23.04.2004 · Die japanischen Großaktionäre halten an Mitsubishi fest. Nach einem Krisengipfel aller zum weitverzweigten Konglomerat zählenden Unternehmen sicherten sie dem angeschlagenen Autobauer ihre „vollständige Unterstützung“ zu.
Die japanischen Großaktionäre werden weiterhin an der Mitsubishi Motors Corp. (MMC) festhalten. Nach einem Krisengipfel aller zum weitverzweigten Mitsubishi-Konglomerat zählenden Unternehmen sicherten sie am Freitag dem schwer angeschlagenen Autobauer ihre „vollständige Unterstützung“ zu.
Zuvor hatte die andere Großaktionärsgruppe Daimler-Chrysler mitgeteilt, sich nicht an der anstehenden milliardenschweren Kapitalspritze zu beteiligen. Auch werde die finanzielle Unterstützung für MMC eingestellt, hieß es aus Stuttgart. Die Japaner werden die anstehende Sanierung der verlustreichen Mitsubishi Motors Corp. nun aus eigener Regie führen. In Unternehmenskreisen hieß es, „eine Insolvenz steht nicht zur Debatte“. In einem neuen Sanierungsplan werde vielmehr die mittelfristige Gesundung angepeilt.
Details zum Sanierungsplan innerhalb eines Monats
Dazu sollen binnen eines Monats weitere Details bekannt gegeben werden. So zeigt man sich in Tokio überzeugt, daß man die Wende zum Besseren auch ohne die Führung der Daimler-Chrysler-Gruppe schaffen wird. Mitsubishi hat aufgrund harscher Einbrüche im Amerikageschäfte für das gerade beendete Geschäftsjahr einen operativen Verlust von 770 Millionen Euro angepeilt. So wurde eine milliardenschwere Kapitalspritze notwendig. Das aber stellte die von Stuttgart aus seit drei Jahren angestrengten Sanierungsbemühungen in Frage.
Das Mitsubishi-Konglomerat will den Autobauern aus den eigenen Reihen nun aus eigener Kraft sanieren. An den Finanzmärkten ist das mit Skepsis aufgenommen worden. Ist MMC mit einem Schuldenberg von umgerechnet etwa acht Milliarden Euro doch schwer belastet. So hatten die Aktien der maßgebenden Unternehmen der Mitsubishi-Gruppe am Freitag teilweise hohe Kursverluste zu verzeichnen. MMC selbst verlor knapp ein Viertel seines Unternehmenswertes. Die Papiere der Großanteilseigner Mitsubishi Heavy Industries Mitsubishi Corp. und dem Finanzierungsarm des Konglomerats, MTFG, gaben jeweils knapp 5 Prozent nach.
Analysten betrachten Situation kritisch
Koji Endo, Autospezialist von CSFB meinte, „die Märkte gehen davon aus, daß für MMC ein neuer Partner gefunden werden muß. Andernfalls rechnen wohl viele damit, daß das Unternehmen den verschärften Wettbewerb nicht überstehen wird“. An der Mitsubishi-Spitze hieß es allerdings, die Unternehmen der Gruppe „rücken nun sehr, sehr eng zusammen“. Damit solle eine nachhaltige Beschädigung der Marke verhindert werden. „Für uns war Daimler-Chrysler immer die Nummer Eins für die Sanierung von MMC.“ Nun habe man sich eines Besseren belehrt sehen müssen.
Die Deutschen hatten im Herbst 2000 für umgerechnet 2,2 Milliarden ein Drittel der MMC-Aktien übernommen. Später wurde der Anteil auf 37 Prozent erhöht; 34 Prozent der Aktien liegen bei Unternehmen des Mitsubishi-Konglomerats; der Rest ist in Streubesitz. In den zurückliegenden Wochen habe man den Deutschen mehrfach zugesichert, sich nach einer erfolgreichen Sanierung aus MMC zurückzuziehen, heißt es bei Mitsubishi. Somit hätte Stuttgart das Unternehmen kapital- und managementmäßig voll in seine weltweiten Wachstumspläne integrieren und übernehmen können. Auch sei man sich über die nächsten Schritte im neuen Geschäftsplan einig gewesen.
Ringkampf der Großaktionärsbanken
Allerdings soll es Differenzen bei der Entscheidung der Verlagerung einzelner Produktionsstandorte von Japan auf das asiatische Festland gegeben haben. Unüberbrückbare Schwierigkeiten seien allerdings mit dem mittelfristig ausgerichteten Finanzplan aufgetreten. Dabei stand dem Vernehmen nach die Entschuldung von MMC ganz oben auf der Tagesordnung. „Aus einem Fingerhakeln sei ein Ringkampf geworden. Dabei spielten die Hausbanken der beiden Großaktionärsgruppen die tragende Rollen. Die Bank of Tokyo-Mitsubishi, Teil der Finanzgruppe MTFG, ist Hauptkreditgeber von MMC.
„Ein heißes Eisen“ für alle Beteiligten
In den Verhandlungen ging die deutsche Seite offenbar immer von der Streichung eines Großteils der in der Vergangenheit an Mitsubishi Motors ausgereichten Kredite aus. Dazu allerdings war die Bank of Tokyo-Mitsubishi offensichtlich nicht bereit. Sie wollten die Verbindlichkeiten lediglich umschichten. Das aber stieß bei der Deutschen Bank auf Widerstand. Das Institut hält insgesamt knapp 12 Prozent der Daimler-Anteile. Sie sollen mittelfristig gewinnbringend verkauft werden. Dabei haben die Deutschbanker einen Aktienkurs von mindestens 50 Euro im Blick.
Seit Monaten dümpelt das Daimler-Papier allerdings um die Marke von 35 Euro. So hatte es in Frankfurter Finanzkreisen während der zurückliegenden Wochen geheißen, Mitsubishi sei für alle Beteiligten „ein heißes Eisen“.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.738,47 | +0,68% |
| FAZ-INDEX | 1.504,02 | +0,59% |
| TecDAX | 775,33 | +0,71% |
| MDAX | 10.290,00 | +0,40% |
| SDAX | 5.011,74 | +0,53% |
| REX | 421,76 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.491,54 | +0,43% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,48 | +0,59% |
| Dow Jones | 12.880,90 | +0,62% |
| Nasdaq 100 | 2.569,89 | +0,89% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3188 | −0,38% |
| Rohöl Brent Crude | 117,43 $ | −0,40% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,19 € | −0,31% |