13.08.2009 · Der Damenmodenkonzern Escada ist pleite und hat an diesem Donnerstag Insolvenzantrag gestellt. Der Vorstandsvorsitzende Bruno Sälzer erleidet damit eine schwere Schlappe als Sanierer - doch bei näherem Hinschauen erwächst aus dem Insolvenzantrag auch so etwas wie Hoffnung.
Von Rüdiger KöhnDer Schock muss tief gesessen haben. Am Dienstagabend gegen 21.30 Uhr wurde es für Bruno Sälzer immer mehr zur Gewissheit, dass sein Rettungsplan scheitert. Das allein war vielleicht noch nicht einmal Anlass für eine gewisse Niedergeschlagenheit, die den 52 Jahre alten Vorstandsvorsitzenden der Escada AG an jenem schwarzen Dienstag befallen haben könnte. Der eigentliche Rückschlag war vielmehr die Heftigkeit, mit der die mächtig gewordenen Inhaber einer Altanleihe über 200 Millionen Euro seine im Grunde durchaus akzeptable Umtauschofferte vom Tisch gefegt haben. Nur etwas mehr als die Hälfte der gesteckten Annahmequote wurde erreicht. Das kann ein sonst - auch in schwierigen Zeiten - so locker wirkender Modemanager nicht wegstecken.
Nun ist der Insolvenzantrag auch offiziell gestellt - eine harsche Niederlage für Sälzer. Bei näherem Hinschauen aber erwächst aus dem nun unvermeidbaren Insolvenzantrag durchaus so etwas wie Hoffnung. Denn nun kann sich Sälzer seiner eigentlichen Aufgabe widmen: der Mode - besser: der Wiederbelebung einer Exklusivmarke namens Escada.
Mode als Randthema
Er ist nicht zu bremsen, wenn er von der neuen Frühjahr/Sommer-Kollektion 2010 redet, die „sein“ Team entwickelt habe. Und er ist mit Elan, mit großen Vorsätzen am 1. Juli 2008 seine neue Aufgabe angegangen. Angefangen hatte er damit. Doch in den vergangenen Monaten musste er sich mehr mit der Rettung der Finanzen, mit Streubesitzaktionären, mit Anleihegläubigern, mit der Finanzaufsicht Bafin oder mit dem Verkauf der maroden Marke Primera beschäftigen - und nicht mit Mode. Die degradierte immer mehr zum Randthema.
Sälzer, der schon kurz nach seinem Eintritt bei Escada Enthusiasmus entwickelt hatte, kam vom Modekonzern Hugo Boss, wo er im November 1995 angefangen und im Mai 2002 den Posten des Vorstandschefs übernommen hatte. Aus heutiger Sicht schicksalshafter ist jedoch seine davor liegende fünfjährige Tätigkeit beim Kosmetikkonzern Beiersdorf in Hamburg gewesen. Dadurch kamen Kontakte zu den Tchibo-Erben Herz zustande, zu deren Imperium Beiersdorf gehört. Die Großaktionäre von Escada haben ihn im vergangenen Jahr nach München geholt, nachdem sich Sälzer im Februar 2008 mit dem Hauptaktionär von Hugo Boss überworfen hatte. Die Beteiligungsgesellschaft Permira hatte das Ruder übernommen und damit begonnen, Boss über hohe Dividendenzahlungen auszusaugen. Sälzer war nicht bereit, diese Spielchen mitzumachen, obwohl sein Vertrag noch bis 2012 lief.
Ein harter Wechsel
Um so mehr entwickelte der drahtige, sportliche und zumeist humorvolle Modemanager, der immer gut für einen lockeren Spruch ist, Begeisterung für seine Sanierungsaufgabe bei Escada. Der promovierte Betriebswirt musste reichlich aufräumen in einem Unternehmen, dass derart vom vorangegangenen Management vernachlässigt wurde; besonders durch seinen Vorgänger Jean-Marc Loubier. Der Franzose stand seit jeher heftigst in der Kritik der Aktionäre, auf Kosten von Escada gelebt, aber nicht gearbeitet zu haben. Unter der Woche wohnte er exklusiv im Hotel in München, um am Wochenende nach Frankreich - also nach Hause - zu fliegen. Somit konnte der Wechsel an der Escada-Spitze nicht härter sein.
Sälzer zeigte soviel Identität mit dem neuen Arbeitgeber, dass er mit seiner Frau im Vertrauen auf Escadas Zukunft rund drei Millionen Euro in Aktien des Unternehmens investiert hatte, zum großen Teil aus seiner Abfindung von Boss. Wegen eines Kapitalschnitts sind die wenig, mit dem Kurssturz der vergangenen drei Tage kaum noch etwas Wert. Auch so gesehen ist eine gewisse Niedergeschlagenheit nachvollziehbar. Einen Hoffnungsschimmer hat Bruno Sälzer aber: Durch den Insolvenzantrag kann er sich voll der Sanierungsaufgabe der Modemarke Escada widmen, was ihm wohl eher liegt, als sich mit Kapitalanlegern herumzuschlagen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,74 | −0,82% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2455 | −0,27% |
| Rohöl Brent Crude | 106,06 $ | −0,74% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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