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Mitarbeiterbefragung der Commerzbank Misstrauensvotum gegen Blessing

15.12.2011 ·  Nur ein Drittel der Mitarbeiter empfiehlt die Commerzbank im privaten Umfeld weiter. Auch die restlichen Ergebnisse einer Umfrage sind unerfreulich.

Von Markus Frühauf
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Die Commerzbank kämpft gegenwärtig mit drastischen Sparmaßnahmen gegen ihre Kapitalnot an. Der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing will die strengeren Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA), die in ihrem jüngsten Stresstest eine Lücke von 5,3 Milliarden Euro aufgezeigt hat, ohne neue Staatshilfen erfüllen. Ob er sich dabei auf die uneingeschränkte Unterstützung der 59.000 Konzernmitarbeiter verlassen kann, muss nach den Ergebnissen einer aktuellen Mitarbeiterumfrage bezweifelt werden.

Zwei Drittel der Mitarbeiter geben keine uneingeschränkte Empfehlung

Zwischen September und Oktober wurden die Mitarbeiter der Commerzbank AG befragt. 25.000 von ihnen füllten den Fragebogen aus, die Ergebnisse stehen seit einigen Tagen im Intranet der Bank - und müssen fast schon als Misstrauensvotum gegen Blessing gewertet werden. Auf die Frage, ob die Mitarbeiter die Commerzbank als kompetenten Finanzdienstleister ihren Freunden und Bekannten weiterempfehlen würden, antwortet nur ein Drittel mit „Ja“. 32 Prozent würden das Institut ihren Freunden und Bekannten ausdrücklich nicht empfehlen. Nur unter Einschränkungen wären zu einer Empfehlung 24 Prozent bereit. Die restlichen 7 Prozent machen keine Angaben. Unterm Strich würden 67 Prozent der Mitarbeiter ihre Bank im Bekanntenkreis nicht uneingeschränkt weiterempfehlen.

Noch schlechter fallen die Resultate bei der Frage aus, ob die Mitarbeiter die Commerzbank als attraktiven Arbeitgeber in ihrem privaten Umfeld weiterempfehlen würden. Hier stimmen nur 30 Prozent zu, während 39 Prozent mit „Nein“ antworten. Nur eingeschränkt können demnach 28 Prozent die Commerzbank als Arbeitgeber empfehlen. Wiederum 7 Prozent enthalten sich der Antwort.

Kundenzufriedenheit soll stärker berücksichtigt werden

Die Commerzbank selbst stuft die Antworten auf die beiden Empfehlungsfragen als nicht zufriedenstellend ein. Die Mitarbeiter würden auch von der negativen Berichterstattung über die Bankenbranche im Allgemeinen und zur Commerzbank im Besonderen beeinflusst, sagte Karl-Heinz Große Peclum, der als Zentralbereichsleiter Managementberatung für die Umfragen verantwortlich ist. Er verweist darauf, dass die Bank seit geraumer Zeit daran arbeite, den Mitarbeitern im Privatkundengeschäft eine größere unternehmerische Freiheit zu ermöglichen.

Mitte November hatte Privatkundenvorstand Martin Zielke ein neues Vertriebssystem angekündigt. Die rund 10.000 Bankberater sollen in Zukunft nicht mehr so stark an ihren Verkaufszahlen gemessen werden. Stattdessen sollen die Kundenzufriedenheit und die erfolgreiche Pflege von Kundenkontakten stärker in die Bewertung der Mitarbeiter und damit in ihre variable Vergütung einfließen. Bisher habe die Commerzbank im Privatkundensegment „zu stark und nur auf das kurzfristige Ergebnis hingesteuert“, begründete Zielke vor vier Wochen die Maßnahme.

Drastische Sparmaßnahmen geplant

Ob die Resultate in Zukunft besser ausfallen, muss aber bezweifelt werden. Denn der Kapitalengpass zwingt die Commerzbank zu drastischen Sparmaßnahmen. Dass die Weihnachtsfeiern gestrichen wurden, wissen die Mitarbeiter schon seit Wochen. Doch nun sollen auch im Tagesgeschäft harte Sparmaßnahmen ergriffen werden. Mitarbeiter berichten von Plänen, wonach im ersten Halbjahr nicht nur die Reisekosten deutlich zurückgefahren werden sollen. Auch das Begleichen von Rechnungen externer Lieferanten soll so weit wie möglich in das zweite Halbjahr verschoben werden. Zudem werden deutliche Einschnitte bei der Vergabe von Immobilienkrediten erwartet.

Dass der Vorstand um jeden Preis eine abermalige Staatshilfe vermeiden und damit auch die gesetzliche Gehaltsbeschränkung für Top-Manager auf jährlich nicht mehr als 500.000 Euro abwehren will, stößt deshalb in Teilen der Belegschaft auf Unverständnis. Nachdem die Commerzbank dank ihrer Rekordkapitalerhöhung von 11 Milliarden Euro in diesem Frühjahr die stillen Einlagen des Bundes um insgesamt 14 Milliarden Euro zurückgezahlt hat, ist sie an diese Auflage aus dem Restrukturierungsgesetz nicht mehr gebunden.

Mitarbeiter sehen zu wenig Aufstiegschancen

Die schlechtesten Umfrageergebnisse erzielte die Commerzbank im Bereich „Berufliche Weiterentwicklung“. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter sieht in ihrer Bank keine guten Aufstiegschancen. Durch persönliche Leistung beruflich weiterkommen zu können, glaubt nur ein Drittel. Immerhin spielen 57 Prozent der Mitarbeiter nicht mit dem Gedanken, die Bank für einen anderen Arbeitgeber zu verlassen. Diesen Gedanken hegen 16 Prozent. Knapp ein Fünftel antwortete auf die Frage mit „teils/teils“.

41 Prozent sind stolz darauf, für die Commerzbank zu arbeiten, 22 Prozent sind es nicht. Zwei Dritteln der Mitarbeiter macht die Arbeit der Umfrage zufolge Spaß. Aber nur 24 Prozent können in ihrem direkten Arbeitsumfeld einen Zusammenhang zwischen den kurzfristigen, operativen Entscheidungen und den langfristigen Unternehmenszielen erkennen. 38 Prozent teilen nicht diesen Eindruck. Und nur 37 Prozent erkennen zwischen ihrer Arbeit und dem Zielbild, beste Bank für Privat- und Firmenkunden sein zu wollen, einen sinnvollen Zusammenhang.

„Man befragt die Mitarbeiter nicht, um schöne Zahlen zu erhalten“

Mitarbeiterbefragungen führt die Commerzbank seit der Übernahme der Dresdner Bank regelmäßig und zu verschiedenen Themen durch. Der diesjährige „Commerzbank Monitor“ ist der dritte seiner Art. „Man befragt die Mitarbeiter nicht deshalb, um schöne Zahlen zu erhalten, sondern um den Lernprozess in der Organisation zu verbessern“, sagt Große Peclum. Deshalb bleiben auch die wenig ermutigenden Ergebnisse nicht Verschlusssache, sondern stehen jedem Mitarbeiter im Intranet zur Verfügung.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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