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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Nach Fukushima Japan begrenzt Laufzeiten für Atomkraftwerke

 ·  In Japan sind derzeit nur noch drei Atommeiler in Betrieb. Alle anderen wurden vorerst vom Netz genommen. Als Konsequenz aus Fukushima will die Regierung die Laufzeiten generell auf 40 Jahre begrenzen. Doch Atomkraftgegner fürchten eine Hintertür.

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Japans Regierung will die Laufzeiten seiner Atomkraftwerke auf 40 Jahre begrenzen. Damit ziehe das Land jetzt Konsequenzen aus der Atomkatastrophe in Fukushima, sagte Umweltminister Goshi Hosono am Dienstag in Tokio, nachdem das Kabinett einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen hatte. Gegenwärtig gibt es für Atomkraftwerke in Japan keine Laufzeitbeschränkung. Das Gesetz sieht aber auch vor, dass die Laufzeiten unter bestimmten Bedingungen nochmals um bis zu 20 Jahre verlängert werden können.

Da viele der 54 japanischen Atomkraftwerke schon in den kommenden Jahren eine Laufzeit von 40 Jahren erreichen, befürchten Gegner der Atomkraft, dass so über eine Hintertür längere Laufzeiten ermöglicht werden. Die drei Reaktoren, bei denen es in Fukushima nach dem Tsunami im März zu einer Kernschmelze gekommen ist, wurden nach 1966 gebaut. Über 40 Jahre alt sind auch Reaktoren in den mitteljapanischen Atomkraftwerken Tsuruga und Mihama. Gegner des geplanten Gesetzes erklärten, im Fall einer gesetzlichen Laufzeitbegrenzung auf 40 Jahre drohten Japan anhaltende Engpässe in der Energieversorgung.

Japan importiert immer mehr Energie

Derzeit sind nur noch drei Atommeiler in Betrieb. Alle anderen wurden zu Wartungsarbeiten oder wegen der von der Regierung durchgesetzten Stresstests vom Netz genommen.

Den Energieunternehmen ist es bislang gelungen, Engpässe zu vermeiden, indem sie alte Ölkraftwerke reaktivierten oder vorher nur schwach ausgelastete Gaskraftwerke verstärkt zur Stromerzeugung einsetzten. Japans Energieimport stieg deswegen im vergangenen Jahr um ein Viertel auf 21,78 Billionen Yen (216 Milliarden Euro). Das ist fast ein Drittel des Gesamtimports - mit steigender Tendenz. Die hohen Kosten für den Import von Öl und Gas haben dazu geführt, dass Japan im vergangenen Jahr erstmals seit 1980 ein Defizit im Außenhandel melden musste.

Die Regierung wies Vorwürfe zurück, sich mit der einmaligen Verlängerung der Laufzeiten um 20 Jahre eine Hintertür offenzuhalten. Das Gesetz stelle klare Anforderungen, eine Laufzeitverlängerung sei deswegen „extrem schwer“ durchzusetzen, heißt es in einer Erklärung von Politikern der regierenden Demokratischen Partei Japans (DPJ). Die Regierung will das Gesetz umgehend in das Parlament einbringen, damit es von April an mit Beginn des Fiskaljahres in Kraft treten kann.

Im April ist das Land atomstromfrei

Ebenfalls am Dienstag beschloss die Regierung, die zentrale Atomaufsichtsbehörde künftig im Umweltministerium anzusiedeln. Bislang war sie im Wirtschafts- und Industrieministerium, das gleichzeitig für die Förderung der Atomkraft zuständig ist. Derweil zeichnet sich ab, dass Japan wahrscheinlich Ende April atomstromfrei sein wird. Bis zur Katastrophe in den havarierten Atomreaktoren in Fukushima deckten die Atomkraftwerke 30 Prozent des Strombedarfs Japans, inzwischen sind es weniger als 3 Prozent. Die verbleibenden drei Reaktoren werden bis Ende April ebenfalls wegen routinemäßiger Wartungsarbeiten abgeschaltet. Atomreaktoren werden in Japan alle 13 Monate für eine Wartung heruntergefahren. Ans Netz dürfen sie danach erst wieder, wenn auch die lokalen Behörden vor Ort zugestimmt haben. Seit der Katastrophe ist dies angesichts der Ängste der Bevölkerung nicht mehr geschehen.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Besuch einer Expertengruppe der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) große Bedeutung zu. Die von der Regierung angeordneten Atomsicherheitstests entsprächen allgemein den Standards, heißt es in einem Bericht der IAEA an die japanische Behörde für die Sicherheit der Nuklear- und Industrieanlagen. Auch nach den Stresstests seien aber weitere Inspektionen notwendig. Mit den Tests will Japans Regierung prüfen, inwieweit die Atomkraftwerke des Landes schweren Katastrophen wie Erdbeben, Tsunami oder Stromausfällen standhalten können.

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Jahrgang 1959, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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