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Kommentar : Mutige Richter

Lufthansa hebt wieder ab: Die Piloten müssen zurück an die Arbeit. Bild: dpa

Der Piloten-Streik ist vorerst zu Ende. Die Cockpit-Gewerkschaft zeigt sich schockiert. Doch das Bundesverfassungsgericht ist nicht mehr weit.

          Das ist mehr als ungewöhnlich. In Hessen haben drei mutige Richter mit gesundem Menschenverstand den Streik der Gewerkschaft Cockpit gestoppt, mit dem die Piloten nicht ihre Privilegien (hohes Gehalt, großzügige Frührente, üppige Pension) verteidigen, sondern vielmehr die Lufthansa zu einer Änderung der Unternehmensstrategie zwingen wollten. Mit einer Serie von Streiks will die Spartengewerkschaft den Aufbau der Billigfluglinie Eurowings in Österreich durch Lufthansa verhindern, auf die das Unternehmen jedoch angewiesen ist, weil es ohne diese strategische Antwort den Attacken der Wettbewerber im Segment der Billigflieger hilflos ausgeliefert ist.

          Auch in der Premiumklasse weht Lufthansa der Wind ins Gesicht, da nicht nur die Airlines aus den Golfstaaten ohne Pensionslasten günstiger fliegen und das oft auch noch mit besserem Gerät. Den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat war genauso wie der Kapitalseite bewusst, dass es um nicht weniger als das Überleben der Lufthansa als eigenständige Gesellschaft ging, als sie im Herbst diese Strategie gemeinsam mit dem Vorstand beschlossen. 

          Man muss mit mehr als nur mit Blindheit geschlagen sein, wenn man als hochbezahlter Pilot mit sicherem Arbeitsplatz in dieser Lage das Wohl der eigenen Berufsgruppe über alles andere stellt. Zum Glück für die Passagiere, das Unternehmen und die rund 115.000 Lufthansa-Beschäftigten, die nicht dieselben Privilegien wie die Damen und Herren der Lüfte genießen, schicken nun die Richter die 5400 Piloten wieder zurück ins Cockpit.

          Die Spartengewerkschaft gibt sich „vollkommen überrascht“. Dabei ist der Streik unverhältnismäßig, da eine kleine Minderheit die Mehrheit zur Geisel nimmt. Außerdem handelt es sich offenkundig um einen „Mogel-Streik“, weil der Tarifvertrag gar nicht der Gegenstand des Streits ist. Den heutigen Piloten der Lufthansa soll nichts genommen werden, obwohl ihre Besitzstände wie aus der Zeit gefallen anmuten, woran die frühere Führung von Lufthansa ein gerütteltes Maß an Mitschuld trägt. Wenn sich die Vereinigung Cockpit von ihrem Schreck erholt hat, dürfte der Streit wohl beim Bundesverfassungsgericht landen. Man muss hoffen, dass auch Karlsruhe der Führung eines Konzerns noch ein Minimum an unternehmerischer Entscheidungsfreiheit lässt und nicht länger alles der „heiligen Kuh“ Koalitionsfreiheit unterordnet.

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