31.05.2007 · Oft wollen kleine und mittlere Unternehmen den Betrieb an die nächste Familiengeneration weitergeben. In vielen Firmen fehlt aber ein passender Nachfolger. Ein Verkauf ist derzeit eine attraktive Alternative. Die Nachfrage ist hoch - die Preise sind es auch.
Von Henrike RoßbachMittelständlern mit Nachfolgesorgen bleibt oft nur der Verkauf ihres Unternehmens. Viele Familienbetriebe aber scheuen diesen Schritt. Dabei sind die Zeiten für einen Unternehmensverkauf gerade jetzt besonders günstig: Die Nachfrage ist nach Auskunft von Fachleuten hoch, die Preise, die gezahlt werden, auch.
Will sich der Senior-Chef aus dem Geschäft zurückziehen, haben Mittelständler verschiedene Möglichkeiten. Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags wollen kleine und mittlere Unternehmen am liebsten den Betrieb und auch die Unternehmensführung an die nächste Familiengeneration weitergeben. In vielen Unternehmen ist das aber nicht möglich - weil ein passender interner Nachfolger nicht in Sicht ist. Oft scheidet auch die Option aus, dass der Betrieb zwar in Familienhand bleibt, aber von einem externen Manager geführt wird.
„Böse Heuschrecken sind im Mittelstand selten“
Zwei Möglichkeiten skizziert Jan Peter Hatje für solch einen Fall: ein Management-Buy-in, also den Verkauf an eine Einzelperson, die das nötige Eigenkapital mitbringt, oder den Verkauf an einen Finanzinvestor beziehungsweise ein anderes Unternehmen. Hatje ist Berater der Angermann M&A International GmbH aus Hamburg, die darauf spezialisiert ist, Mittelständler bei Unternehmenskäufen und -verkäufen zu begleiten. Noch immer gebe es im Mittelstand Berührungsängste beim Thema Unternehmensverkauf. Nur ungern ließen Unternehmer den Konkurrenten in die Bücher schauen, wüssten sie doch nicht, ob er wirklich an einem Kauf interessiert sei oder bloß Informationen wolle.
Auch gegenüber Finanzinvestoren seien Mittelständler oft skeptisch. Sie fürchten eine Zerschlagung und Entlassungen, sagt Hatje. „Dabei sind ,böse Heuschrecken' im Mittelstand selten. Bei 10 bis 100 Millionen Euro Umsatz ist eine Zerschlagung schwierig.“ Auch der Stolz spiele eine Rolle, fügt er hinzu. Der Verkauf eines Unternehmens werde in Deutschland häufig geringgeschätzt, als Niederlage empfunden.
Attraktive Preise
Stephan Hellmann, beim Bankhaus Metzler zuständig für die Unternehmensfinanzierung, spricht ebenfalls von Berührungsängsten der Mittelständler. Dabei gebe es durchaus Finanzinvestoren, die die „Sprache des Mittelstandes“ sprechen könnten. Der Verkauf an einen jahrelangen Wettbewerber sei für so manchen Firmenpatriarchen emotional sogar noch schwieriger. Die Bereitschaft, sich mit einem Unternehmensverkauf zu beschäftigen, nehme jedoch zu im deutschen Mittelstand - auch wegen der derzeit attraktiven Kaufpreise.
Angermann-Berater Hatje rät seinen Kunden, sowohl mit Unternehmen als auch mit Finanzinvestoren zu sprechen. „Der Konkurrent zahlt oft eine strategische Prämie auf den Unternehmenswert. Zum Beispiel für den Marktzugang, das Knowhow oder dafür, dass er nach dem Kauf die Nummer eins wird.“ In der derzeit guten Konjunktur sei die Liquidität vieler Unternehmen wieder hoch, und Zukäufe seien möglich. Für Finanzinvestoren spreche auf der anderen Seite, dass sie wesentlich erfahrener seien, was den Kauf eines Unternehmens angehe. „Sie haben außerdem einen großen Anlagedruck“, sagt Hatje, „sie schwimmen im Geld und suchen händeringend Investments.“
Auch Old-Economy-Unternehmen sind interessant
Deutsche Mittelständler sind für ausländische Investoren attraktive Kaufobjekte. Sie sind innovativ, auf dem Weltmarkt präsent und oft Hidden Champions - Weltmarktführer in einer Nische. „Außerdem können Finanzinvestoren hierzulande noch günstiger einkaufen als anderswo“, sagt Hatje. Begehrt sind vor allem Logistik-Dienstleister, Unternehmen aus der Informationstechnik sowie Pharma- und Biotechnologiefirmen. Letztere würden höher bewertet als Betriebe der sogenannten alten Wirtschaftszweige wie Automobilindustrie oder Maschinenbau. Aber auch solche Old-Economy-Unternehmen seien sehr interessant für Investoren.
All diese Entwicklungen haben die Preise, die Unternehmensverkäufer erzielen können, nach oben getrieben. Eine Abkühlung sieht Hatje zwar noch nicht. Wie lange die Warmzeit für Unternehmensverkäufe aber noch anhalte, hänge von der Weltwirtschaft ab und davon, ob die Zinsen niedrig bleiben - denn wenn die Refinanzierung für Finanzinvestoren teurer wird, lohnt sich manches Investment nicht mehr. Hellmann vom Bankhaus Metzler glaubt ebenfalls nicht, dass der Höhepunkt erreicht ist. Trotzdem sei jetzt eine gute Zeit, um über einen Verkauf nachzudenken. Die Preise seien wegen der niedrigen Zinsen und der Liquidität am Private-Equity-Markt gut. Außerdem gehe es den Unternehmen deutlich besser als noch vor einiger Zeit. „Mit prall gefüllten Büchern verkauft sich eine Firma einfach besser.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,74 | −0,82% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2455 | −0,27% |
| Rohöl Brent Crude | 106,06 $ | −0,74% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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