Die Herrscherfamilie des Emirats Qatar hat eine Vorliebe für edle Mode und übernimmt nun den italienischen Luxushersteller Valentino. Nach ungewöhnlich kurzer Verhandlungsdauer einigte sich das Emirat dem Vernehmen nach mit dem bisherigen Valentino-Eigner, dem Finanzinvestor Permira, auf einen Verkauf. Der Abschluss soll dieser Tage erfolgen, hieß es aus dem Umfeld der Transaktion. Für Permira dürfte es eines der besten Geschäfte seit langem sein, dem Vernehmen nach zahlt Qatar mehr als 600 Millionen Euro für das Modehaus, das im Anschluss an die Lehman-Pleite in die Krise gekommen war und Verluste machte.
Mitveräußert wird demzufolge auch die Marke M Missoni, nicht aber Marlboro Classics. Zuletzt erwirtschaftete Valentino wieder einen operativen Gewinn (Ebitda) von gut 20 Millionen Euro, was bedeuten würde, dass die Herrscherfamilie rund den 27-fachen Ebitdawert bezahlt – eine auch im Geschäft unter Finanzinvestoren extrem hohe Zahl. Der Umsatz des 1960 von Valentino Garavani gegründeten Unternehmens wird für 2011 auf rund 330 Millionen Euro geschätzt.
Die Scheicha trägt Valentino
Die Modemarke Valentino ist in jüngster Zeit durch die Entwürfe der beiden Kreativdirektoren Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli wieder zu neuem Glanz gekommen. Die Kleider werden inzwischen in eigenen Läden in knapp 40 Ländern verkauft. Nach Angaben des britischen Senders Sky erwirbt die Herrscherfamilie das Unternehmen direkt und nicht über den Staatsfonds Qatar Holding. Aus dem Umfeld der Verhandlungen hieß es, die Gattin des Emirs, Scheicha Mozah, sei eine Liebhaberin der italienischen Luxusmarke, deren Kleider unter anderem von Sophia Loren getragen werden. Die Qatar Holding hatte im Mai 2010 das berühmte Londoner Luxuskaufhaus Harrod‘s erworben und ist auch mit 5 Prozent am Schmuckkonzern Tiffany‘s beteiligt.
Der Finanzinvestor Permira hatte das italienische Modeunternehmen im Jahr 2007 zusammen mit dem Metzinger Modekonzern Hugo Boss für gut 5,3 Milliarden Euro von der italienischen Marzotto-Gruppe erworben. Boss war seinerzeit noch unter dem Dach der Valentino Fashion Group angesiedelt, wurde aber Ende 2009 im Zuge eines Schuldenrückkaufs als unabhängige Beteiligung im Permira-Portfolio aufgestellt.