23.10.2003 · Unter den Angestellten des Londoner Finanzdistrikt, der City, sind Rassismus, Sexismus, physische und psychische Gewalt allgegenwärtig. Daß ein hoher sozialer Druck herrscht, war bekannt, doch das wahre Ausmaß läßt eine Umfrage erahnen.
Mehr als die Hälfte aller Angestellten in der City of London, dem Londoner Finanzdistrikt, sind Opfer oder Zeugen von Mobbing geworden. Das ergab eine Umfrage der British Broadcasting Corp. unter Brokern, Händlern und Analysten.
Von den 331 Männern und Frauen, die BBC im September befragt hat, erklärten 56 Prozent, in Londons Finanzviertel seien Rassismus, Sexismus, physische und psychische Gewalt allgegenwärtig. Bei Auseinandersetzungen um Gehälter oder Beförderung reagierten die Angestellten der City wie "Kinder auf dem Pausenhof", heißt es in der Vorankündigung zu dem BBC- Beitrag, der am Donnerstagabend ausgestrahlt wird.
Mobbing und Aggression allgegenwärtig
"Jedem ist klar, daß in der City ein hoher sozialer Druck herrscht. Aber diese Umfrage macht deutlich, wie allgegenwärtig Mobbing und Aggression in einigen Ecken sein können", schreibt Joanna Burge, die Produzentin der Sendereihe "The City Exposed". Einige Überflieger hätten aufgrund der Übergriffe ihren Job hingeschmissen, so Burge.
Nur wenige Wochen vor der BBC-Umfrage war das Brokerhaus Cantor Fitzgerald LP verurteilt worden, dem ehemaligen Vorstandsmitglied Steven Horkulak eine Entschädigung von 912.000 Pfund (1,3 Mio. Euro) zu zahlen. Horkulak warf seinem früheren Chef vor, ihn aus dem Unternehmen gemobbt zu haben.
Arbeitskultur der Londoner Finanzwelt in Frage gestellt
Von den Befragten gaben 31 Prozent an, sie seien selber Opfer von Mobbing oder Diskriminierung geworden. Etwa die Hälfte der Teilnehmer empfinden ihre Arbeitsumgebung feindselig, aggressiv und stressig. Einzelne ehemalige Arbeitnehmer der Londoner Finanzinstitute erklärten den Journalisten der BBC, sie seien von ihren Kollegen oder Chefs eingeschüchtert oder zu Tränen gedemütigt worden.
Die britische Arbeitsschutzbehörde erkennt Mobbing mittlerweile als mögliche Ursache für psychische Belastung an. Mobbing "muß unternehmensintern durch Beschwerde- und Disziplinarverfahren frühzeitig angegangen werden, bevor ein reales Risiko für die Gesundheit der Angestellten entsteht", schreibt die Behörde auf ihrer Website.
Der Richter der den Fall des Vorstandsmitglieds Horkulak verhandelte, erklärte, der Fall stelle die Arbeitskultur der Londoner Finanzwelt in Frage. Richter George Newman verwehrte sich gegen die Einstellung, daß die "enormen Gehälter", die in der City gezahlt werden, Arbeitgeber berechtigen, ihre Angestellten zu beschimpfen und zu gängeln. Horkulak, der Cantor Fitzgerald im Juni 2000 verlassen hat, sagte aus, sein Chef habe ihn monatelang fast regelmäßig angebrüllt, wenn beide miteinander sprachen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,74 | −0,82% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2455 | −0,27% |
| Rohöl Brent Crude | 106,06 $ | −0,74% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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