima : Japan ohne Atomstrom

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Japan hat keinen Atomstrom mehr - ein Demonstrant fordert, dass das auch so bleibt. Bild: dapd

Am Samstag wird Japans letzter Atomreaktor abgeschaltet. Demonstranten feiern. Doch die Regierung hat schon wieder andere Pläne.

          Mehr als ein Jahr nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist in Japan nur noch ein Kernreaktor aktiv - doch der soll am Samstagnachmittag europäischer Zeit vom Netz genommen werden. Es ist das Atomkraftwerk Tomari im Norden Japans, dort steht eine planmäßige Wartung an.

          Schon Stunden vorher haben Tausende Japaner in Tokio die Abschaltung gefeiert. Sie zogen durch einen Park im Zentrum der Hauptstadt und schwenkten Transparente mit der Aufschrift „Nein zur Atomkraft“. Die Demonstranten erklärten, sie seien nicht besorgt wegen einer möglichen Stromknappheit, vor der die Regierung gewarnt hatte.

          „Heute ist ein historischer Tag“, sagte der Demonstrant Masashi Ishikawa in einer Rede vor den etwa 5.500 Demonstranten in einem Park in Tokio. „Es gibt so viele Atomkraftwerke, aber nicht ein einziges wird heute in Betrieb sein, und das geschieht dank unserer Bemühungen.“ Die Aktivisten erklärten, es sei passend, dass der letzte Reaktor ausgerechnet am jährlichen Kindertag vom Netz genommen werde, schließlich gehe es ihnen um den Schutz der Kinder vor der Strahlung.

          Nach dem Tsunami und dem Atomunfall vom 11. März vergangenen Jahres hat Japan viele Reaktoren abgeschaltet, von denen noch keiner wieder ans Netz gegangen ist. So sind im Lauf der Zeit alle Atomkraftwerke heruntergefahren worden. In dem Land müssen Reaktoren alle 13 Monate gewartet werden. Ans Netz dürfen sie danach erst wieder, wenn auch die Behörden vor Ort zugestimmt haben. Seit der Katastrophe ist dies angesichts der Ängste der Bevölkerung nicht mehr geschehen.

          Demonstranten wollen, dass Japans Atomkraftwerke abgeschaltet bleiben. Die Regierung fürchtet aber um die Stromversorgung des Landes.

          Doch so soll es nicht bleiben. Die Regierung sorgt sich, dass Japan der Strom ausgehen könnte. Ursprünglich hatte das Land ein Drittel seines Stroms aus Atomkraft gewonnen. Seit die ausfällt, kommt das Land mit Energieimporten aus dem Ausland durch. Sie sind im vergangenen Jahr um ein Viertel auf 216 Milliarden Euro gestiegen - fast ein Drittel der gesamten Importe Japans, und es wird immer mehr.

          Darum will die Regierung die Meiler wieder anschalten - allerdings mit einer Höchstlaufzeit von 40 Jahren.

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