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Nach den Anschlägen Die türkische Tourismusbranche bleibt gelassen

29.08.2006 ·  Tourismusunternehmen glauben nicht, daß die Anschläge in Antalya und Marmaris schwere Einbußen bringen werden. Zwar kommen schon jetzt weniger Deutsche; andere Nationen sind aber risikobereiter.

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Die türkische Tourismusindustrie rechnet nicht mit dramatischen Folgen der jüngsten Anschläge von Antalya und Marmaris. An der Mittelmeerküste sei das Sommergeschäft weitgehend abgeschlossen, und der Städtetourismus Istanbuls entwickele sich unabhängig von den Mittelmeerdestinationen, sagen Vertreter der Branche in Antalya und Istanbul. Zudem hätten sich auch die Anschläge im Juli vergangenen Jahres in Cesme und Kusadasi kaum auf die Branche ausgewirkt.

Noch zu früh sei es für Prognosen, ob die Anschläge Folgen für das Tourismusjahr 2007 haben werden. Nicht ausgeschlossen wird indessen, daß sich Urlauber von der Türkei fernhalten könnten, wenn die Armee unter ihrem neuen Generalstabschef Yasar Büyükanit wieder verstärkt auf eine militärische Lösung des Kurdenkonflikts setzt. Nach Angaben einer Sprecherin des Reiseveranstalters Öger Tours verzeichnete das Unternehmen bis Dienstag vormittag erst 50 Umbuchungen und 50 Stornierungen. Mit Öger Tours verbringen zur Zeit rund 16.000 Deutsche ihren Urlaub in der Türkei.

Risikofreudigere Nationen überholen Deutsche

Nach vier Wachstumsjahren war das Tourismusgeschäft der Türkei bereits vor den Anschlägen schlechter gelaufen als im Vorjahr. Erst im Juli zog es wieder leicht an. Im Rekordjahr 2005 hatten 20,5 Millionen ausländische Touristen 14 Milliarden Dollar in die Türkei gebracht. Als Gründe für den leichten Rückgang in diesem Jahr nennt die Branche die Vogelgrippe, den Karikaturenstreit zu Beginn des Jahres sowie die Spannungen im Nahen Osten. Die Buchungszahlen deutscher Urlauber waren im einstelligen Bereich niedriger als im Vorjahr. Bei ihnen kommt zusätzlich die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland hinzu. Die deutschen Urlauber stellen nach wie die größte Gruppe.

Urlauber aus anderen Herkunftsländern mit einer größeren Bereitschaft, Risiken zu akzeptieren, holen jedoch auf. Den größten Zuwachs verzeichnen Urlauber aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Zudem verbringen immer mehr Araber aus den Golfstaaten ihren Sommerurlaub in der Türkei. Damit zahlt sich für die Türkei aus, daß sie seit Jahren den größten Stand auf der Tourismusmesse „Arabian Travel“ in Dubai besitzt. Wichtiger werden ferner die griechischen Urlauber, die eine Vorliebe für die Region Cesme haben.

Bomben schaden Städtetourismus nicht

Türkische Ökonomen erwarten nicht, daß die Anschläge die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits erschweren. Nach 13,2 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2005 schloß die Leistungsbilanz nach den ersten sechs Monaten 2006 zwar mit einem Fehlbetrag von 18,7 Milliarden Dollar ab. Mit 4,4 Milliarden Dollar blieb der Nettozufluß im Tourismus nahezu konstant. Stark zugenommen hat indessen der Kapitalzufluß durch ausländische Direktinvestitionen. Aufgrund der Privatisierung der Türk Telekom und des Verkaufs von Telsim an Vodafone flossen im ersten Halbjahr 2006 rund 8,8 Milliarden Dollar zu. In derselben Periode des Vorjahrs waren es nur 0,7 Milliarden Dollar.

Die Bomben von Antalya und Marmaris werden dem florierenden Städtetourismus in Istanbul nichts anhaben, erwarten Branchenkreise – ähnlich wie in Ägypten die Anschläge in Badeorten keine Auswirkungen auf die Destination Kairo gehabt haben. Aufgrund einiger Großveranstaltungen ist die durchschnittliche Belegungsrate der Luxushotels in Istanbul im vergangenen Jahr auf außerordentlich gute 76 Prozent gestiegen. Im Jahr 2004 waren es erst 65 Prozent gewesen. Für dieses Jahr werden 71 Prozent erwartet.

Erkennbar wird die wachsende Attraktivität Istanbuls daran, daß wieder mehr Kreuzfahrtschiffe mit einer zahlungskräftigen Kundschaft die Stadt am Bosporus anlaufen. Nach dem 11. September 2001 hatten viele Kreuzfahrtlinien den Anlaufhafen, wo sich viele der Passagiere einige weitere Tage aufhalten, von Istanbul nach Athen verlegt. Die ersten sind nach Istanbul zurückgekehrt.

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