Home
http://www.faz.net/-gqe-73jfl
Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

My Taxi Die Taxi-Rebellen

 ·  Die Gründer des unabhängigen Rufdienstes My Taxi wurden anfangs belächelt, doch mittlerweile sind allein in Deutschland rund 10.000 Taxis bei dem Unternehmen registriert. Jetzt wagt das Unternehmen den Schritt in die Vereinigten Staaten.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (9)
© Mytaxi Sven Külper und Jan-Niclaus Mewes

Als Sven Külper und Jan-Niclaus Mewes vor drei Jahren den unabhängigen Taxirufdienst My Taxi ins Leben riefen, wurden sie in der Branche nur belächelt. Niemand konnte sich vorstellen, dass die beiden Gründer im Wettkampf mit den etablierten Taxizentralen überhaupt eine Chance hätten. Die beiden Cousins hatten ein Programm für tragbare Telefoncomputer (Smartphones) entwickelt, mit dem Kunden in ganz Deutschland einen Wagen ohne Umweg über die Zentrale direkt beim Fahrer bestellen konnten. Das war eine Neuheit, die eigentlich niemand brauchte - so sahen es zumindest die Chefs vieler Taxizentralen in den deutschen Großstädten. Heute sind allein in Deutschland rund 10.000 Taxis bei dem Unternehmen von Mewes und Külper registriert. Das sind rund 20 Prozent aller Taxis, die hierzulande unterwegs sind.

Längst haben die beiden Hamburger ihre Fühler nach Spanien, Österreich und Osteuropa ausgestreckt. Seit Donnerstag ist ihr Dienst auch in den Vereinigten Staaten verfügbar. Mit dem Schritt nach Amerika ist ihnen etwas gelungen, was nur wenige deutsche Gründer schaffen.

Dass das Wachstum von My Taxi so rasant sein würde, hätten Mewes und Külper wohl selbst nicht gedacht. Die Geschäftsidee kam ihnen am Ende einer feuchtfröhlichen Nacht in München, als sie vergeblich versuchten, ein Taxi zu bekommen. Die Idee für das gemeinsame Unternehmen war geboren. Heute residiert das Start-Up in einem modernen Bau mit Blick auf den Hamburger Hafen. Zwischen den Glaswänden in der Zentrale tüfteln rund 50 der insgesamt knapp 100 Mitarbeiter an Verbesserungen des Programms, entwerfen neue Werbestrategien und betreuen die Taxifahrer, die sich bei My Taxi registriert haben. Für die meist selbständigen Fahrer ist das ein lukrativer Zuverdienst. Anders als bei den Zentralen bekommen sie Aufträge direkt auf ihr Mobiltelefon übermittelt, ohne dafür pauschal mehrere hundert Euro im Monat bezahlen zu müssen. Wie viele Fahrten auf diese Weise vermittelt werden, sagen Mewes und Külper nicht. Insofern ist ihr Geschäftserfolg bisher noch schwer zu beurteilen. Die beiden geben zu, dass My Taxi bisher noch nicht profitabel ist. Von 2014 an soll sich das ändern.

Die Gründer haben prominente Investoren im Rücken. T-Venture, ein Wagnisfinanzierer der Deutschen Telekom, gehört zu den Geldgebern der ersten Stunde. Seit diesem Jahr ist auch Daimler mit an Bord. Zusammen mit weiteren Geldgebern hat der Autobauer den Hamburgern im Januar eine Finanzspritze von 10 Millionen Euro verabreicht. Mit diesem Geld wird auch die Expansion in Amerika finanziert. Zudem profitieren Mewes und Külper davon, dass Car2Go - eine Carsharing-Tochtergesellschaft von Daimler - schon seit einiger Zeit in amerikanischen Städten präsent ist. In Washington nutzen die Unternehmen jetzt gemeinsame Büroräume. Jan-Niclaus Mewes sagt, dass sich bis heute rund 200 amerikanische Taxifahrer registriert hätten. Täglich kämen 30 bis 40 neue hinzu.

Mewes selbst hat schon ein Unternehmen gegründet, bevor er mit seinem Cousin My Taxi ins Leben rief. Nach dem Abitur entwickelte der heute 34-Jährige ein Programm, das die Kommunikation zwischen Reedern und ihren Schiffen erleichtert. Diese Firma gebe es noch immer, er kümmere sich nur nicht mehr so ausgiebig darum, sagt Mewes. Sein ein Jahr jüngerer Kompagnon hat ein Studium in Sydney absolviert und danach für eine Unternehmensberatung gearbeitet. Für ihr gemeinsames Unternehmen kratzten sie zunächst Geld von Freunden und Verwandten zusammen, bevor sie 2010 zum ersten Mal Geld von T-Venture und einem weiteren Wagnisfinanzierer bekamen. In Amerika wollen sie nun weitere Städte erobern, am besten solche, in denen auch Car2Go vertreten ist. Welche das sein werden, steht noch nicht fest. Auch in Europa wollen Mewes und Külper weiter expandieren. Der Wachstumshunger der beiden Gründer ist noch nicht gestillt.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Deutscher Bus-Club

Von Henning Peitsmeier

Der ADAC will im Markt für Busverbindungen auf Anhieb einen Anteil von einem Drittel. Leisten kann er sich einen möglichen Flop allemal. Denn gut 18 Millionen Autofahrer zahlen mehr als 1 Milliarde Euro Beiträge im Jahr. Mehr 1


Wichtigste Werte
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --