http://www.faz.net/-gqe-8ekuo

Nach der EZB-Zinssenkung : Strafzinsen - was ist das eigentlich?

  • Aktualisiert am

Die EZB hat noch höhere Strafzinsen beschlossen. Was heißt das? Bild: Frank Röth

Jetzt sind die Strafzinsen, die Banken für Einlagen bei der EZB zahlen müssen noch höher als zuvor. Doch was genau sind eigentlich Strafzinsen? Und warum will die EZB sie haben?

          Die EZB-Währungshüter um Notenbankchef Mario Draghi haben die Wirtschaftswelt damit aufgerüttelt, dass sie die Strafzinsen für Banken abermals erhöhten. Doch was genau ist ein solcher Strafzins überhaupt? Es handelt sich um nichts anderes als negative Zinsen: Wer Geld zur Bank bringt, kriegte bislang üblicherweise Zinsen dafür, dass er es dort parkte. Beim Negativzins geschieht nun das Gegenteil: Das Geld zu parken kostet zusätzliches Geld. Man zahlt sozusagen eine Strafe.

          Genau das passiert nun aktuell zwischen den Geschäftsbanken und der Notenbank: Der Zins, den Geldhäuser für ihre Einlagen auf Konten bei der EZB zahlen müssen, beträgt nach der heutigen Entscheidung 0,4 Prozent. Zuvor lag der Preis dafür, überschüssiges Geld bei der Zentralbank einzulegen nur bei 0,3 Prozent.

          Die Suche nach sicheren Anlagen ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Negativzinsen möglich sind. Wenn es schwer ist, das Geld sicher zu parken, wird ein solch sicherer Hafen eben teurer. Die beiden anderen Gründe sind die Geldpolitik und die gesamtwirtschaftliche Lage, und hier vor allem die Kombination aus schwachem Wirtschaftswachstum und ungewöhnlich niedrigen Inflationsraten - das ist die aktuelle Motivation der EZB.

          Fünf Notenbanken haben Negativzinsen

          Fünf Notenbanken haben in den vergangenen Jahren Leitzinsen in den negativen Bereich fallen lassen: die dänische Nationalbank im Juli 2012, die Europäische Zentralbank im Juni 2014, die Schweizerische Nationalbank im Dezember 2014, die schwedische Reichsbank im Februar 2015 und seit Anfang 2016 auch die Bank von Japan. Die niedrigsten Notenbankzinsen mit minus 0,75 Prozent hat derzeit die Schweiz.

          Doch was ist das Kalkül dahinter? Mit negativen Einlagenzinsen als Bestandteil einer expansiven Geldpolitik will die EZB die Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben, um so die Wirtschaft zu beleben, damit am Ende die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflationsrate steigt. In der Praxis wirkt die expansive Geldpolitik am ehesten über den Wechselkurs, indem sie eine Abwertung der eigenen Währung befördert. Die EZB betreibt offiziell aber keine Wechselkurspolitik, die Abwertung des Euros gegenüber dem Stand vor zwei Jahren passt ihr allerdings unausgesprochen ins Konzept.

          Mit der Entscheidung von diesem Donnerstag hat die EZB aber noch mehr beschlossen. Sie will den Geschäftsbanken ab Juni vier neue mehrjährige Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO II) anbieten. Banken, die bisher ihre Kreditvergabe gesteigert haben, können bei einer weitere Ausweitung hier nachträglich einen Bonus zu Zins-Konditionen bis zum Niveau der Strafzinsen bekommen.

          Da der Basiszins bei 0 Prozent liegt, erhielten sie damit wiederum Zinsen zusätzlich zu den aufgenommenen Krediten und die EZB würde sozusagen Strafzinsen bezahlen, dafür dass sie den Banken Geld leiht. Dass sich damit die Strafzinsen in Teilen gegenseitig aufheben können, ist dabei nur ein Nebeneffekt. Das Kalkül ist vielmehr, dass das TLTRO-II-Geld im Wesentlichen nur für Kredite an die Realwirtschaft verwendet werden darf. Davon verspricht sich die EZB eine Feinsteuerung der Kreditvergabe der Banken.

          Quelle: nab./gb.

          Weitere Themen

          Das Parlament übertrumpft May Video-Seite öffnen

          Brexit-Veto : Das Parlament übertrumpft May

          Die britischen Abgeordneten werden beim endgültigen Austritt aus der Europäischen Union das letzte Wort haben. Dafür stimmten im Parlament am Mittwoch nicht nur die Mitglieder der Opposition.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          CSU-Parteitag : Marmor, Merkel und Seehofer

          Auf dem Parteitag in Nürnberg wird der große Friedensschluss inszeniert – in der CSU und CDU. Die Kanzlerin ist gerührt und beschwört die wiedergewonnene Einigkeit.
          Union und SPD sitzen bald wieder in einer Wanne

          Fraktur : Bätschi, bätschi

          Die SPD badet gerne lau. Doch wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.