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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Mutmaßlicher Anlegerbetrüger Die Jagd auf Florian Homm

 ·  Kopfgeldjäger, falsche Pässe, Drogenpolizei: Die Suche nach dem mutmaßlichen Anlegerbetrüger gleicht einem Agententhriller. Gläubiger setzen eine Belohnung von 1,5 Millionen Euro aus - und erhalten erste Hinweise.

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Mit einer Prophezeiung hat Florian Homm recht behalten: Borussia Dortmund werde wiederkommen, erklärte Homm im Spätsommer 2004, als dem börsennotierten Fußballverein der Ruin drohte und der umtriebige Hedgefondsmanager dort Großaktionär war. „Kurskiller“ und „Plattmacher“ waren in jener Zeit die noch wohlwollenden Beschreibungen für den Finanzjongleur Homm, spekulierte er doch gern auf fallende Kurse und geriet wegen des Verdachts von Kursmanipulationen schon damals ins Visier von Börsenaufsicht und Staatsanwaltschaft.

Borussia Dortmund hielt er indes für „signifikant unterbewertet“, wie er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte. „Auch wir sehen die Risiken der BVB-Aktie deutlich, jedoch teilen wir nicht die Meinung, dass der BVB seinem Ende entgegengeht.“

Homm gab der Heuschrecke ein Gesicht

Während der Revierverein nach dem jüngsten Doppelerfolg in Bundesliga und Pokalwettbewerb vor einer großen wirtschaftlichen Zukunft steht, ist es Homm, der womöglich schon sehr bald seinem eigenen, finanziellen Ende zustrebt. Denn Homm wird von geprellten Anlegern gejagt, seit er im September 2007 mit mehr als 150 Millionen Euro Kundengeldern untergetaucht ist. Seine Popularität könnte ihm nun zum Verhängnis werden. Homms ungewöhnliches Engagement am Rande der Fußball-Bundesliga machte ihn, den Großneffen des Versandhauskönigs Josef Neckermann, schlagartig abseits der Börsenwelt bekannt. In jener Zeit füllten Bilder des Zwei-Meter-Mannes die Klatschspalten von „Bunte“, „Gala“ & Co. - Homm gab der Heuschrecke ein Gesicht.

Darauf setzen amerikanische Gläubiger, denen Homm angeblich rund 30 Millionen Euro schuldet. Sie haben den Lübecker Privatermittler Josef Resch und dessen Wirtschaftsdetektei Wifka eingeschaltet. Mit einem skurrilen Fahndungsvideo wendet sich Resch an die Öffentlichkeit. Das Gesicht des 63 Jahre alten Ermittlers ist verpixelt, er spricht mit verzerrter Stimme und sagt einen Satz, der ernst gemeint ist: „Ich präsentiere Ihnen 1,5 Millionen Euro in bar.“ Dann schwenkt die Kamera auf einen Haufen gebündelter 500-Euro-Scheine. Seit Mittwoch ist der 2 Minuten und 17 Sekunden lange Clip zu sehen. Mit erstem Erfolg. „Anwälte aus München, Monte Carlo und der Schweiz haben sich gemeldet und auch mehrere Fußball-Fans“, sagte Resch der F.A.Z. „Es gibt einen sehr konkreten Hinweis aus Südamerika.“ Die Belohnung musste er freilich noch nicht auszahlen.

„Viele Hunde sind des Hasen Tod“

Resch wird nun, wie er bereitwillig erzählte, viele Hinweise vor Ort überprüfen und auch neuen Spuren nachgehen. Er macht das nicht allein, sondern mit einem internationalen Team, dem ehemalige Marinetaucher ebenso angehören wie amerikanische Soldaten. Wer Resch reden hört, ahnt, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Aber das unfreiwillig komische Video? Für Resch ist es ein wichtiges Instrument, um den Druck auf Homm zu erhöhen: „Viele Hunde sind des Hasen Tod.“


Homm sind schon viele auf der Spur, seit er bei seiner Absolute Capital Management (ACM) über Nacht ausstieg. Kurz danach brach der Kurs der ACM-Aktie um 90 Prozent ein, rund 100 Millionen Dollar flossen aus dem Fonds ab. In guten Jahren verwalteten acht seiner Hedgefonds, die er von Mallorca aus dirigierte, 3 Milliarden Dollar Kundengelder.

Mit gefälschten Pässen und Mossad-Agenten?

Bereits damals wurde er verdächtigt, sein Imperium künstlich aufgepumpt zu haben. Vor einem Jahr klagte ihn die amerikanische Börsenaufsicht SEC an, die Justiz ermittelt. Glaubt man den Gerüchten, gleicht die Suche nach Homm einem Agententhriller: So soll die Drogenpolizei Drug Enforcement Administration (DEA) eingeschaltet gewesen sein, weil sie ihn in Geldwäsche-Geschäften südamerikanischer Drogenkartelle vermutete. Der Flüchtige selbst soll mit gefälschten Pässen zwischen den Kontinenten hin- und herpendeln und ehemalige Mossad-Agenten zum eigenen Schutz engagiert haben. Sogar von einer Gesichtsoperation ist die Rede. Überliefert ist ein Raubüberfall auf Homm in Caracas. Straßenräuber, die es wohl auf sein Portemonnaie und seine Rolex abgesehen hatten, sollen ihn nah am Herzen verletzt haben.

Konkreter dürften Hinweise sein, dass Homm in ein Marktmanipulationsverfahren der Münchner Staatsanwaltschaft verstrickt sein könnte. Ein Prozess gegen die zwei ehemaligen Aktionärsschützer Tobias Bosler und Markus Straub, die mit gezielten Gerüchten Aktienkurse meist kleinerer Firmen beeinflusst und daran verdient hatten, ist vor dem Landgericht München bereits beendet worden. Ein weiteres Verfahren läuft noch. Die Staatsanwaltschaft will nicht bestätigen, ob auch Homm als Beschuldigter geführt wird. „Wir äußern uns aus ermittlungstaktischen Gründen weder zu Namen noch zu Firmen“, sagte ein Sprecher der Behörde.

Prototyp des eiskalten Investors

Homm hat einige Jahre lang ein ähnliches Geschäftsmodell praktiziert, das Bosler und Straub erst in Untersuchungshaft und dann auf die Anklagebank brachte. Beide wurden schließlich zu Freiheitstrafen verurteilt.

Homm verkörpert den Prototyp des eiskalten Investors. Die Geschichte seiner unfeinen Aktiengeschäfte ist lang. So spekulierte er beim Finanzdienstleister MLP und der Immobilienholding WCM auf fallende Kurse und geriet in Verdacht, diese durch negative Analystenstudien selbst herbeigeführt zu haben. Ein ähnliches Vorgehen wurde ihm beim Autovermieter Sixt schließlich nachgewiesen: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht verpflichtete Homm zur Zahlung einer fünfstelligen Summe.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent in München.

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