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Mobile World Congress Die Welt des Mobilfunks blickt auf Barcelona

 ·  In diesem Jahr werden in Deutschland mehr Smartphones als Handys verkauft. Wie die Mobilfunkbranche diesen Trend fortsetzen will, erörtert die Branche auf dem Mobile World Congress in Barcelona.

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© AFP Vergrößern Nokia brachte auf seiner Pressekonferenz gleich mehrere Neuheiten mit nach Barcelona

Kleine Brötchen backen, das ist nicht die Sache des Mobile World Congress in Barcelona. Die Veranstalter der Mobilfunkmesse, die an diesem Montag für vier Tage in der katalanischen Hauptstadt ihre Pforten öffnet, mögen es gern groß und bedeutend. In diesem Jahr lautet das Motto „Redefining Mobile“. Das ist ein schöner Werbespruch und noch etwas mehr: Tatsächlich befindet sich die Mobilfunkwelt im Umbruch; sie wird gerade heftig umdefiniert.

Nach der Einführung des Mobilfunkstandards GSM im Jahr 1991 waren Handys fast zwei Jahrzehnte zum Telefonieren da und vielleicht noch zum Schreiben und Versenden von Kurznachrichten. Diese Epoche neigt sich rasch ihrem Ende zu. Noch in diesem Jahr werden in Deutschland mehr internetfähige Smartphones (15,9 Millionen) als gewöhnliche Mobiltelefone (13 Millionen) verkauft. Für Smartphone-Besitzer ist Sprachkommunikation Nebensache. Sie nutzen gerade einmal ein Viertel der Zeit zum Telefonieren, der Rest wird zum Surfen, zum Mailen und für soziale Netzwerke eingesetzt. Mobilfunk heißt nun also in erster Linie mobiles Internet. Und das ist ein weites Feld zum Geldverdienen für jeden der 1.400 Aussteller in Barcelona.

Das größte Interesse ziehen die Geräteproduzenten auf sich. Sie bringen diesmal Smartphones mit nach Barcelona, die es leistungsmäßig leicht mit etwas älteren Desktop-Computern aufnehmen können. Quadcore-Prozessoren sorgen für Tempo und für „Spielspaß in Konsolenqualität“, wie es der koreanische Hersteller LG formuliert. Während vor zehn Jahren Miniaturisierung Trumpf war, geht der Trend jetzt in die Gegenrichtung. Das iPhone von Apple mit seinem 3,5 Zoll großen Display ist schon längst nicht mehr das Maß aller Dinge. Wettbewerber wie HTC oder Samsung warten mit 4 bis mehr als 5 Zoll großen Bildschirmen auf.

Ein Bad im Goldfischglas muss ein Smartphone aushalten

Nicht zuletzt die zahlreichen Patentprozesse der jüngsten Vergangenheit demonstrieren, dass in der Branche mit harten Bandagen um Marktanteile gekämpft wird. Dennoch wagen sich selbst jetzt noch neue Spieler aufs Parkett. Nach jahrelanger Abstinenz vom europäischen Markt präsentiert beispielsweise der japanische Hersteller Panasonic in Barcelona sein Modell Eluga, das wie so viele andere auch auf das Betriebssystem Android von Google setzt. Das wasserdichte Gerät funktioniert laut Prospekt auch noch nach einem Bad im Goldfischglas und soll mit Hilfe einer speziellen Technologie mit den Viera-Fernsehern von Panasonic zusammenarbeiten können. Der Hersteller will im neuen Geschäftsjahr von April an 1,5 Millionen Exemplare verkaufen. Das ist nicht viel, verglichen mit den 37 Millionen iPhones, die Apple allein im Schlussquartal 2011 verkauft hat. Doch man will wenigstens mit einem Fuß im Geschäft der Zukunft stehen.

Daneben richten sich die Blicke der MWC-Besucher auf Nokia. Der angeschlagene Handy-Weltmarktführer aus Finnland war im vergangenen Jahr dem Branchengroßereignis in Spanien ferngeblieben. Aus gutem Grund, hatte man damals doch kaum etwas Neues zu präsentieren. Jetzt, nachdem die ersten Windows-Smartphones auf dem Markt sind, schöpfen die Finnen wieder Hoffnung. Bislang hielt sich Nokia bedeckt, was in Barcelona zu sehen ist. Voraussichtlich will der Konzern mit einer neuen Kameratechnologie auftrumpfen, darauf deutet jedenfalls ein Werbeclip hin. Mit Spannung warten Beobachter zudem auf die jüngsten Verkaufszahlen und die Erweiterungen der im vergangenen Herbst eingeführten neuen Gerätereihe Lumia, die auf dem Betriebssystem Windows Phone von Microsoft basiert. An der Börse hatte zuletzt die Rückkehr zum Mobile World Congress den Kurs der Nokia-Aktie unterstützt und binnen einer Woche um rund 10 Prozent angehoben.

Mobiler Datenverkehr in Höhe von 813 Trillionen SMS pro Jahr

Neben den Geräten stehen auf dem MWC die Netze im Blickpunkt. Das umso mehr, als mit inzwischen mehr als vier Milliarden Mobilfunkkunden auf der Welt die Infrastruktur an ihre Grenzen gelangt. Nach Schätzungen des Netzwerkausrüsters Cisco wächst der globale mobile Datenverkehr von 2011 bis 2016 um das Achtzehnfache. Dann dürften jeden Monat rund 10,8 Exabyte übertragen werden. Solche Zahlen bedürfen der Erklärung: Ein Exabyte ist eine Trillion Byte, eine Eins mit 18 Nullen. Die jährliche mobile Datenübertragungsmenge von 130 Exabyte entspricht, rechnet Cisco vor, dem Fassungsvermögen von 33 Milliarden DVDs oder 813 Trillionen SMS. Allein in Deutschland soll das Volumen des mobilen Datenverkehrs im Jahr 2016 rund 4,7 Exabyte betragen. Im vergangenen Jahr waren es 0,22 Exabyte.

Mit dem Nachfolger der UMTS-Technologie namens LTE (Long Term Evolution) wollen die Netzbetreiber der wachsenden Nachfrage nachkommen. Diese vierte Mobilfunkgeneration befindet sich allerdings noch im Aufbau, Smartphones mit LTE sind bis dato die Ausnahme. Die schnelle Technik dürfte aber schneller ausgebaut werden als seinerzeit das UMTS-Netz. Die Unternehmen der Branche setzen darauf auch geschäftlich ihre Hoffnung. Nach Jahren sinkender Mobilfunkpreise sollen höher angesetzte LTE-Tarife die Margensituation entspannen.

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