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Mobilfunk Mobilcom: Zunächst kein Insolvenzantrag

 ·  Firmengründer, Ex-Chef und Großaktionär Schmid ist zuversichtlich: „So, wie es aussieht, gehört Mobilcom zu den Gewinnern. Mobilcom wird überleben.“

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Die vor dem finanziellen Aus stehende Mobilcom AG wird vermutlich auch am Sonntag keinen Antrag auf Insolvenz stellen. Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch hatte am Samstag gesagt: „Heute passiert nichts". Am Freitag hatte sich ein Anwalt im Auftrag von Mobilcom beim zuständigen Amtsgericht Flensburg über die Modalitäten eines Insolvenzverfahrens erkundigt.

Die Bundesregierung lud für Sonntag zu einem Krisentreffen nach Berlin ein, um über Wege zur Rettung des Konzerns zu beraten. An dem Treffen sollen neben Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) und Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier Staatssekretäre mehrerer Bundesministerien, Mobilcom-Chef Thorsten Grenz und Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) teilnehmen. Ein zuvor von Grenz noch für Freitag angekündigter Insolvenzantrag könnte sich deshalb auf nächste Woche verschieben, hatte es geheißen. Der Betrieb des zweitgrößten deutschen Mobilfunkers ohne eigenes Netz geht derweil weiter, für die Kunden ändert sich nichts, betonte die Mobilcom AG.

Bund will helfen

Unterdessen berichtete die „Bild“-Zeitung am Samstag, die Bundesregierung wolle Mobilcom mit einer Millionen-Bürgschaft aus der Krise helfen. Der Bund und das Land Schleswig-Holstein wollten kurzfristige Bankkredite bis zu 200 Millionen Euro durch Staatsbürgschaften absichern. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums verwies in diesem Zusammenhang in Berlin auf das am Sonntag geplante Krisentreffen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte angekündigt, sich für den Fortbestand von Mobilcom einsetzen zu wollen. Es sei Aufgabe der Kieler Regierung, zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium und der Unternehmensführung über konkrete Konzepte zu diskutieren.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Matthias Wissmann, warnte am Samstag erneut unter Hinweis auf die Erfahrungen mit dem Bauriesen Philipp Holzmann vor neuen Bürgschaftszusagen Schröders. „Meine Sorge ist, dass wieder das gleiche Betrugsmanöver gestartet wird, wie man es in Sachen Holzmann gemacht hat“, sagte der CDU-Politiker dem Sender NDR Info.

Schmid hält Mobilcom für Gewinner

Für den ehemaligen Vorstandschef der Mobilcom, Gerhard Schmid, ist die Zukunft von Mobilcom noch nicht klar. „So, wie es aussieht, gehört Mobilcom zu den Gewinnern“, sagte Schmid der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Ich bin überzeugt, Mobilcom wird überleben.“ Schmid verlangte, Berlin müsse auf die französische Regierung einwirken, damit France Télécom seine vertraglichen Verpflichtungen erfülle. Schmid, der rund 50 Prozent der Aktien von Mobilcom hält, erwartet zudem, dass kein Insolvenzantrag für Mobilcom gestellt wird: „Kurzfristig muss die Politik ungesicherte Liquidität überbrücken. Längerfristig muss sie bei den Verhandlungen mit der France Télécom assistieren. Wir brauchen eine politische Lösung, um die Insolvenz zu vermeiden.“

Auch persönlich gibt Schmid sich gelassen. Sein einstmaliger Reichtum von 65 Milliarden Euro seien alles nur „Buchwerte“ gewesen: „Da gucke ich nicht drauf. Ich bin ja kein Spekulant, der vier Tage Aktien hält, um Gewinne an der Börse zu machen. Das Aktienpaket ist für mich eine Unternehmensbeteiligung an einem Unternehmen, das ich gegründet habe.“

Simonis gibt Kritik zurück

Schmid kritisierte abermals die deutsche Politik; sie sei im Fall Mobilcom zu spät aufgewacht. Die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin gibt den Vorwurf zurück: „Die Streithähne Gerhard Schmid und der FT-Finanzvorstand Jean-Lous Vincinguerra sollen jetzt Ruhe geben“, sagt sie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Ihr öffentlich ausgetragener Zwist hat schon genug Schaden gestiftet - für die Beschäftigten wie für die Aktionäre.“ Nachdem jetzt die Insolvenz drohe, sei die Affäre keine reine Privatangelegenheit mehr. Deshalb werde die Bundesregierung prüfen, welche vertraglichen Verpflichtungen FT bei Mobilcom eingegangen sei. Simonis machte zugleich deutlich, dass sie auch die Banken in die Pflicht nehmen will: „Die Banken können sich jetzt nicht aus ihrer Verantwortung für Mobilcom stehlen. Schließlich haben sie auch Kredite gegeben, um Geschäfte mit Mobilcom zu machen. Deshalb müssen sie jetzt ihren Teil zur Rettung von Mobilcom beitragen.“

Gerichtliches Nachspiel für France com

France Télécom rechnet entgegen ersten Ankündigungen nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ doch mit einem gerichtlichen Nachspiel. Mobilcom hatte bereits angekündigt, eine Schadenersatzklage zu erwägen. „Wir sind darauf vorbereitet“, sagte France-Télécom-Vorstand Jean-Francois Pontal der Zeitung. Mögliche Schadenersatzklagen seien jedoch unberechtigt: „Mobilcom sollte sich besser um seine Zukunft kümmern, als uns zu verklagen.“

Als weiteres Problem kann Mobilcom nach eigenen Angaben von einem großen Teil seiner Kunden die Rechnungen nicht mehr kassieren. Die Deutsche Bank habe den Lasteneinzug eingestellt, sagte Mobilcom- Aufsichtsratschef Klaus Ripken der „Welt am Sonntag“.

Der Verwaltungsrat der France Télécom hatte am Donnerstagabend beschlossen, nicht die Kontrolle bei Mobilcom zu übernehmen und auch keine weitere finanzielle Unterstützung zu geben. Die Franzosen gaben die Schuld an dem Ausstieg Mobilcom-Gründer und -Mehrheitsaktionär Gerhard Schmid und der Bundesregierung.

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