IWF-Chefin Christine Lagarde hat von wichtigen Schwellenländern die Zusage bekommen, 90 Milliarden Dollar in die Notkasse des Währungsfonds einzuzahlen. Nach Angaben des IWF hat China 43 Milliarden Dollar versprochen, während Russland, Brasilien, Indien und Mexiko jeweils 10 Milliarden Dollar bereitstellen wollen. Die Türkei ist bereit, 5 Milliarden Dollar zu zahlen und andere, kleinere Länder jeweils eine Milliarde. Die Schwellenländer verlangen aber IWF-Reformen zu ihren Gunsten, um mehr Mitspracherechte beim Währungsfonds zu erhalten.
Die Verdopplung der Krisenmittel war bereits im April beschlossen worden. Konkrete Zusagen wurden damals jedoch - unter anderem von den Eurostaaten, Japan und Saudi-Arabien - zunächst nur über 340 Milliarden Euro gemacht. Die Euro-Länder schultern umgerechnet 150 Milliarden Euro. Deutschland steuert über die Bundesbank rund 41,5 Milliarden Euro bei. Die Vereinigten Staaten lehnen eine Mittelaufstockung bisher strikt ab. In Los Cabos erklärten sich laut Lagarde nun zwölf weitere Länder zur Unterstützung bereit, was die IWF-Kreditkapazitäten nahezu verdopple. Damit erhöhe sich die Zahl der Länder, die frische Mittel beitragen, auf insgesamt 37.
IWF-Chefin Lagarde will die Kriegsgkasse des Fonds auf 700 Milliarden Dollar aufstocken, um im Falle drohender Staatspleiten einspringen zu können. Nach eigener Aussage kann sie nun auf eine Summe von 456 Milliarden Dollar zurückgreifen. Die Zusagen zeigten „die weitreichende Verpflichtung der Mitgliedsländer, den IWF mit ausreichenden Ressourcen auszustatten, damit er sein Mandat für die Stabilität der Finanzmärkte erfüllen kann“, erklärte Lagarde. Die Mittel stünden allen IWF-Mitgliedern für die Krisenprävention zur Verfügung.
Schwellenländer fordern mehr Stimmgewicht
Die Verzögerung beim Eingang der Zahlungsverpflichtungen zeigt, dass wichtige Schwellenländer wie China und Brasilien mit der aktuellen Entwicklung des IWF unzufrieden sind. Sie beklagen die Dominanz der westlichen Staaten und fordern entsprechend ihrer Größe mehr Stimmgewicht. Deshalb drängen sie auf eine Reform des Regelwerks, die ihrem gewachsenen Einfluss Rechnung trägt. Sie sorgen sich auch darüber, dass der IWF in Not geratenen Euro-Staaten zu schnell zur Seite springt, ohne dass sich die Europäer selbst bewegen.
Der Währungsfonds kann die neuen Ressourcen erst anzapfen, wenn die bisher zur Verfügung stehenden 380 Milliarden Dollar nahezu ausgeschöpft sind. Allerdings müssen die Mitglieder das Geld dann auch tatsächlich überweisen, was Monate dauern kann.
