10.02.2006 · Alan Greenspan ist abgetreten. Aber er macht seinen ehemaligen, nur mäßig dotierten Job mit privaten Engagements zu mehr Geld als manch amerikanischer Präsident. Daran gibt es nun allerdings Kritik.
Der Kurs des amerikanischen Dollar stieg leicht an, nachdem Alan Greenspan sich positiv zur Verfassung der amerikanischen Konjunktur geäußert hatte. Wer diesen Satz für eine alte Nachricht hält, liegt falsch. Greenspan ist zwar in der vergangenen Woche nach achtzehneinhalb Jahren als Vorsitzender der amerikanischen Notenbank Fed abgetreten. Aber er macht seinen ehemaligen, nur mäßig dotierten Job mit privaten Engagements bereits zu richtigem Geld.
Am Dienstag sprach er bei einem von der Investmentbank Lehman Brothers ausgerichteten privaten Abendessen für Kunden. Es passierte, was passieren mußte: Berichte über angebliche Kommentare von Greenspan zum zukünftigen Zinsverlauf in Amerika machten an der Wall Street, einer notorischen Gerüchteküche, die Runde. Greenspan habe suggeriert, daß ein weiterer Anstieg der kurzfristigen Zinsen in den Vereinigten Staaten nötig sein könnte. In achtzehn Jahren darauf gedrillt, Greenspans Worte in Kauf- oder Verkaufsaufträge umzusetzen, zögerten die Händler an den Renten- und Devisenmärkten nicht sonderlich lange.
In nur einer Woche Jahresgehalt übertroffen
Das Lehman-Dinner war zudem nicht der einzige Auftritt von Greenspan seit dem Ende seiner Fed-Laufbahn. Er hatte bereits eine Videobotschaft an ein Anlegerforum in Tokio gesandt. Darin soll sich Greenspan zu steigenden Öl- und Goldpreisen geäußert haben. Berichten zufolge hat er dafür 120.000 Dollar kassiert. Lehman soll das Engagement von Greenspan 100.000 Dollar gekostet haben. Das würde in die Preisklasse fallen, mit der amerikanische Präsidenten nach Ende ihrer Amtszeit ihre Erfahrung versilbern. Mit den beiden Vorträgen hat Greenspan zudem in nur einer Woche sein Jahresgehalt als Fed-Chef übertroffen, das sich auf rund 180.000 Dollar belaufen hatte.
Kritiker von Greenspan werfen ihm nun mangelndes Fingerspitzengefühl vor, weil er nicht allzulange mit solchen Auftritten gewartet hat. Das ist um so verblüffender, da sich Greenspan während seiner Amtszeit einen Ruf als vernünftiger und umsichtiger Mann erworben hatte.
Eine Art stille Post der Hochfinanz
Aber was genau Greenspan gesagt hat, ist gar nicht klar. Abschriften seiner privat gehaltenen Vorträge wurden nicht öffentlich gemacht. Nachrichtenagenturen zitierten Personen, die wiederum von Teilnehmern des Dinners unterrichtet worden waren. In anderen Worten: Die Nachricht wurde um mehrere Ecken verbreitet - eine Art stille Post der Hochfinanz.
Zwar wird auch ein Teilnehmer der Lehman-Veranstaltung mit den Worten zitiert, Greenspan habe betont keine Kommentare zum Zinstrend abgeben wollen, um die Position seines Nachfolgers Ben Bernanke nicht zu untergraben. Aber genau das ist Greenspans Dilemma. Denn genaugenommen hat er auch in den vergangenen achtzehn Jahren nie plump über Zinsen gesprochen. Er war vielmehr bekannt für „Greenspeak“, verschachtelte, mehrdeutige, vage Aussagen, die dann von den Analystenscharen an der Wall Street seziert wurden. Seine Worte hatten zudem aufgrund seiner ungewöhnlich langen Amtszeit an den Finanzmärkten ungeheuer an Gewicht gewonnen. Selbst wenn Greenspan seinen Zuhörern nur mitteilen würde, daß er sich ein neues Auto gekauft hat, könnte das möglicherweise die Kurse bewegen.
Greenspan wird gut dotiert und verdient es auch
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 09.02.2006, 23:44 Uhr
Wie alt? Na also :-)
gisbert heimes (gisbert4)
- 10.02.2006, 01:15 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.381,91 | −0,88% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2447 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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