Home
http://www.faz.net/-gqe-7748r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Multiplikator-Debatte Dissens über die Sparpolitik

Macht die Sparpolitik in den Euro-Krisenländer alles noch schlimmer? Der IWF schätzt die Effekte der Sparpolitik in einer Studie deutlich negativer ein als bisher. Das Bundesfinanzministerium hält dagegen: Die Studie sei wenig belastbar.

© dpa Vergrößern Wann wird aus Sparen ein Kaputtsparen?

Das Bundesfinanzministerium bestreitet, dass die Anpassungsprogramme in den Euro-Krisen-Ländern alles nur noch schlimmer machen. Das Haus von Wolfgang Schäuble (CDU) geht in der sogenannten Mulitplikator-Debatte auf Konfrontationskurs zum Internationalen Währungsfonds (IWF), nachdem dieser die Effekte der Sparpolitik nun deutlich negativer einschätzt als bisher. Das Bundesfinanzministerium hält die Belastbarkeit der jüngsten IWF-Analyse für „gering“, wie es im neuesten Monatsbericht mitteilt.

Manfred Schäfers Folgen:    

Die technisch anmutende Debatte ist politisch brisant - nicht nur für die innenpolitische Debatte in den Krisenländern, wo die Frage offen diskutiert wird, was die Sparorgie bringt, wenn die Wirtschaft schrumpft, sondern auch für die Geberländer. So wirft die Opposition der Bundesregierung vor, die Krise mit ihrem Beharren auf einen harten Sparkurs zu verschärfen. Die Konsolidierung der Staatshaushalte laufe ins Leere, wenn „aus Sparen ein Kaputtsparen“ werde und keine Wachstumsperspektiven eröffnet würden, argumentierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am Donnerstag im Bundestag.

Der Multiplikator signalisiert, um wie viel die Wirtschaftsleistung steigt, wenn der Staat einen Euro mehr ausgibt - oder eben umgekehrt, um wie viel das Bruttoinlandsprodukt sinkt, weil er sparen muss. Ursprünglich hatte der IWF diesen Multiplikator auf 0,5 beziffert. Nun geht er von einem Wert je nach Umständen und Land zwischen 0,9 und 1,7 aus. Das hieße im Extremfall, wenn die Regierung die Ausgaben zusammenstreicht, rutscht ein Land schneller in die Rezession, so dass in der Folge der Staat spürbar weniger Steuern einnimmt. Beim ursprünglich unterstellten Wert wäre dieser dem Sparen entgegenwirkende Effekt deutlich geringer. Die griechische Opposition nutzt diese Korrektur des IWF aus, um das Ausland für das Abrutschen des Landes verantwortlich zu machen.

Mehr zum Thema

In seinem Monatsbericht zerlegt das Ministerium die aktuelle Analyse des Währungsfonds. „Der Untersuchung mangelt es an einer ausreichenden dynamischen Betrachtung“, kritisiert es. „Zudem beinhaltet der Ansatz nur eine sehr geringe Anzahl an Beobachtungen, und die Resultate hängen stark von der Auswahl der Länder in der Stichprobe ab.“ Schließlich trage eine Querschnittsanalyse der sehr unterschiedlichen Lage in den einzelnen Ländern nicht ausreichend Rechnung. Der IWF habe nur kurzfristige statische Auswirkungen auf die wirtschaftliche Aktivität abgebildet, urteilen die Volkswirte aus dem Finanzministerium. Schäubles Leute verweisen auf Untersuchungen der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank. Nach beiden sind langfristig sogar positive Effekte von Sparmaßnahmen möglich. „In der längeren Frist können Konsolidierungen nach der EZB-Studie nicht nur die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen, sondern sogar auch das Bruttoinlandsprodukt erhöhen“, heißt es.

Das Finanzministerium gibt unmissverständlich zu erkennen, dass es der EZB mehr Glauben schenkt als dem IWF: „Insgesamt kann die EZB-Studie vor dem Hintergrund der hier genannten Kriterien als sehr weitreichend und belastbar eingestuft werden.“ Zugleich weist es auf ein weiteres Ergebnis der Untersuchung hin: Steigt die Glaubwürdigkeit der Konsolidierungspolitik, sinken die gegenläufigen Effekte spürbar. Diese Erkenntnis ist offensichtlich in Griechenland noch nicht angekommen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Steuereinnahmen Staat kassierte 2014 so viel wie nie zuvor

Bund und Länder haben im vergangenen Jahr 593 Milliarden Euro eingenommen. Aufgrund der hohen Beschäftigung hatten die Beamten mit einem Rekord gerechnet. Doch das Ergebnis übertrifft noch einmal die Erwartungen. Mehr

30.01.2015, 01:00 Uhr | Wirtschaft
Sparpolitik Briten sind gegen den deutschen Sparkurs

In London nimmt die Kritik am deutschen Sparkurs zu: Denn die "German Austerity" gefährde die Eurozone und darunter leide auch die Wirtschaft in Großbritannien. "Die Leute verstehen Deutschland nicht", sagt Quentin Peel, Kolumnist bei der führenden Wirtschaftszeitung Financial Times. Die deutsche Wirtschaftspolitik ist aus Sicht vieler britischer Kommentatoren völlig falsch. Mehr

21.01.2015, 18:21 Uhr | Wirtschaft
Machtwechsel in Athen Was bedeutet Syrizas Sieg für Europa?

Alexis Tsipras hat mit seinem Linksbündnis die Macht in Griechenland erobert. Kommt nun ein weiterer Schuldenschnitt? Beendet er das Troika-Diktat? Oder treten die Griechen gar aus dem Euro aus? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen. Mehr

26.01.2015, 10:44 Uhr | Wirtschaft
Schäuble pocht auf Konsolidierung

Die Bundesregierung setze auf eine stabilitätsorientierte Politik, sagte der Bundesfinanzminister zum Auftakt der Haushaltsberatungen in Berlin. Den Investitionsstau will Schäuble mit Hilfe privater Geldgeber lösen. Mehr

09.09.2014, 15:34 Uhr | Politik
Eurokrise Das Ringen um den Schuldenschnitt beginnt

Nach dem Wunsch des griechischen Finanzministeriums sollen mit dem heutigen Besuch von Eurogruppen-Chef Dijsselbloem bereits die Neuverhandlungen über Athens Schulden beginnen. Politiker rufen ihn dazu auf, hart zu bleiben. Mehr

30.01.2015, 08:24 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.02.2013, 16:52 Uhr

Sparen mit Gesundheits-Apps?

Von Philipp Krohn

Mit Gesundheits-Apps können Versicherer widerspruchslos Daten ihrer Kunden sammeln – und stoßen damit auf viel Wohlwollen. Technische Rabatte winken dem, der die Versicherungen tief in sein Leben schauen lässt. Das birgt Risiken. Mehr 4 7


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Grafik des Tages Das iPad macht halb so viel Umsatz wie Google

26,7 Milliarden Euro betrug der Umsatz mit Apples Tabletcomputer iPad. Damit setzt der Konzern allein mit einem Produkt mehr um, als viele Dax-Konzerne erwirtschaften. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden